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Sicheres Ankern für Seeleute, Schiff und Meer

Trotz bahnbrechender Erfindungen in der Seeschifffahrt wie GPS und Radar ist das Ankern seit Hunderten Jahren gleich geblieben. Zumindest bis jetzt. AnchorGuardian bietet Sicherheit auf See durch sofortige und ausfallsichere Alarmsysteme für abdriftende Anker, was es so in der Branche noch nie gegeben hat.

Verkehr und Mobilität

Obwohl das Ankern, vom Werfen bis zum Lichten des Ankers, eine Routineaufgabe ist, erfordert diese dennoch Geschick und Erfahrung. Eine gute Ausführung ist für die Sicherheit der Besatzung und des Schiffes sowie die Gesundheit der Meereslebewesen und des Meeresbodens von entscheidender Bedeutung. Im Rahmen des EU-finanzierten Projekts AnchorGuardian wurde ein Gerät entwickelt, das mit einer Genauigkeit von weniger als einem Meter einen frühzeitigen Alarm auslöst, wenn ein Anker abdriftet. Um Fehlalarme zu vermeiden, die durch Faktoren wie Wind und Gezeiten verursacht werden, arbeiten die Sensoren des Systems unabhängig von jedweder Schiffsbewegung. Die ersten Prototypen wurden im Anschluss an ihre Entwicklung und Fertigung in mehreren auf See durchgeführten Versuchen getestet, was zu einer Verschiebungsgenauigkeit zwischen 80 % und 100 % der tatsächlichen Verschiebung führte. Der Projektkoordinator Swiss Ocean Tech hat mehrere Zuschüsse erhalten und gerade die erste Finanzierungsrunde mit Investoren erfolgreich abgeschlossen. Darüber hinaus hat sich das Unternehmen auch internationale Patente speziell für AnchorGuardian gesichert.

Modernisierung einer jahrhundertealten Industrie

Die heutigen Alarmsysteme für Anker können nicht in Echtzeit erkennen, ob ein Anker noch hält oder bereits abdriftet. Daher ist eine frühzeitige und genaue Erkennung äußerst wichtig. Andernfalls kann die Situation zu Kollisionen, Auflaufen und Ölverschmutzungen führen, was möglicherweise auch Umwelt- und Wirtschaftskatastrophen und sogar Todesfälle zur Folge haben kann. Aktuelle Alarmsysteme verfolgen die Bewegung eines Schiffes und extrapolieren dann aus diesen Daten eine potenzielle Ankerbewegung. Das GPS verfolgt jedoch die Antenne auf dem Schiff und nicht den Anker, weshalb die Berechnungen darauf basieren, wo sich die GPS-Antenne zum Zeitpunkt des Alarms befand und nicht auf der endgültigen Ruheposition des Ankers. Dass hier keine Fehler unterlaufen, ist besonders wichtig, da Seeleute eine Sicherheitszone um ihr Schiff herum einrichten müssen, die den elektronischen Bereich darstellt, in dem das Schiff manövrieren kann, ohne einen Alarm auszulösen. AnchorGuardian besteht aus einem Sensormodul zwischen Anker und Kette sowie einem Modul im Schiffsrumpf, das per Ultraschall kommuniziert. Ein Bildschirm hält die Besatzung in Echtzeit über die Position und den Halt des Ankers auf dem Laufenden. Diese Anzeige kann autonom auf einer Schiffsbrücke stehen oder über den als NMEA 2000/0183 bekannten Standard für maritime elektronische Signale in ein bereits vorhandenes elektronisches Kartendarstellungs- und Informationssystem (ECDIS) oder einen GPS-Plotter integriert werden. Während der Anker angehoben oder abgesenkt wird, kann AnchorGuardian auch zusätzliche wichtige Informationen liefern, z. B. wann der Anker den Meeresboden erreicht hat oder seine genaue Position.

Mehr Sicherheit für Seeleute, Schiffe und Meere

Durch das Abdriften von Ankern kam es bereits zu mehreren Ölverschmutzungen. So rief Indonesien 2018 den Notstand aus, nachdem der Anker eines Kohleschiffes eine Pipeline mehr als 100 m hinter sich hergezogen hatte, wobei Öl über eine Fläche von fast 13 000 Hektar auslief und ein 60 km langer Küstenstreifen mitsamt seines Ökosystems verschmutzt wurden. „AnchorGuardian stellt nicht nur ein Frühwarnsystem für abdriftende Anker zur Verfügung, sondern sammelt auch für die wissenschaftliche Gemeinschaft nützliche Informationen darüber, an welchen Stellen das Ankern besser reguliert werden sollte. Dadurch werden die Sicherheit erhöht, die Auswirkungen auf die Umwelt minimiert und wirtschaftliche Verluste reduziert“, so Thomas Frizlen, Gründer von Swiss Ocean Tech. Als Nächstes wird sich das Team auf die Entwicklung seriennaher Prototypen konzentrieren, die von einer Gruppe von Kapitäninnen und Kapitänen validiert werden sollen. Diese werden sie dazu drei Monate lang auf ihren Schiffen testen und Rückmeldungen für die Konstruktion und Herstellung der Pilotserie in der Schweiz geben. Nach der Zertifizierung wird AnchorGuardian voraussichtlich im Jahr 2021 auf den Markt kommen und über Werften, Hersteller und Bootszubehörgeschäfte für alle Arten von Schiffen, darunter Handelsschiffe, Freizeitboote und Fischereifahrzeuge, erhältlich sein.

Schlüsselbegriffe

AnchorGuardian, Anker, Seeleute, Besatzung, Abdriften des Ankers, Schiffe, Frühwarnsystem, Ölverschmutzungen, Freizeitboote, Fischereifahrzeuge, Kollisionen, Auflaufen, Seeschifffahrt, Meeresboden

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