Skip to main content

Article Category

Interview

Article available in the folowing languages:

Eine Brücke über das "Tal des Todes" für Photonikhersteller

Obwohl aus Forschungsprojekten oft neue Entwicklungen und Geräte hervorgehen - Sensoren, Bauteile, Laser usw. - ist es mitunter schwierig, sie als Produkte marktreif zu machen. Ein EU-finanziertes Forschungsprojekt sollte nun die Brücke zwischen Labor und Industrie schlagen. ...

Obwohl aus Forschungsprojekten oft neue Entwicklungen und Geräte hervorgehen - Sensoren, Bauteile, Laser usw. - ist es mitunter schwierig, sie als Produkte marktreif zu machen. Ein EU-finanziertes Forschungsprojekt sollte nun die Brücke zwischen Labor und Industrie schlagen. Teilweise übernehmen Spin-out-Unternehmen die Fertigung der in Forschungsprojekten entwickelten Geräte, aber es erfordert viel Mühe und Aufwand, um daraus ein Produkt zu machen: Tests, Optimierung von Bauteilen für spezifische Anwendungen, Integrierung in ein Produktpaket und Einhaltung von Standards - für diese Art von Aktivitäten werden keine Fördermittel gewährt, und Investoren tauchen normalerweise erst auf, wenn es auch einen Markt gibt. Dieser lange Weg in den Markt wird auch als "'Valley of Death" bezeichnet, da viele Start-up-Unternehmen in dieser Phase einknicken. NEXPRESSO, ein Nachfolgerprojekt von ACCORD, sollte so genannte vorwettbewerbliche Photonikbauteile und Systeme in die Hände von Forschern und Studenten geben - ohne Nettokosten für die Hochschule oder das Unternehmen, das den Prototypen liefert. Das Forscherteam sollte dann die Übertragung von Gerätetestergebnissen an potenzielle Endverbraucher vereinfachen und damit Unternehmen helfen, neue Märkte und Anwendungen zu erschließen. Das Magazin Research*eu results befragte Tom Pearsall vom in Frankreich ansässigen EPIC-Konsortium (European Photonics Industry Consortium) und Peter Van Daele vom IMEC der Universität Gent, Belgien, nach den Einzelheiten ihrer Tätigkeit bei NEXPRESSO. Welche Hauptziele verfolgt das Projekt? Zuerst wollten wir KMU eine effiziente Möglichkeit bieten, um den Transfer innovativer Prototypen in kommerzielle Produkte zu ermöglichen, die Zeit bis zur Markteinführung zu verkürzen und die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Weiterhin identifizieren wir Prototypenkomponenten und -systeme für Photoniktechnologien oder fordern diese an - Laser, LEDs, Detektoren, Modulatoren, Sensoren, Materialien usw. - und prüfen Projektvorschläge für die zügige Prototypenentwicklung. Das Projekt bietet auch Mentortätigkeit und Qualitätssicherung für die geförderten Vorschläge an und unterstützt den direkten Zugang für Forscher und Studenten zu noch nicht marktreifen Photonikbauteilen. Schließlich wollte das Projekt langfristige, nachhaltige Finanzierungsmöglichkeiten für den weiteren Betrieb nach Abschluss der RP7-Förderung auftun und umsetzen. Inwieweit ist die Projektarbeit neu oder innovativ? NEXPRESSO ist das erste EU-Projekt, das sich mit der Problematik des so genannten "Tal des Todes" befasst, d.h. fehlenden Mitteln (privat oder staatlicherseits) in der Phase zwischen der staatlichen Förderung für vorwettbewerbliche Forschung - wo EU-Förderung normalerweise stattfindet - und privaten Investitionen für die Entwicklung und Umsetzung marktreifer Produkte. Die Unternehmen profitieren von dem Projekt vor allem dadurch, dass Geldmittel für die weitere Entwicklung und spezifische Gerätetests und Feedback vom FuE-Projekt in der vorwettbewerblichen Phase bereitgestellt werden. Auch wird die Verbindung zwischen den forschenden Studenten und Unternehmen hergestellt, die Fachkräfte für die Umsetzung des Prototypen in das marktreife Produkt suchen. Soweit wir wissen, ist NEXPRESSO das erste Projekt, das die Lücke zwischen modernster Prototypenentwicklung und Produkteinführung schließen will. Erfolge des Projekts sind vor allem Vorschläge für veränderte Entwürfe, Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten und Stimulation erster Handelsumsätze. Kurz gesagt ruft NEXPRESSO auf, Projektvorschläge für Prototypen einzureichen, und KMU können sich mit einer Beschreibung des Prototypen, den sie liefern wollen, zusammen mit einigen Bedarfsaspekten für Test, Prüfung oder spezifische Anpassung darauf melden. NEXPRESSO veröffentlicht diese Liste zusammen mit einer Ausschreibung für FuE-Organisationen (normalerweise Hochschulen), die mit einem vierseitigen Vorschlag für ein sechsmonatiges Projekt zu einem spezifischen Prototypen reagieren. Die Vorschläge werden von einem unabhängigen Prüfungsausschuss eingestuft und das Team von NEXPRESSO entscheidet dann nach Rangfolge und finanziellen Möglichkeiten. Damit bringt das Projekt KMU und Forschungseinrichtungen in einem Team zusammen - was auch Patentrechte und andere Aspekte umfasst. NEXPRESSO verhandelt anschließend den Preis für die Übertragung mit dem KMU, kauft den Prototypen und leiht ihn für die Dauer des Projekts an die Forschungseinrichtung aus (drei bis neun Monate). Hat die Einrichtung die Aufgabe erfolgreich abgeschlossen, kann sie den Prototypen behalten und NEXPRESSO überträgt das Eigentumsrecht. Was hat Sie dazu veranlasst, auf diesem Gebiet zu forschen? Wir wollten Innovation stimulieren, vor allem im Bereich Photonik. So hörten wir von einem Projekt, das von der National Science Foundation (NSF) in den Vereinigten Staaten unterstützt wird. Dort stellen Hochschulforscher Anträge auf Prototypenkomponenten, basierend auf Veränderungen existierender Produkte. Das NSF-Projekt setzt sich dann mit der geeigneten Firma in Verbindung und verhandelt eine begrenzte Anzahl von Prototypenkomponenten nach den von der Forschungseinrichtung gelieferten Entwürfen. NEXPRESSO entwickelte diese Idee des Prototypenaustauschs weiter und konzentrierte sich dabei auf die tatsächlichen Hürden für KMU bei der Umsetzung eines Prototypen in ein fertiges, gewinnbringendes Produkt. In unserem Projekt wirken die KMU entscheidend daran mit, welches Prototypenbauteil kommerzialisiert wird. Wo lagen die größten Probleme, und wie wurden sie gelöst? Eines der größten Probleme war die Preisfestsetzung für die Übertragung: wie legt man den Preis für ein Prototypenbauteil fest, das noch keinen Markt hat? Erwirbt ein KMU das Prototypenbauteil, geht es in das Eigentum eines der Projektpartner von NEXPRESSO über. Da der Kauf mit staatlichen Geldern finanziert wird, muss dieser Prozess transparent und nachvollziehbar sein. Tatsächlich kam ein wichtiger Lösungsvorschlag von der Europäischen Kommission. Die für Wettbewerb zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes entwickelte und veröffentlichte hilfreiche Regelungen für die staatliche Finanzierung. Darin wurde z.B. festgelegt, dass Privatunternehmen staatliche Gelder für die Produktentwicklung in solchen Fällen erhalten, wenn noch kein Markt für das Produkt existiert. Im Einklang mit diesen Vorgaben riefen wir daher unser Projekt ins Leben. Weiterhin soll der Transferpreis mit dem jeweiligen KMU festgelegt werden. Unser Ziel dabei war, dass nur für Herstellungskosten, nicht aber für Betriebskosten oder technischen Aufwand gezahlt wird. Welche konkreten Ergebnisse haben die Forschungsarbeiten bisher gebracht? Während der Projektlaufzeit entwickelte NEXPRESSO mehrere Prototypen bis zum marktreifen Produkt. Weiterhin ergab sich aus mehreren von uns unterstützten Austauschprojekten eine dauerhafte Zusammenarbeit zwischen Forschungsgruppe und Unternehmen, die es ohne uns nicht gegeben hätte. Insgesamt finanzierten NEXPRESSO und sein Vorgänger ACCORD mehr als 25 Austauschprojekte, die in Entwicklungsbewertungsprojekten resultierte. Wie wir auch feststellten, existiert eine optimale Größe bzw. Wert für einen Austausch. Wir zogen drei Arten von Vorschlägen in Betracht: mehrere Einheiten einer kostengünstigen Komponente (z.B. fünf Einheiten eines 5.000-EUR-Lasers) eine einzelne Komponente mit erweiterter Funktionalität (z.B. eine intelligente Spektralkamera) zu 25 EUR oder ein vollständigeres System mit hoher Funktionalität zu 50.000 oder mehr EUR. Wir fanden heraus, dass die besten Projekte mit einzelnen Prototypen zu Kosten von etwa 25.000 EUR zustande kamen, da diese normalerweise einen hohen Grad an Innovation aufweisen. KMU sind vorsichtiger mit ihren Verhandlungen zum Patentrecht, wenn es sich um ein teureres noch nicht marktreifes System handelt, während mehrere Einheiten einer kostengünstigen Komponente in weniger erfolgreichen Entwicklungsprojekten resultierten. Welche Vorteile bringt die Beteiligung an einem solchen EU-Projekt? Die EU ermöglichte uns die Umsetzung des Austauschprogramms von NEXPRESSO auf europäischer Ebene. Es gelang uns, ein französisches Unternehmen mit einer finnischen Forschungseinrichtung in einem Projekt zusammenzubringen, und eine Forschungsorganisation in Schottland mit einem Unternehmen in Spanien. NEXPRESSO fördert auf direkte Weise die Mobilität europäischer Forscher und Technologien. Dies ist ein wichtiges Ergebnis, weil KMU in der Photonik normalerweise keinen lokalen Markt haben, sondern auf Export angewiesen sind. Kontakte mit internationalen Standorten sind für sie überlebenswichtig. Wie sehen die nächsten Schritte des Projekts aus? Die beiden wichtigsten Themen für das NEXPRESSO-Konsortium ist die Schaffung nachhaltiger Ablaufprozesse durch Transfer des Konzepts an ein Amt für industrielle Entwicklung oder die Schaffung einer Europractice-Maßnahme, die von den Endnutzern finanziert wird. Dann soll das Konzept von NEXPRESSO von der Photonik auf andere hochmoderne Technologien etwa in den Bereichen Biomedizin, Umwelt, Fertigung, Sicherheit usw. ausgeweitet werden. Um andere Interessenten in der EU-Forschungsgemeinschaft zu ermutigen, dieses Konzept aufzugreifen und ihren eigenen Interessenbereichen anzupassen, brachte das Projekt ein praktisches Handbuch für die Schaffung und Durchführung eines Prototypenaustauschprogramms wie NEXPRESSO heraus. Wir nennen es "Copy Kit", und es steht allen Interessenten kostenlos zur Verfügung.Weitere Informationen sind abrufbar unter: NEXPRESSO http://www.nexpresso.eu/ Projektdatenblatt