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Die Möglichkeiten und Grenzen der IKT im Bereich Katastrophenvorhersage und -alarm

In unserer zunehmend digitalisierten Welt besteht die Tendenz, in der Technologie den Königsweg für die Lösung wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Probleme zu sehen. Die Technologie hat sich auch in der Tat als sehr nützlich erwiesen - sie hat direkt und indirekt die Leb...

In unserer zunehmend digitalisierten Welt besteht die Tendenz, in der Technologie den Königsweg für die Lösung wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Probleme zu sehen. Die Technologie hat sich auch in der Tat als sehr nützlich erwiesen - sie hat direkt und indirekt die Lebensqualität der Menschen überall auf dem Globus verbessert. Es gibt allerdings nach wie vor Phänomene, die ungezähmt von jedem menschlichen Wissen und jeder Wissenschaft Leid und Zerstörung bringen: Naturkatastrophen. Was kann getan werden, um die Auswirkungen solcher Ereignisse zu mildern und wo stößt die Wissenschaft an ihre Grenzen? Diese Themen standen im Mittelpunkt einer Diskussion über die Rolle der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) bei Naturkatastrophen im Rahmen des Forums "Euro-South East Asia" zu IKT. Der aktuelle Stand wurde ebenso diskutiert wie die Frage, wo künftig die Prioritäten gesetzt werden sollten. Zwei eigenständige, aber dennoch miteinander verbundene Aspekte sind der Schlüssel in dem Bestreben, die Zerstörung durch Naturkatastrophen einzudämmen: die Vorhersage der Naturkatastrophe und die Warnung aller wahrscheinlich Betroffenen. Für verschiedene Arten von Katastrophen gibt es bereits Frühwarnsysteme. Jedes wetterbedingte Ereignis kann recht gut vorhergesagt werden: Stürme, Überschwemmungen, Hitzewellen, extremer Schneefall. Aufgrund der zeitlichen Verzögerung zwischen dem Auslöser und den Wirkungen ist sogar ein Tsunami vorhersehbar. Schwieriger wird es dagegen bei Erdbeben. Sie können im Allgemeinen nur eine Minute vor ihrem Eintritt erkannt werden. Die erste Präsentation bei der Veranstaltung konzentrierte sich auf die aktuelle Forschung zur Verbesserung der Vorhersagen, während sich die zweite Präsentation mit der Forschung über die Folgen einer Katastrophe beschäftigte, insbesondere den Rettungsmaßnahmen. In Europa, so Agnès Marty von dem französischen Unternehmen Thales, werden die Erkenntnisse über Naturkatastrophen, Risikomanagement und die Qualität der Reaktionsmaßnahmen zwar ständig verbessert, dennoch gebe es immer noch enorme Lücken. Thales ist an mehreren von der EU geförderten Projekten beteiligt und kennt so die organisatorischen, geographischen und finanziellen Probleme, die nach wie vor ungelöst sind. Was die Finanzen betrifft, so sei ungeklärt, wer für die Demonstration neuer Technologien außerhalb Europas zahlen soll. Sollte Europa oder die betroffene Region die Kosten tragen? Eine der größten technologischen Herausforderungen, erklärte Dr. Marty, sei die Entwicklung geeigneter Instrumente zur Entscheidungsfindung in der Katastrophenvorbeugung. Thales brauche Partner, um die geeigneten Modelle entwickeln zu können. Winston Seah vom A*STAR Institute for Infocomm Research (I2R) stellte das so genannte Tarantulas-Projekt vor, das sich mit mobilen asynchronen Systemen beschäftigt, die für jedes Terrain geeignet sind. Das Projektteam arbeitet an Sensoren und Robotern, die Menschen in gefährdeten Gebäuden aufspüren, zum Beispiel in brennenden Häusern, damit die Rettungsmannschaften direkt dort eingreifen können und somit auch ihr eigenes Risiko minimieren. Die Roboter nutzen die Schwarm-Technologie, das heißt, sie schwärmen aus und informieren die anderen, welche Räume bereits abgesucht wurden. Sie können auch Informationen zurückleiten, damit zum Beispiel bei einem Grubenunglück ein Signal von dem Roboter, der tief in den Schacht vorgedrungen ist, auch zurück an die Oberfläche gesendet werden kann. Auch das Team von Dr. Seah ist auf der Suche nach Partnern, insbesondere solchen, die "uns helfen können, unser Netzwerk intelligent zu machen", erklärte der Forscher. Das lebensrettende Potenzial dieser Technologie sei zwar immens, so Dr. Seah, aber er gab auch zu bedenken: "Wenn ein Land den Kopf in den Sand steckt und sich weigert, sich mit einem Problem auseinanderzusetzen, dann ist es egal, wie gut eine Technologie ist. Wir beschäftigen uns mit hochmoderner Technologie, damit wir wissenschaftliche Artikel veröffentlichen können. [...] Wir vergessen manchmal, dass Hochtechnologie nicht unbedingt das ist, was vor Ort gebraucht wird. Manchmal müssen die Wissenschaftler und die Betroffenen enger zusammenarbeiten." Dr. Seah beantwortete damit zum Teil eine Frage, die Stephan Pascall, Berater der Direktoren der GD Informationsgesellschaft und Medien der Europäischen Kommission, aufgeworfen hatte. Nachdem er die Beschreibung verschiedener Systeme angehört hatte, die hätten genutzt werden können, um vor dem Tsunami im Dezember 2004 in Asien zu warnen, sowie alle Nachteile dieser Systeme, fragte Pascall, was gegen einfache Sirenen an der Küste spreche, die ausgelöst werden, sobald ein Tsunami entdeckt wird. Das wäre ein Rückgriff auf die Technologie des Zweiten Weltkriegs, als Sirenen vor nahenden Luftangriffen warnten. Die beste Technologie der Welt ist nutzlos, wenn eine Regierung sich weigert, ein Problem in Angriff zu nehmen, oder wenn ein System nicht die Anwohner vor einer Naturkatastrophe warnen kann. Ein System, das die Menschen rechtzeitig warnt, muss keine Hochtechnologie sein, so Pascall gegenüber CORDIS-Nachrichten, "im Gegenteil, für Länder ohne die passende Infrastruktur ist es besser, wenn es keine Hochtechnologie ist. Es muss robust sein und es muss auf billiger Technologie basieren." Was die besonderen Probleme abgelegener Siedlungen betrifft, eine Frage, die während der Veranstaltung angeschnitten wurde, betonte Pascall die Notwendigkeit "eines eigenständigen Systems in abgelegenen Bergregionen, wo Bergrutsche und andere Naturkatastrophen regelmäßig Todesopfer fordern". Die Teilnehmer waren sich einig, dass ein "Netzwerk der Netzwerke" geschaffen werden muss. Es könnte auf dem Global Earth Observation System of Systems (GEOSS) aufbauen, einem Zehnjahres-Umsetzungsplan, der im Februar 2005 unterzeichnet wurde. Der Plan enthält einen Zeitplan für bestimmte Verbesserungen in den Bereichen Erdüberwachung, Verständnis der Erdprozesse und Prognose des Verhaltens der Erdsysteme. Europa ist in einer glücklicheren Lage als Asien, da es hier nur selten zu großräumigen und schwerwiegenden Naturkatastrophen kommt. Dennoch wird viel getan, um das Wissen über die Faktoren zu verbessern, die zu einer Katastrophe führen, und um die Auswirkungen abzumildern. Über Globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung (Global Monitoring for the Environment and Security - GMES), eine gemeinsame Initiative der EU und der Weltraumagentur (ESA), hinaus, finanziert die Kommission Forschungsprojekte zu Katastrophenmanagement nach Erdbeben und Erdrutschen, Kartierung von Naturgefahren, Risikominderung und Vermeidung und Bewertung von Infrastrukturschäden sowie Wiederaufbau der Infrastruktur.

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