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Schädelanalysen geben Aufschluss über die Gründerinnen und Gründer Islands

Laut einer neuen EU-Forschungsarbeit waren Frauen von den Britischen Inseln Teil der Kolonisierung Islands durch die Wikinger im späten 9. Jahrhundert. Durchgeführt wurde diese Forschungsarbeit im Rahmen des Projekts IPACE, das 3D-Formanalysen archäologischer menschlicher Schädel nutzte.

Gesellschaft

Einer neuen EU-Studie zufolge waren Frauen von den Britischen Inseln neben den männlichen Wikingern aus Skandinavien im 9. Jahrhundert die Hauptsiedler Islands. Die IPACE-Analyse von Hunderten von Schädeln aus Museumssammlungen aus Island, Dänemark und dem Vereinigten Königreich weisen darauf hin, dass Siedlerinnen eher von Britannien kamen als aus Skandinavien, wie aus einigen früheren Untersuchungen hervorging. „Die bisherige Analyse der Schädelform hat uns gezeigt, dass die Frauen der Gründerpopulationen Islands stärker britisch aussahen als skandinavisch, und dass die isländischen Männer eher Skandinaviern ähneln“, erklärt Kimberly Plomp, die ihre Forschung mit Unterstützung des Marie-Skłodowska-Curie-Programms durchführte. Betreut wurde Plomp von Keith Dobney, Professor für Menschliche Paläoökologie und Leiter des Fachbereichs Archäologie, Klassische Geschichte und Ägyptologie an der Universität Liverpool, Mark Collard, Professor für Archäologie an der Simon Fraser-Universität in Kanada, und Neil Price, Professor für Archäologie und Frühgeschichte an der Universität Uppsala in Schweden. „Die vorläufigen Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Gründerpopulation wahrscheinlich aus männlichen Wikingern bestand, die auf den Britischen Inseln Halt machten und britisch-irische Frauen mit nach Island nahmen“, erläutert Plomp. Die Beantwortung der Frage, ob die Frauen die Wikinger freiwillig begleiteten oder als Sklavinnen mit nach Island genommen wurden, erfordert weitere Untersuchungen.

Der Zusammenhang zwischen DNA-Material und osteologischen Daten

Die Untersuchungen des IPACE-Teams könnten dabei helfen, einen Widerspruch zwischen DNA-Material und osteologischen Daten aufzulösen. Genetische Befunde machten deutlich, dass ein großer Teil der weiblichen Gründerpopulation Islands wahrscheinlich gälischer Abstammung war, wohingegen die Osteologie zeigte, dass sowohl die Gründer als auch die Gründerinnen vermutlich aus Skandinavien stammten. Das IPACE-Forschungsteam glaubt, dass seine Arbeit Belege liefert, die die genetischen Untersuchungen stützen. Darüber hinaus ist es der Ansicht, dass seine Methoden zeigen, dass die Analyse der Schädelform eine praxistaugliche Alternative zur DNA-Analyse darstellt. Letztere ist pro einzelne Probe relativ teuer und kann die invasive Entnahme umfangreicher Proben erfordern. Plomp nutzte die sogenannte Fotogrammetrie-Methode. Dabei machte sie von jedem Schädel aus verschiedenen Perspektiven jeweils 150 Fotos, um damit für die Formanalyse hochqualitative 3D-Modelle des Schädels zu erstellen. Der Vergleich der Schädelformen der verschiedenen Populationen – wobei statistische Tests genutzt wurden – half den Forschenden dabei, ihre Rückschlüsse zu ziehen. IPACE schuf außerdem eine Datenbank der bei der Studie untersuchten Schädel, die es künftigen Forscherinnen und Forschern ermöglicht, frei und aus der Ferne auf die Schädel zuzugreifen. „Dadurch muss weniger mit empfindlichen Schädeln hantiert werden, denn die Forscherinnen und Forscher werden anstelle der realen Knochen die Scans nutzen können“, so Plomp. Sie hatte Zugang zu Schädeln aus Islands Skagafjörður-Heimat- und Kulturerbemuseum in Sauðárkrókur und des Isländischen Nationalmuseums in Reykjavík. Die verwendeten skandinavischen Exemplare befinden sich in der Universität Kopenhagen und der Universität Oslo. Die britischen Schädel kamen von der Queen’s University in Belfast, dem Naturhistorischen Museum und dem Royal College of Surgeons in London, dem Nationalmuseum Schottland und dem Manx Museum auf der Isle of Man. „Die Unterstützung durch die EU half mir dabei, die Genehmigungen für den Zugang zu diesen wertvollen archäologischen Kollektionen zu bekommen“, sagt Plomp. Sie präsentierte ihre Forschungsarbeit bei Vorträgen und im Rahmen eines Podcasts zu Frauen in der Archäologie. „Die Menschen waren fasziniert von den Methoden und davon, wie viele Informationen wir bei der Analyse menschlicher Skelettüberreste erhalten können“, berichtet Plomp.

Schlüsselbegriffe

IPACE, menschlich, Schädel, Island, männliche Wikinger, Analyse der Schädelform, gälische Frauen

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