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Wissenschaft im Trend: Schluss mit sozialer Distanzierung, es ist Zeit für räumliche Distanzierung

Um unser psychisches Wohlbefinden zu verbessern, spricht sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dafür aus, eine räumliche Distanzierung in unserem Leben einzuhalten, aber gleichzeitig sozial vernetzt zu bleiben.

Grundlagenforschung
Gesundheit

Immer mehr Länder stehen still und etwa die Hälfte der Erde übt sich in räumlicher Distanzierung. Denn davon sollten wir laut WHO von nun an sprechen und den Modebegriff „soziale Distanzierung“ hinter uns lassen. Der ist zwar in aller Munde, kann aber zu Missverständnissen führen. Im Kampf gegen COVID-19 sollten wir die Stärkung sozialer Beziehungen ermutigen und gleichzeitig räumlich voneinander Abstand halten. Mit dieser Umstellung werden wir aufhören, „sozial“ mit etwas Negativem in Verbindung zu bringen.

Ein Hoch auf die räumliche Distanzierung

„Heutzutage ist die Technologie so weit fortgeschritten, dass wir auf vielerlei Arten miteinander in Verbindung bleiben können, ohne uns tatsächlich im selben Zimmer zu befinden oder uns physisch am gleichen Ort wie andere Menschen aufzuhalten“, so WHO-Epidemiologin Maria Van Kerkhove in einem täglichen Nachrichtenüberblick. „Von nun an sprechen wir von räumlicher Distanzierung, und zwar bewusst, weil wir uns wünschen, dass die Menschen weiterhin in Verbindung bleiben.“ Dr. Van Kerkhove weiter: „Sie haben vielleicht gehört, dass wir den Begriff ‚räumliche Distanzierung‘ statt ‚sozialer Distanzierung‘ verwenden … Das bedeutet aber nicht, dass wir den Kontakt mit unseren Freunden und unserer Familie abbrechen sollten.“ Gegenüber Al Jazeera bezeichnet Martin W. Bauer, Professor für Sozialpsychologie an der London School of Economics, diese Wende als „längst überfällig“. Prof. Bauer erklärt, weshalb er die Veränderung begrüßt: „Von Anfang an schien es mir eine unglückliche Wortwahl zu sein, über ‚soziale Distanzierung‘ zu sprechen, wenn eigentlich ‚räumliche Distanzierung‘ gemeint war.“

Was steckt in einem Begriff?

„Räumliche Distanz wird in Metern oder Zentimetern gemessen. Es ist der geografische Abstand zwischen Person A und Person B. Die ‚soziale Distanz‘ hingegen ist eine Maßeinheit für den Abstand zwischen sozialen, also gesellschaftlichen Grenzen“, so Prof. Bauer weiter. „Es ist gut, dass die WHO endlich versucht hat, den frühen Fehler zu berichtigen, räumliche Distanz mit sozialer Distanz zu verwechseln.“ Er betont, wie wichtig es ist, uns räumlich voneinander zu distanzieren, aber sozial vernetzt zu bleiben. „In diesen seltsamen Zeiten des Virus wollen wir eine klare räumliche Distanz von mindestens zwei Metern einhalten, aber gleichzeitig wollen wir, dass Menschen einander weiterhin ‚sozial‘ nahestehen.“ Manche Fachleute finden nicht, dass eine Änderung des Begriffs notwendig ist. „Die Leute verstehen, was [soziale Distanzierung] ist“, meint Lori Peek, Soziologieprofessorin an der Universität Colorado Boulder und Leiterin des Zentrums für Naturgefahren gegenüber der Washington Post. „Sie nehmen das Konzept auf individueller Ebene an und Organisationen nehmen Richtlinien an, die ihren Ursprung in dieser Schutzmaßnahme haben.“ Wortbedeutung hin oder her, es ist unbestreitbar, dass soziale Netzwerke und Beziehungen im Kampf gegen COVID-19 eine entscheidende Rolle spielen. „Die Geschichte hat gezeigt, dass zusammenarbeitende Gemeinden, deren Mitglieder einander unterstützen, sich am nachhaltigsten von großen Katastrophen erholen“, erklärt Robert Olshansky, Professor Emeritus für Stadt- und Regionalplanung an der Universität Illinois in Urbana-Champaign, der untersucht hat, wie sich Gemeinden nach großen städtischen Katastrophen erholen.

Schlüsselbegriffe

räumliche Distanzierung, soziale Distanzierung, COVID-19, Gesundheit, Coronavirus

Länder

Schweiz