EU-Forschungsinitiativen zu Herausforderungen durch wachsenden Luftfahrtsektor
Die fünften "Aeronautics Days" wurden in der österreichischen Hauptstadt Wien abgehalten. Anlässlich der Veranstaltung bekräftigte der EU-Kommissar für Wissenschaft und Forschung, Janez Potocnik, seine Verpflichtung gegenüber der Luftfahrtindustrie und versicherte den Delegierten, dass das Siebte Rahmenprogramm (RP7) planmäßig Anfang 2007 starten könne. Der Kommissar war einer der Einführungsredner der "Aerodays". Er würdigte Österreich, das seinen Umsatz in der Luftfahrtindustrie von lediglich 30 Millionen EUR im Jahr 1998 auf 500 Millionen EUR heute erhöht hat. Auf der Veranstaltung wurden auch zwei bedeutende Forschungsinitiativen vorgestellt, die die volle Unterstützung der Europäischen Kommission haben - eine zu der Zukunft der Flugsicherung und eine andere zur Minimierung der Emissionen. In Europa werden derzeit täglich 25.000 Flüge abgewickelt, die etwa 3,1 Millionen Arbeitsplätze mit der Beförderung von einer Milliarde Passagiere pro Jahr unterstützen. Es befinden sich zu jeder Zeit 4.500 Flüge in der Luft. Bis 2020 werden zusätzlich 14.000 neue Flugzeuge benötigt, um die steigende Nachfrage nach Flügen abzudecken. Dies stellt sowohl eine enorme Chance für die Wirtschaft dar als auch eine enorme potenzielle Bedrohung für die Umwelt. "Die Bedeutung der Luftfahrt ist riesig", sagte Kommissar Potocnik. "Die Luftfahrt ist die wichtigste Komponente des Abschnitts 'Verkehr' des RP7 und die drittwichtigste insgesamt in der Zukunft." Es sind insgesamt 4,2 Milliarden EUR für die weitere Forschung zum Verkehr unter dem RP7 vorgesehen. Der Großteil der Entscheidungsfindung im Bereich Luftfahrttechnik wurde an den Rat für Luftfahrtforschung in Europa (Advisory Council for Aeronautical Research in Europe - ACARE) übertragen, der die erste aktive europäische Technologieplattform (ETP) war. Die strategische Forschungsagenda des ACARE ist jetzt die Grundlage des Entwurfs der Luftfahrtkomponente für die Forschung unter dem RP7. Ein anderer ACARE-Bereich, CLEAN SKY, ist ein wahrscheinlicher Kandidat für die Entwicklung zu einer Gemeinsamen Technologieinitiative (Joint Technology Initiative - JTI). CLEAR SKY zielt auf eine beträchtliche Reduzierung der Umweltauswirkungen von Flugzeugen ab, sowohl in Bezug auf ihre Emissionen als auch den Lärm, den sie erzeugen. Der österreichische Staatssekretär für Forschung, Eduard Manioni, sagte, die Luftfahrtindustrie sei von zentraler Bedeutung und ihre Unterstützung sowie die Unterstützung der Ziele der Lissabon-Agenda seien entscheidend. "Jährliche Wachstumsraten von fünf Prozent machen die Luftfahrtindustrie zu einer der am schnellsten wachsenden Branchen weltweit. Es ist eine forschungsintensive Industrie. Die Investition von 14 Prozent des Umsatzes in F&E [Forschung und Entwicklung] ist eine Verpflichtung zur Nachhaltigkeit", sagte er. Die Fluggesellschaften reagieren bereits auf die Nachfrage, die durch den sehr verstärkten Wettbewerb seit den Anschlägen vom 11. September 2001 auf New York, die die Kundennachfrage reduzierten, angetrieben wird. Der Generaldirektor von Eurocontrol, Victor Aguado, stellte heraus, dass in den letzten Jahren die Nachfrage gestiegen sei, die Verspätungen rückläufig seien, die Sicherheit verbessert worden sei und die Kosten gesunken seien - wovon alle profitierten. Aber um die Steigerungen bei der Flugzeugnutzung optimal zu nutzen, muss es eine entsprechende Steigerung der Luftraumkapazität geben. Das Eurocontrol-Projekt SESAR soll dies verwirklichen, indem es die sichere und dynamische Nutzung des Luftraums für den Flugverkehr maximiert. "Es ist der Flugverkehrsmanagement-Masterplan", sagte er. SESAR wird dieselbe Technologie wie das Satellitennavigationsprogramm der EU, Galileo, verwenden und die europäischen Flugsicherungssysteme koordinieren. Die beträchtlich erhöhte Genauigkeit von Galileo sollte das Fliegen zunehmend sicherer machen. Das Projekt unterstützt die im Jahr 2004 festgesetzte Richtlinie der Kommission für einen einheitlichen europäischen Luftraum. Diese anhaltende Unterstützung für die Luftfahrt ist kein neues Phänomen, sondern eine Entwicklung etablierter Forschung. "Die EU unterstützt die Luftfahrt seit 1988", sagte Kommissar Potocnik. "Die Industrie muss diese Dynamik für die Zukunft beibehalten." Dabei ist Nachhaltigkeit von zentraler Bedeutung. "Sie ist einer der technikintensivsten Sektoren, wobei 14 Prozent des Umsatzes in F&E investiert werden, und Strategie ist wichtig für die Zukunft Europas." "Die politische Unterstützung für europäische F&E erreichte ein neues Hoch, als die Staats- und Regierungschefs die überarbeitete Lissabon-Strategie unterstützten, die Wissen und Innovation für Wachstum zur obersten Priorität für die EU erklärt. Es besteht jetzt eine Verpflichtung, stärker in diesen Bereich zu investieren", sagte er. Das deutsche MdEP Jorgo Chatzimarkakis stimmte zu: "Wir gehören zu den Besten im Bereich der Erfindungen, aber nicht bei der Innovation - wir verstehen nicht, wie Innovation funktioniert. Forschung wandelt Geld in Technologie um und Innovation wandelt Technologie in Geld um." Er bezog sich auf bedeutende europäische Erfindungen wie das Internet und das MP3-Format, die in Europa nicht ausreichend genutzt werden. Kommissar Potocnik ist ein vehementer Anhänger der europäischen Innovation und insbesondere des Entwurfs für Innovation, der von der Expertengruppe unter der Leitung des ehemaligen finnischen Premierministers, Esko Aho, verfasst wurde. Während sämtliche F&E zum Erreichen der Ziele der Agenda von Lissabon beiträgt, scheint es bis zu den drei Prozent noch ein langer Weg zu sein. Die europäische Luftfahrtindustrie ist weltweit führend. Nur das US-Unternehmen Boeing verfügt über die Mittel und die Größe, um mit ihr konkurrieren zu können. "Entsprechend muss das hohe Niveau von Investitionen in F&E, das im Luftfahrtsektor erreicht wurde, beibehalten - oder sogar erhöht - werden, um den Vorsprung der Industrie zu sichern", sagte der Kommissar. Das RP7 leitet neue und aufregende Forschungsbereiche in der EU ein. Mit der Ausweitung der EU wird eine effiziente Verkehrsinfrastruktur bedeutsam. Der Bericht "Vision 2020" und das EU-Weißbuch "Verkehr" hatten wesentlichen Einfluss auf die ACARE-Liste der Forschungsprioritäten. Diese Forschungsagenda leitet die Denkweise und die Forschungsprioritäten Europas, das in dieser äußerst wettbewerbsfähigen Industrie Neuerungen einführen muss. Die festgelegten Schlüsselbereiche sind: - Erhöhung der Kapazität - um auf die Nachfrage zu reagieren, die sich in den nächsten 10-15 Jahren voraussichtlich verdoppeln und in den kommenden 20 Jahren verdreifachen wird; - die ökologische Ausrichtung des Flugverkehrs - diese gestiegene Nachfrage wird Druck auf die Flugzeugbauer ausüben, die Emissionen und Umweltauswirkungen zu reduzieren; - Sicherheit von Flugzeugen und Passagieren - insbesondere in Bezug auf Terroranschläge und Luftraumverwaltung; - Kosteneffizienz - eine Reduzierung der Produkteinführungszeit für neue Technologien wird wiederum die Kosten in der gesamten Industrie senken, wodurch der Flugverkehr preiswerter wird; - Zufriedenheit der Verbraucher - Reduzierung der Unfälle um das Fünffache und Erhöhung der Zufriedenheit der Passagiere, einschließlich Flughafennutzung rund um die Uhr, Verwendung leiserer Flugzeuge zur Minimierung der Umwelt- und Lärmauswirkungen. - Zeiteffizienz - bessere Nutzung des Luftraums, die sofortige Starts und Landungen erhöhen und die auf Flughäfen verbrachte Zeit reduzieren wird. - Künftiger Flugverkehr - Suche nach neuen Möglichkeiten zur Erhöhung der Erfahrung künftiger Flugpassagiere und radikaler, innovativen Lösungen. Zum tatsächlichen Start des RP7 äußerte sich der Kommissar bestimmt. "Ich versichere Ihnen, dass alle beteiligten Institutionen - Rat, Parlament und Kommission - gewillt sind, das Gesetzespaket zum Rahmenprogramm so schnell wie möglich anzunehmen. Nach einer zweiten Lesung im Europäischen Parlament im Herbst und der endgültigen Annahme durch das Kollegium sollte das RP7 zu Jahresbeginn 2007 startbereit sein." Zusammenfassend sagte er, er werde weiterhin ein Vielflieger sein, sowohl was die Fluggesellschaften der Branche als auch die laufenden Forschungsinitiativen betreffe. Der Airbus A380 überschattete die Veranstaltung aufgrund einer Gewinnwarnung des leitenden Partners EADS und die unmittelbar bevorstehende Ankunft des amerikanischen Präsidenten George W. Bush.