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Neuer ERAWATCH-Dienst verbessert Wissenschaftspolitik in Europa

Gegen Ende des Jahres wird ein neuer Dienst ins Leben gerufen, der es politischen Entscheidungsträgern und Forschern ermöglichen wird, Forschungssysteme, -programme und -politiken verschiedener Länder ganz einfach mit einem Mausklick zu vergleichen. Der Online-Dienst ERAWATCH ...

Gegen Ende des Jahres wird ein neuer Dienst ins Leben gerufen, der es politischen Entscheidungsträgern und Forschern ermöglichen wird, Forschungssysteme, -programme und -politiken verschiedener Länder ganz einfach mit einem Mausklick zu vergleichen. Der Online-Dienst ERAWATCH wird gemeinsam von der GD Forschung und der Gemeinsamen Forschungsstelle (GFS) in Zusammenarbeit mit CORDIS angeboten. Er wird vom Rahmenprogramm für Forschung der EU gefördert. Patrice Laget, Leiter der Abteilung Unterstützung des Europäischen Forschungsraums (SERA) des Instituts für technologische Zukunftsforschung (IPTS) in der Gemeinsamen Forschungsstelle, erläuterte im Gespräch mit CORDIS-Nachrichten auf der ESOF2006 Sinn und Zweck des Projekts. "Betrachtet man die Wissenschaftspolitik in Europa, so fehlen häufig verlässliche Informationen", sagte er. "Im Jahr 2003 gründete das IPTS die Abteilung SERA, deren Aufgabe die Sammlung und Analyse von brauchbaren Informationen über Programmleistung ist. Unsere Rolle besteht in der Unterstützung der Politikgestaltung, dazu arbeiten wir eng mit Generaldirektionen zusammen, wie z. B. mit der GD Forschung und der GD Unternehmen und Industrie." Die größte Herausforderung für Laget und seine Mitarbeiter bestand darin, dass keine harmonisierten Daten existierten. Während einige EU-Mitgliedstaaten sehr umfangreiche Daten zusammenstellen, gibt es aus anderen Ländern nur sehr wenige. Zudem unterscheiden sich die Datenerfassungsmethoden von Land zu Land. Dies macht es äußerst schwer, Länder zu vergleichen oder zu versuchen, einen Überblick über die Forschungspolitik in Europa zu erhalten. Doch ein solcher Überblick ist von entscheidender Bedeutung, wenn der Europäische Forschungsraum effektiv funktionieren soll. Und hier kommt ERAWATCH ins Spiel. Zum ersten Mal werden zuverlässige und harmonisierte Informationen über die Forschungssysteme aller 25 EU-Mitgliedstaaten und anderer Länder, die an den Rahmenprogrammen teilnehmen, sowie über die Forschungssysteme der USA, Chinas und Japans an zentraler Stelle verfügbar sein. Zu den Informationen, die über ERAWATCH erhältlich sein werden, zählen ein Überblick über die Forschungspolitik jedes einzelnen Landes, die aktuellsten Nachrichten, aktuelle Dokumente, eine Erläuterung zur Funktionsweise des Systems, Einzelheiten zu Forschungsprogrammen, Informationen über Finanzierungsbehörden, Forschungsleistung sowie Indikatoren, wie z. B. Ausgaben, Veröffentlichungen und Patente. Politische Entscheidungsträger werden so die Möglichkeit haben, Input und Output des Systems zu vergleichen und diese Informationen zur Gestaltung besserer Wissenschaftspolitiken auf allen Ebenen zu nutzen. Anwender haben die Möglichkeit, sich über ein spezielles Land zu informieren oder Daten verschiedener EU-Länder zu vergleichen. "Man kann sich über Steuererleichterungen für Forscher informieren. Viele Regierungen sehen steuerliche Vergünstigungen für Forschung vor. Man kann schauen, ob - und wenn ja welche - Maßnahmen in den verschiedenen Ländern umgesetzt werden, und diese dann vergleichen", so Laget. Das IPTS verwendete eine allgemeine Vorlage für die Datenerfassung. Zu jedem Land gibt es einen zweiseitigen Bericht mit allgemeinen Informationen. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von detaillierteren Vorlagen für Informationen über Strategiepapiere, Finanzierungsbehörden und Forschungsprogramme. Diese Informationen können z. B. Starttermin, Inhalt und Mittel eines Programms umfassen. Die Einrichtung von ERAWATCH war ein langer und komplizierter Prozess. Der Dienst wurde von der GD Forschung erstmals im Jahr 2003 vorgeschlagen. Der Schlüssel für den Erfolg des Systems ist seine Interaktivität. "ERAWATCH wird nicht von Anfang an perfekt sein, doch wir zählen auf das Feedback der Anwender, um das System zu optimieren", so Laget. Währenddessen wird der Dienst getestet, und bestehende Probleme werden vom IPTS ausgebügelt. Laut Laget war das Feedback zum Inhalt und zum Umfang der Informationen bisher gut. Es wird allerdings weiter an der Verbesserung der Funktionsweise gearbeitet, um die Suche benutzerfreundlicher zu machen. Die Live-Version wird voraussichtlich im September online verfügbar sein. ERAWATCH richtet sich in erster Linie an politische Entscheidungsträger, die in den Bereichen Wissenschaft, Forschung, Technologie und Innovation tätig sind. Laget geht jedoch davon aus, dass auch Forscher Interesse an dem Dienst zeigen werden, um sich über Finanzierungsmöglichkeiten in anderen Ländern zu informieren. Seiner Meinung nach werden auch Forscher aus Drittländern den Dienst nutzen, um zu sehen, wie bei uns der Stand der Forschung ist. "ERAWATCH ist gut für Europa", so Laget. "Der Dienst wird dem Rest der Welt zeigen, dass wir in Europa gute Forschung durchführen und ein effektives Forschungssystem haben."