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Effizientere Reaktionen auf nukleare Notfälle

Neue von EU-finanzierter Forschung entwickelte Instrumente und Methoden versprechen eine bessere Fähigkeit, sich auf Notfälle in Kernkraftwerken vorzubereiten und auf diese zu reagieren.

Sicherheit

Eine gründliche Vorbereitung und schnelle Reaktionen sind für den Umgang mit Notsituationen in Kernkraftwerken unerlässlich. Dazu sind jedoch andere Instrumente und Methoden erforderlich. Das EU-finanzierte Projekt FASTNET befasst sich auf internationaler Ebene sowohl mit der Bereitschaft für als auch der schnellen Reaktion auf nukleare Notfälle. Dies konnte durch die Fachkenntnisse von Einrichtungen aus diesen zwei Bereichen und durch die sich ergänzenden Ansätze zur Weiterentwicklung der bestehenden Instrumente und Methodologie erreicht werden. „Das Potenzial der Instrumente und der Methode wurde erweitert, um ein breites Spektrum an Unfällen für die Hauptbetriebstypen oder geplante wassergekühlte Kernkraftwerke in Europa abzudecken, darunter auch ein allgemeines Konzept für Abklingbecken“, so Projektkoordinatorin Isabelle Devol-Brown. Projektpartner entwickelten zudem eine Datenbank über nukleare Unfallszenarien, erweiterten die Fähigkeiten der schnellen Quellterminstrumente und ließen all das in eine gemeinsame Methodologie münden. „Die Datenbank über typische Unfälle, die Instrumente zur schnellen Quelltermabschätzung und die gemeinsame Methodologie einer abgestuften Reaktion kann zum Ziel einer zügigen, organisierten und zuverlässigen Auswertung der Unfallentwicklung und der atmosphärischen Freisetzung in jedem Notfallzentrum eingesetzt werden“, fügt Devol-Brown hinzu.

Szenarien aus der Praxis

Das Konsortium erarbeitete eine Datenbank, die mehr als 100 Beschreibungen über Szenarien nuklearer Unfälle enthält. Dazu zählt auch die Auswertung der Freisetzung in die Atmosphäre, die von Partnern mithilfe von Referenzcodes ausgeführt wurde. Diese kann für die vier verschiedenen europäischen Kernkraftwerktechnologien sowie für ein allgemeines Konzept von Abklingbecken genutzt werden. Die vier Technologien umfassen Druckwasserreaktoren, Siedewasserreaktoren, Wasser-Wasser-Energie-Reaktoren und Canada Deuterium Uranium-Reaktoren. „Die Projektpartner integrierten den Datensatz über die atmosphärische Freisetzung auch in ein Standardformat (den internationalen IRIX-Standard für den radiologischen Informationsaustausch), um ihn mit anderen Initiativen, deren Schwerpunkt auf dem atmosphärischen Transport, der radiologischen Folgenabschätzung und der Datenassimilation lag, zu verknüpfen“, erläutert Devol-Brown. Die Projektkoordinatorin übertrug die Datenbank über die Szenarien schwerer Unfälle an die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO). Zur Ergänzung der verwendeten deterministischen Methodologie und Instrumente wurden außerdem vielversprechende probabilistische Ansätze auf der Grundlage von bayesschen Netzen entwickelt, um Störfälle diagnostizieren zu können. Die 3D3P-Methode (dreifache Diagnose und dreifache Prognose) und die erweiterte Version von PERSAN, dem deterministischen Notfallinstrument, werden im technischen Krisenzentrum des französischen Instituts für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit umgesetzt. Die erweiterte Version von RASTEP, dem probabilistischen Notfallinstrument, wird von der schwedischen Behörde für Strahlungssicherheit täglich verwendet und wurde in Zusammenarbeit mit dem Lloyd’s Register erarbeitet.

Bisherige und künftige Aktivitäten

Das Konsortium organisierte im Mai 2018 eine Schulung über die erweiterten Tools und die Methode. Es stellte Übungen zum Einsatz der verbesserten Instrumente PERSAN und RASTEP und zur Umsetzung und Validierung der gemeinsamen abgestuften Methodologie bereit. Die erste Übung im Dezember 2018 zielte auf die beste Berechnung der atmosphärischen Freisetzung bei Unfällen ab. Die zweite Übung im Februar 2019 umfasste die Steuerung und den Schutz der Bevölkerung im Falle eines nuklearen Unfalls. Nach Ablauf des Projekts wird nun geplant, eine Reihe verschiedener Aktivitäten zu organisieren, um die Zusammenarbeit zwischen den Partnern weiter zu fördern. Darunter fallen operative Schulungen für alle Arten von Kernkraftwerken und Abklingbecken sowie eine neue Bewertung der Ergebnisse unter Einsatz der Szenarien für Abklingbecken und des Quellterms. Das würde auch eine neue Reihe von Übungen mit dem Ziel des Bevölkerungsschutzes während nuklearer Katastrophen ermöglichen, die wirklichkeitsnäher durchgeführt werden könnten.

Schlüsselbegriffe

FASTNET, Kernkraftwerk, atmosphärische Freisetzung, Abklingbecken, Strahlung, nuklearer Unfall, schnelle Quellterminstrumente, Methodologie, PERSAN, RASTEP, IRIX

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