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Inseln besser auf Klimaauswirkungen vorbereiten

Eine EU-Forschungsgruppe hat Erkenntnisse darüber gewonnen, welchen Einfluss der Klimawandel auf die Wirtschaft und biologische Vielfalt von Inseln haben wird. Ergebnisse aus Klimamodellierungen und verschiedenen soziökonomischen Analysen werden über eine entsprechende Plattform bereitgestellt, mit deren Hilfe die Politik fundierte Entscheidungen für die Zukunft treffen können soll.

Klimawandel und Umwelt

Das EU-finanzierte Projekt SOCLIMPACT wurde im Dezember 2017 gestartet und sollte den Einfluss des Klimawandel auf die Inseln der EU untersuchen. Dabei wurden vier wichtige Sektoren der blauen Wirtschaft priorisiert: Küsten- und Meerestourismus; Aquakultur; Energie sowie die Beförderung auf dem Seeweg. Das Projekt baut auf einem Netzwerk aus zwölf Inseln in der EU auf, die sich in verschiedenen Regionen der Welt befinden. „Inseln bilden ein hervorragendes Labor, um die Auswirkungen des Klimawandels zu beurteilen und Anpassungs- und Abschwächungsstrategien zu testen“, erklärt Carmelo León von der Universität Las Palmas de Gran Canaria in Spanien, der Koordinator des Projekts SOCLIMPACT. „Wir wollten enge Beziehungen zwischen der Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in den einzelnen Regionen und der gesamten EU herstellen.“

Fragiles Leben

Auf den mehr als 2 000 Inseln der EU leben rund 15 Millionen Menschen. Die Inseln sind besonders durch Klimaveränderungen bedroht. Oftmals stehen für Inseln keine Klimamodelle zur Verfügung. Aufgrund begrenzter Ressourcen ist ihre Wirtschaft außerdem nicht selten unverhältnismäßig vom Klimawandel betroffen. Angesichts des Meeresspiegelanstiegs müssen sich die Länder auf den Schutz der Inseln konzentrieren, um ihre einzigartigen, wertvollen und fragilen Naturgüter zu schützen, von denen sozioökonomische Aktivitäten wie der Tourismus abhängen. Bereits jetzt sind Inseln von den dramatischen Auswirkungen des steigenden Meeresspiegels betroffen, zum Beispiel die Malediven im Indischen Ozean oder die Marshallinseln im Pazifik. Außerdem kann der Umstieg auf erneuerbare Energie für sie aufgrund ihrer geringen Größe unter Umständen ebenfalls ein Problem darstellen. Sie verfügen nicht über die Größenvorteile einer umfangreichen Infrastruktur. Daher müssen Alternativen für erneuerbare Energie in Form einer effizienten Mikrogeneration geschaffen werden.

Lösungen für den Klimawandel

León und sein Team stellten fest, dass die Auswirkungen und Herausforderungen, die aufgrund verschiedener Klimawandelszenarien mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Inseln auftreten werden, dringend definiert und beurteilt werden müssen. „Die Gefahr für die Inseln nimmt stetig zu“, sagt er. „Es waren detailliertere Modellierungs- und Projektionswerkzeuge für die möglichen Folgen des Klimawandels notwendig, die Klimawendepunkte und tiefgreifende Ereignisse mit geringer Wahrscheinlichkeit einbeziehen.“ Um diese Herausforderungen zu meistern, brachte das SOCLIMPACT-Projekt Beteiligte aus der Wirtschaft sowie politische Vertreter zusammen und nahm verschiedene Bewertungen vor. Die sozioökonomischen Werte der klimatischen Auswirkungen wurden anhand von Literaturrecherchen und Feldforschungen in Bereichen wie dem Inseltourismus untersucht. Damit alle Projektbeteiligten miteinbezogen werden konnten, wurden auf allen Partnerinseln bzw. -archipelen lokale Arbeitsgruppe gebildet. Pro Insel waren im Schnitt 15 bis 20 Interessengruppen beteiligt, darunter Behörden sowie Vertreterinnen und Vertreter privater Unternehmen. Anhand der getätigten Arbeit wurden in den vier Sektoren der blauen Wirtschaft Wirkungsketten für den Klimawandel identifiziert. Es wurden ganzheitliche sozioökonomische Bewertungen der erwarteten klimatischen Auswirkungen auf die Inseln entwickelt. „In den vier von uns untersuchten Wirtschaftsbereichen wurden insgesamt 17 Wirkungsketten erarbeitet“, sagt León. „So gibt es zum Beispiel neun für den Tourismus.“ Das Nachvollziehen der einzigartigen Herausforderungen, denen sich Inseln gegenübersehen, ist ein erster Schritt, damit die Gemeinschaften die stärksten Auswirkungen des Klimawandels in Schach halten können. Anschließend muss dieses Wissen an diejenigen weitergegeben werden, die es benötigen, wie zum Beispiel die Politik. Außerdem müssen Werkzeuge zur Verfügung stehen, mit denen sinnvolle Veränderungen eingeführt werden sollen. Und genau dort hofft das Projekt SOCLIMPACT, einen wichtigen Beitrag leisten zu können. „Wir haben hier ein ambitioniertes, innovatives Projekt. Unser Erfolg wird von den Fortschritten abhängen, die wir erzielen, und davon, wie gut wir Entscheidungstragende einbeziehen können“, so León abschließend.

Schlüsselbegriffe

SOCLIMPACT, Klima, Inseln, blaue Wirtschaft, Küste, Meer, Tourismus, Aquakultur, Energie, biologische Vielfalt

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