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Amerikanische Forscher entwickeln Technik zur ethischen Gewinnung von Stammzelllinien

Nach eigenen Angaben hat ein US-amerikanisches Forscherteam ein Verfahren zur Gewinnung embryonaler Stammzelllinien entwickelt, bei dem keine menschlichen Embryos zerstört werden. Nach Ansicht der Forscher setzt diese bahnbrechende Entdeckung die ethischen Bedenken von US-Präs...

Nach eigenen Angaben hat ein US-amerikanisches Forscherteam ein Verfahren zur Gewinnung embryonaler Stammzelllinien entwickelt, bei dem keine menschlichen Embryos zerstört werden. Nach Ansicht der Forscher setzt diese bahnbrechende Entdeckung die ethischen Bedenken von US-Präsident George W. Bush außer Kraft, der kürzlich erstmals von seinem Vetorecht Gebrauch machte und der Ausweitung der mit staatlichen Mitteln finanzierten embryonalen Stammzellenforschung einen Riegel vorschob. Das Forscherteam des Unternehmens Advanced Cell Technology in Massachusetts wurde von Robert Lanza geleitet. Die von ihnen entwickelte Technik ist eine Weiterentwicklung der bereits praktizierten Präimplantationsdiagnostik (PID), bei der Embryos, die bei der künstlichen Befruchtung entstanden sind, auf genetische Defekte untersucht werden. "Bislang war embryonale Stammzellenforschung gleichbedeutend mit der Zerstörung menschlicher Embryos", so Dr. Lanza. "Uns ist es nun erstmals gelungen, menschliche embryonale Stammzellen zu gewinnen, ohne den Embryo seiner Lebensfähigkeit zu berauben. Übernachtkulturen einer einzelnen, mittels Biopsie entnommenen Zelle ermöglichen sowohl die Durchführung einer PID als auch die Entwicklung von Stammzelllinien, ohne die Chancen auf eine spätere Schwangerschaft zu beeinträchtigen. Bislang wurden über 1 500 gesunde Kinder nach PID geboren." Dies könnte Forschern neue Möglichkeiten eröffnen. Austin Smith, Koryphäe auf dem Gebiet der Stammzellenforschung und Koordinator des EuroStemCell-Projekts, sprach im Juli, als Präsident Bush sein Veto einlegte, mit CORDIS-Nachrichten: "In diesem wichtigen Forschungszweig müssen Forscher zusammenarbeiten und ohne politische Barrieren gemeinsam Fortschritte erzielen." Dr. Lanza ist ganz offensichtlich derselben Ansicht. In einem Interview mit Nature sagte er, das Ziel bestünde darin, embryonale Stammzelllinien zu gewinnen, ohne irgendjemanden in seinem ethischen Empfinden zu verletzen, und deren Förderfähigkeit mit staatlichen Mitteln wenigstens hier in den USA gewährleistet werden kann. Einige Forscher würden es bevorzugen, Stammzelllinien zu verwenden, bei deren Gewinnung keine Embryos zerstört wurden. Nicht alle sind davon überzeugt, dass sich die ethischen Bedenken mit diesen Erkenntnissen ausräumen lassen. Die US-amerikanische Gesetzgebung untersagt die Finanzierung von Verfahren, mit denen Embryos Schaden zugefügt wird, und nicht alle sind von der Unbedenklichkeit der PID-Methode überzeugt. Andere argumentieren, das PID-Verfahren löse das Problem in keiner Weise, weil auch aus einer einzelnen Zelle oder einer Blastozyte schon ein Kind entstehen könne. Dem sei nicht so, wehrt sich Dr. Lanza, der das schlicht als Fehlinformation anprangert. "Es liegt nicht der allergeringste Beweis dafür vor, dass bei irgendeiner Spezies, nicht einmal bei Mäusen oder Ratten, aus einer einzelnen Zelle ein ganzer Organismus entstehen kann", sagte er in einem Interview mit der BBC. "Wir hoffen sehr, dass der Kongress und der Präsident diese Methode freigeben und diesem Forschungsgebiet damit die dringend benötigten Impulse liefern werden", betonte Lanza. Andere sind allerdings nach wie vor der Meinung, die Technik sei schlicht zu invasiv und Stammzellen aus Nabelschnurblut seien eine sicherere, weniger umstrittene und weniger kostenintensive Alternative zu dieser neuen PID-Methode. Die Diskussion um die ethische Vertretbarkeit dieser Methode zur Gewinnung von Stammzellen dürfte sich noch eine Zeitlang fortsetzen. Auch PID birgt Risiken. Die Methode kann zum Verlust des Embryos führen. Außerdem ist bislang unklar, ob die Entnahme einer Zelle in diesem frühen Entwicklungsstadium nicht schädlich sein könnte. Es liegt auf der Hand, dass diese Fragen neue ethische Bedenken aufwerfen. Die Stammzellenforschung untersucht die Möglichkeiten zur Nutzung von Stammzellen. Stammzellen sind noch nicht ausdifferenzierte Zellen, die sich zu jeder anderen Körperzelle ausdifferenzieren können. Theoretisch könnten Stammzellenbehandlungen, nachdem die Techniken ausgereift sind, zur Behandlung einer Reihe genetischer und degenerativer Erkrankungen sowie für Organtransplantationen eingesetzt werden.

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