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Ist die Milchschokolade auch echt?

Milchschokolade hat gerade in der Weihnachtszeit Hochsaison, und dank eines von der Gemeinsamen Forschungsstelle (Joint Research Centre, JRC) der Europäischen Kommission entwickelten neuen Messverfahrens können sich die Verbraucher in Europa sicher sein, dass sie auch wirklich...

Milchschokolade hat gerade in der Weihnachtszeit Hochsaison, und dank eines von der Gemeinsamen Forschungsstelle (Joint Research Centre, JRC) der Europäischen Kommission entwickelten neuen Messverfahrens können sich die Verbraucher in Europa sicher sein, dass sie auch wirklich das Gewünschte bekommen. Dies ist für einen Kontinent, auf dem die Hälfte der weltweit pro Jahr verbrauchten Schokolade verputzt wird, eine durchaus ernst zu nehmende Angelegenheit. Das Verfahren wurde von der Internationalen Organisation für Normung (ISO) akzeptiert, was es zu einer internationalen Norm macht. Der Standard wurde entwickelt, um die Durchsetzung der sogenannten "Schokoladenrichtlinie" (Richtlinie 2000/36/EG) zu ermöglichen, die die Hauptbestandteile von Produkten definiert, die legal als "Schokolade" verkauft werden dürfen. Die Verhandlungen zu dieser Richtlinie waren zeitaufwendig und schwierig, was auf die recht unterschiedlichen Definitionen für Schokolade in den einzelnen Ländern mit sehr unterschiedlichen Rezepten und variierenden Zutaten wie etwa Milch zurückzuführen war. Vor der Entwicklung des JRC-Messverfahrens gab es keine validierte Methode, um zu prüfen, ob die Angaben der Hersteller über den Gehalt an anderen pflanzlichen Fetten als Kakaobutter in Milchschokolade auch stimmen. Die chemische Zusammensetzung und die physikalischen Eigenschaften der Fette und von Butter liegen sehr eng beisammen, sodass man sie nur äußerst schwierig quantifizieren oder gar erkennen kann. Dies öffnete die Tür für potenzielle Streitigkeiten und die ständige Ungewissheit, ob Milchschokoladenprodukte auf der Verpackung tatsächlich als "Milchschokolade" bezeichnet werden konnten oder eben nicht. Die Schokoladenrichtlinie erlaubt den Zusatz von bis zu 5% anderen pflanzlichen Fetten als Kakaobutter zu den Schokoladenerzeugnissen. Wenn der Schokolade diese Fette zugesetzt werden, verlangt das Gesetz, den Verbraucher durch eine angemessene Etikettierung der Ware darüber zu informieren. So kann der Verkauf von Produkten beeinflusst werden, da die Verbraucher eher nach einem Produkt, das als "Milchschokolade" beschrieben und vermarktet wird, als nach einer anders bezeichneten Ware greifen. Der 5%-Anteil ist außerdem eine wesentliche Voraussetzung dafür, sich in Bezug auf Milchschokoladenerzeugnisse frei innerhalb des europäischen Binnenmarktes bewegen können. Wissenschaftler des JRC arbeiteten seit dem Inkrafttreten der Schokoladenrichtlinie im Jahre 2003 in engem Kontakt mit der Generaldirektion für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung der Europäischen Kommission an diesem Problem. Das JRC reichte 2007 das Milchschokoladen-Prüfverfahren bei der ISO ein. Nach einer zweijährigen unabhängigen Begutachtung durch Experten wurde die Methode als ISO-Norm 11053:2009 angenommen. Das JRC-Institut für Referenzmaterialien und -messungen (IRMM) hat außerdem einige sogenannte Toolboxen entwickelt, um analytischen Chemikern die Umsetzung der Prüfverfahren für Schokoladenprodukte zu erleichtern. Dazu gehören Verfahrensbeschreibungen, elektronische Auswertungsblätter und Links zu geeigneten Kakaobutter-Referenzmaterialien. Zwei weitere JRC-Methoden zur Fremdfettbestimmung in Bitterschokolade wurden bereits 2007 als internationale Normen angenommen. Das neue Verfahren für Milchschokolade brauchte aufgrund der gesteigerten Komplexität der Messung, da sich die Milchfette in der Milchschokolade mit den pflanzlichen Fetten überlagern, eine längere Entwicklungszeit. "Die Annahme des JRC-Prüfverfahrens auf internationaler Ebene bestätigt erneut die führende Rolle der EU im weltweiten Kampf gegen den Lebensmittelbetrug", betonte Krzysztof Maruszewski, Direktor des IRMM.

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