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Antibiotika-Resistenzbrecher könnten die Wirksamkeit von Antibiotika wiederherstellen

Die Bedrohung durch antimikrobielle Resistenzen hat die Aufmerksamkeit großer Pharmaunternehmen auf sich gezogen, die Milliarden Euro in die Suche nach neuen Antibiotika investiert haben. Ein neuartiger Ansatz, der vom Projekt QTB4AMR vorgestellt wurde, könnte Hoffnung machen.

Gesundheit

Antibiotikaresistenzen sind ein ernstes Gesundheitsproblem. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich weltweit rund 700 000 Menschen an Infektionen, die durch arzneimittelresistente Bakterien verursacht werden. Ohne wirksame Antibiotika verlaufen schwere Operationen oder Chemotherapien unter Umständen nicht erfolgreich. Trotzdem haben viele Pharmaunternehmen aufgrund der hohen Kosten für die Entwicklung neuer Antibiotika die klinische Entwicklung in diesem Bereich eingestellt. Einige haben ihre internen Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten für antibakterielle und antivirale Wirkstoffe reduziert, während andere, wie Novartis, sie komplett aufgegeben haben. „Aktuell ist man der Meinung, dass die Entwicklung eines neuen, eigenständigen Antibiotikums zwar wichtig ist, den dringenden Bedarf aber nicht decken können wird. Der Trend geht in Richtung kombinatorischer Therapien, die schneller auf den Markt kommen könnten“, erklärt Fredrik Almqvist, Geschäftsführer von QureTech Bio, dem Projektträger. Im Rahmen des EU-finanzierten Projekts QTB4AMR wurden neuartige Substanzen entwickelt, welche die Antibiotika-Empfindlichkeit grampositiver Bakterien wiederherstellen und so die Wirksamkeit von herkömmlichen Antibiotika steigern könnten. Etwa 60 % aller Infektionen der Atemwege, des Bauchraums und der Harnwege gehen auf grampositive Bakterien wie Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) und Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) zurück. Mit den EU-Mitteln konnte QureTech einen Geschäftsplan aufstellen, der auch eine Analyse der epidemiologischen Daten und der Marktdaten beinhaltete. Dadurch konnte das Team den Anwendungsbedarf bewerten, Rechte des geistigen Eigentums schaffen und eine Kommerzialisierungsstrategie ausarbeiten. Außerdem konnte eine klinische Machbarkeitsstudie durchgeführt werden – als Vorbereitung für eine klinische Studie und um potenzielle Partner für die präklinische Entwicklung zu finden.

Die „Antibiotika-Resistenzbrecher“

Die neuen chemischen Substanzen, welche die „Antibiotika-Resistenzbrecher“ von QureTech bilden, werden als GmPcide bezeichnet. Sie stammen aus einer etablierten chemischen Plattform, die von QureTech entwickelt wurde. Ihre Leitsubstanz tötet grampositive Bakterien in niedrigster Konzentration ab. „Dank der Vielseitigkeit der chemischen Plattform konnten wie die Natur der Substanzen schnell verändern, sodass wir in kurzer Zeit neue Generationen von Substanzen mit besseren Eigenschaften entwickeln konnten“, sagt Almqvist. Die neuen chemischen Substanzen wurden sowohl in Zellkulturen als auch anhand von Tiermodellen getestet. Die Ergebnisse zeigten, dass einige Substanzen die Empfindlichkeit von Standardantibiotika gegenüber VRE- und MRSA-Bakterien wiederherstellten. „Soweit wir wissen, ist unser Ansatz komplett neu. Unsere Tests haben gezeigt, dass die bakterielle Resistenz gegenüber GmPciden sehr gering ist. Wir hoffen, dass die Substanz in Kombination mit Standardantibiotika als Primärtherapie bei bakteriellen Infektionen eingesetzt wird“, so Almqvist.

Betroffenen im Kampf gegen Infektionen helfen

Schätzungen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zufolge sterben jedes Jahr 33 000 Patientinnen und Patienten in der EU an Infektionen, die durch resistente Bakterien verursacht werden. Einem vor Kurzem veröffentlichten Bericht ist außerdem zu entnehmen, dass 39 % dieser Last durch bakterielle Infektionen hervorgerufen wird, die eine Resistenz gegenüber Reserveantibiotika aufweisen. Die in Verbindung mit antimikrobiellen Resistenzen stehenden Gesundheitskosten belaufen sich schätzungsweise auf jährlich 1,5 Mrd. EUR. In den letzten Jahren wurde der Kampf gegen Antibiotikaresistenzen von kleineren Biotechnologieunternehmen geführt. Da diese flinkeren Akteure innovative Lösungen entwickeln, wird auch das Interesse der größeren Pharmaunternehmen langsam wieder geweckt. Die chemische Plattform von QureTech lässt sich an die Entwicklung und Synthese aktiver pharmazeutischer Wirkstoffe anpassen, damit diese in Kombination mit herkömmlichen Antibiotika gegen antibiotikaresistente Pathogene genutzt werden können. Als Nächstes wird das Team weitere Tierversuche durchführen und die Eigenschaften verschiedener Substanzen analysieren, um einen Wirkstoffkandidaten zu finden. Sobald dieser bestimmt wurde, kann die präklinische Entwicklung beginnen. Letztendlich möchte QureTech die Lizenz für laufende Projekte erhalten oder strategische Partner finden, um die GmPcide auf den Markt zu bringen.

Schlüsselbegriffe

QTB4AMR, antimikrobielle Resistenz, Antibiotika, Bakterien, Wirkstoffe, Substanzen, GmPcide, Enterokokken, VRE, Staphylococcus aureus, MRSA, Infektionen der Atemwege, Infektionen des Bauchraums, Infektionen der Harnwege

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