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Intelligente Brillen der zweiten Generation dienen Arbeitskräften im Außendienst mit einem Head-up-Display

Angenommen, Sie benötigen Unterstützung bei Ihrer Arbeit. Nun kann ein Experte aus der Ferne sehen, was Sie sehen, und Anleitungen geben.

Digitale Wirtschaft
Industrielle Technologien

Menschen, die fern von herkömmlichen Büromaschinen arbeiten, benötigen manchmal dringend Informationen. Obwohl mobile Geräte dieses Bedürfnis erfüllen können, erfordern solche Apparate in der Regel eine beidhändige Bedienung. Eine Lösung dafür sind intelligente Brillen. Diese existieren bereits und fungieren als kombinierte Head-up-Computermonitore und -Kameras. Einige Geräte sind sprachgesteuert, so dass sie freihändig bedient werden können, während andere über Knöpfe oder Touchpads gesteuert werden. Zahlreiche Modelle lassen sich auf verschiedene Weise mit Mobiltelefonen verbinden, unter anderem über Bluetooth. Frühe Versionen des Konzepts für intelligente Brillen waren unpraktisch. Sie waren mit einem schweren und sperrigen Akkupack verbunden, litten aber dennoch unter einer schlechten Akkulaufzeit.

Probleme gelöst

Das von der EU finanzierte Projekt IRISTICK entwickelte eine neue Art von intelligenten Brillen, die diese und andere Probleme löst. Basierend auf dem Kundenfeedback zu einem früheren Gerät entwickelte das IRISTICK-Team ein wesentlich aktualisiertes Produkt. „Wir wollten eine intelligente Brille entwickeln, die es der Trägerin bzw. dem Träger ermöglicht, über ein Touchpad und Sprachbefehle mit seinen Android-Smartphone-Anwendungen zu interagieren“, sagt Projektingenieur Koen Schauwaert. „Wir waren auch danach bestrebt, dass der Akku für eine volle 8-Stunden-Schicht ausreicht und keine Wärme oder elektromagnetische Strahlung erzeugt.“ Um das 8-Stunden-Ziel zu erreichen, wäre ein weiterer schwerer und sperriger Akkupack erforderlich gewesen. Bei den frühen Konzepten wurde der Akkupack auch auf dem Kopf getragen, aber dies hätte Sender nahe an das Gehirn der Trägerin bzw. des Trägers gebracht und das Gewicht erhöht. Stattdessen beschloss das IRISTICK-Team, alle drahtlosen Verbindungen vom Headset zu entfernen und ein Kabel zu einem externen Taschengerät zu führen, das den Strom liefert und alle Daten empfängt. Dieses wird wiederum mit dem Smartphone der Nutzerin bzw. des Nutzers verbunden, welches die Computeranwendung, die Datenverarbeitung und -speicherung, sowie die Internetkonnektivität bereitstellt. Der Brillenteil des Systems umfasst Bewegungssensoren, eine zentrale Kamera, die den Blickwinkel der Nutzerin bzw. des Nutzers an eine entfernte Teilnehmergruppe weiterleitet, eine Zoomkamera, einen Laserpointer, eine Lichtquelle, bidirektionales Audio und ein Head-up-Display für die Nutzerin bzw. den Nutzer. Das Gerät verfügt über ein Touchpad und Audiosteuerung; durch lautes Aussprechen der Namen der Schaltflächen und Eingabefelder kann die Nutzerin bzw. der Nutzer durch die Anwendung navigieren. Die Sprachbefehle wurden für den Einsatz in lauten Industrieumgebungen mit bis zu 90 dBA getestet.

Fachkundige Unterstützung auf Abruf

Eine mögliche Verwendung für das System besteht darin, dass eine Mitarbeiterin bzw. ein Mitarbeiter Fernunterstützung durch Fachleute benötigt. „Hier setzt die Trägerin bzw. der Träger das Gerät auf, während die Fachkraft das Zoomobjektiv und die Taschenlampe steuert“, erklärt Schauwaert. „Die Fachkraft kann Bildschirmfotos mit Anmerkungen oder eine technische Zeichnung direkt auf den Brillenbildschirm senden. Beide Beteiligten können miteinander sprechen, um Fragen zu stellen oder Anweisungen zu geben.“ Die Möglichkeit, auf diese Weise Fernunterstützung zu erhalten, erspart die Kosten für die Entsendung einer Fachkraft in den Außendienst. In anderen Fällen kann eine Nutzerin bzw. ein Nutzer allein mit dem Brillenbildschirm arbeiten, auf dem Anweisungen für einen komplexen Arbeitsablauf angezeigt werden. Lagerarbeitskräfte könnten mit der Zoom-Kamera Strichcodes scannen. Forschende sind dabei, Prototypen für die nächste Generation des Produkts zu entwickeln. Gegenwärtig reicht der Akku nicht für 8 Stunden aus, er lässt sich jedoch leicht austauschen und wieder aufladen. Durch eine Weiterentwicklung könnte dieses Problem wie ursprünglich geplant gelöst werden. Das Team beabsichtigt, in Zusammenarbeit mit einem großen Industriepartner in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 eine neue Version auf den Markt zu bringen. Das neue System wird Beschäftigten im Außendienst fachkundige Unterstützung und zahlreiche freihändige Arbeitsoptionen ermöglichen.

Schlüsselbegriffe

IRISTICK, intelligente Brille, Touchpad, Akku-Pack, Beschäftigte im Außendienst, Head-up-Display, freihändig, Audiosteuerung

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