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Bewältigung des gewaltsamen politischen Extremismus im Internet

In den letzten Jahren wurde ein Anstieg des gewalttätigen politischen Extremismus im Internet beobachtet, weshalb die EU und ihre Mitgliedstaaten sich um Strategien zu deren Eindämmung bemühen. Das Projekt VOX-Pol brachte ein fragmentiertes Forschungsgebiet zusammen, um Erkenntnisse über die Ursprünge, Methoden und Auswirkungen dieses Phänomens zu gewinnen und so angemessene Reaktionen zu erarbeiten.

Sicherheit

Bei der Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus sind schnelle Veränderungen eine der größten Herausforderungen, welche durch die Geschwindigkeit des technologischen Wandels noch verstärkt werden. Dies lässt sich an den Bemühungen zur Nachverfolgung der Radikalisierung im Internet feststellen, bei denen die Aufrechterhaltung der aktuellen Kenntnisse entmutigend ist. Das EU-finanzierte Network of Excellence VOX-Pol wurde gegründet, um Forschung, Analysen und Debatten zu den Themen Extremismus, Terrorismus und Internet einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Die Forschungsgruppe von VOX-Pol sprach eine Reihe von Problemen an, vom Verhalten verurteilter Terroristen im Internet bis hin zum Publikum für Inhalte der Alt-Right-Bewegung (alternativen Rechten auf Twitter). In der jüngsten Veröffentlichung des Netzwerks wurden die Ergebnisse eines Online-Experiments zu Reaktionen auf extremistische Materialien präsentiert. Obgleich die Interaktion relativ gering war, hatten diejenigen, die sich einbrachten, eine Präferenz für Hierarchien und Herrschaft in der Gesellschaft, identifizierten sich stärker mit der Eigengruppe, wiesen einen höheren Radikalisierungsgrad sowie eine Feindseligkeit gegenüber der Fremdgruppe auf. Darüber hinaus trug das Forschungsteam von VOX-Pol zur Erstellung eines Archivs über öffentlich zugängliche politisch extreme Inhalte aus dem Internet bei.

Interdisziplinär und vernetzt

Das VOX-Pol-Netzwerk wandte eine Vielzahl von Methoden und Instrumenten an, angefangen bei traditionellen Textanalysen über umfangreiche Datenanalysen und qualitative Fallstudien bis hin zu Online-Experimenten. Die ersten Veröffentlichungen von VOX-Pol handelten beispielsweise von der Rolle von YouTube bei der Radikalisierung der extremen Rechten. In der Forschung wurden quantitative und qualitative Analysen von etwa 1,6 Mio. englisch- und deutschsprachigen YouTube-Kanälen kombiniert. Dabei fand das Team heraus, dass Benutzer, die auf rechtsextreme Videos zugriffen, mit hoher Wahrscheinlichkeit Empfehlungen für weitere, ähnliche Inhalte erhielten. Die Wahrscheinlichkeit, dass YouTube nicht rechtsextreme Inhalte empfahl, war dagegen gering. „Durch die Vielfalt an Stimmen wurden umstrittene Themen, wie die Grenze zwischen Freiheitsrechten und Bedrohung des Rechtsstaats, offen bei Veranstaltungen wie Konferenzen und Schulungsakademien diskutiert“, so Projektkoordinatorin Maura Conway von der Dublin City University. Diese Diskussionen fanden statt, um Teilnehmende in die Ansichten und Interessen anderer einzuführen, die mit diesen Themen arbeiteten, und um eine offene und gründliche Debatte verschiedener Perspektiven zu ermöglichen.

Stichhaltige Belege für eine Auswirkung auf die „reale Welt“

„Die Themen, die wir diskutierten, sind zweifellos nicht nur für die Wissenschaft von Interesse, daher haben wir auch Fachleute wie Entscheidungsträger, Strafverfolgungsbeamte, Vertreter von Social-Media-Unternehmen sowie der Zivilgesellschaft, die in diesem Bereich tätig sind, eingebunden. Gemeinsam haben wir ansehnliche stichhaltige Beweise, Erfahrung und Wissen zusammengetragen“, berichtet Conway. Die Forschung von VOX-Pol wurde in einer Vielzahl von EU-Einrichtungen sowie in den Mitgliedstaaten weit verbreitet. Insbesondere leistet das Team einen Beitrag zum Europäischen Internetforum, indem es 2016, 2017 und 2018 einen Jahresbericht über Extremismus und Terrorismus im Internet erstellte und seine Ergebnisse beim jährlichen Ministertreffen des Europäischen Internetforums vorstellte. Darüber hinaus ging das Team auch eine Partnerschaft mit dem Europäischen Zentrum zur Terrorismusbekämpfung (ECTC) ein, um seine Schulungsakademie von 2017 zu entwickeln, die in der Zentrale des ECTC in Den Haag stattfand, und präsentierte seine Forschung 2018 und 2019 bei den Terrorismus-Konferenzen des Zentrums. Künftige fachspezifische Arbeit des VOX-Pol-Teams umfasst Forschung über den Einsatz von „Big Data“-Ansätzen zur Untersuchung von Extremismus und Terrorismus im Internet, die Online-Ökologie der syrischen Dschihad-Extremisten sowie einen neuen, von einem Menschenrechtsanwalt verfassten Bericht. In diesem wird die Gesetzgebung, die als Reaktion auf terroristische Internet-Bedrohungen erarbeitet wurde, in einer Reihe von gerichtlichen Zuständigkeiten wie Deutschland, Frankreich, Israel, dem Vereinigten Königreich und den USA ausgewertet.

Schlüsselbegriffe

VOX-Pol, gewaltsam, Extremismus, online, Terrorismus, Sicherheit, Bedrohungen, Radikalisierung, Internet

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