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Traditionelle Medizin und zeitgenössische Gesundheitssysteme: eine symbiotische Beziehung

Das EU-Projekt MEDICINE hat die Auffassungen von Krankheit, Gesundheit und Heilung beim indigenen Quichua-Volk im nördlichen Hochland Ecuadors untersucht. Die Studie bietet eine neue Perspektive für die Entwicklung von Strategien, die auf die Gesundheitsbedürfnisse von Minderheiten eingehen.

Gesellschaft
Gesundheit

Archäologische und ethnohistorische Aufzeichnungen belegen das Vorhandensein von schamanistischen Überzeugungen und Praktiken in präkolumbianischer und früher Kolonialzeit im Zusammenhang mit Heilung. Aus diesen Überzeugungen und Praktiken haben sich zeitgenössische Heilungsüberzeugungen und -praktiken in der Andenregion entwickelt, die sich von unseren Praktiken unterscheiden. Die zentrale „Gesundheitsachse“ der Anden (und die damit verbundenen medizinisch-rituellen Praktiken) erstreckt sich von Ecuador im Norden bis nach Bolivien im Süden und umfasst höchstwahrscheinlich das heutige Kolumbien. Die Heilung in dieser Region konzentriert sich hauptsächlich auf die Verabreichung von Heil- und psychoaktiven Pflanzen.

Das Quichua-Volk – ihre Gesundheit und Heilung

„Das Projekt MEDICINE hat gezeigt, dass die indigene Kosmologie der Anden mit ihrem einzigartigen Weltverständnis über turbulente 500 Jahre überlebt hat, auch wenn sie sich in mehreren zentralen Aspekten deutlich verändert hat“, erklärt John Schofield, Professor und Studienleiter für Denkmalschutz an der Universität York. Vor zwanzig Jahren ergab eine Studie der Kulturanthropologin Rachel Corr über das Volk der Salasaka und ihre Überzeugungen, Mythen und Rituale, dass viele charakteristische indigene Andenüberzeugungen überlebt hatten und gediehen. „Unsere Studie zeigt jedoch, dass moderne globale Prozesse unbarmherzig vorgerückt sind, sodass diese Überzeugungen und Praktiken klar und schnell erodiert sind“, betont Schofield.

Relevanz für moderne Menschen mit Migrationshintergrund und Flüchtende

Das Projekt MEDICINE verband diese Andensysteme mithilfe eines dualen Ansatzes mit den heutigen globalen Migrationsproblemen. Zunächst untersuchte das Team archäologische, ethnohistorische, ethnografische und bibliografische Quellen, um die wichtigsten (voreuropäischen) indigenen Andenvorstellungen der Vorfahren in Bezug auf Gesundheit, Krankheit und Heilung zu ermitteln. Diese Konzepte wurden dann im Kontext der zeitgenössischen indigenen Andenkultur (Ecuadorianer) durch eine Umfrage in drei solchen Gemeinschaften neu betrachtet. Ziel war es, Beweise für das Überleben wichtiger kultureller Muster sowie Überzeugungen und Praktiken der Vorfahren in Bezug auf indigene voreuropäische Erkenntnistheorien und Ontologien aus den Anden zu überprüfen. Zur Bewertung der Gesundheitsbedürfnisse von heutigen indigenen Gemeinschaften hat die andalusische Schule für öffentliche Gesundheit in Granada Schulungsmodule zu Ansätzen und Themen entwickelt, die speziell Flüchtende und Menschen mit Migrationshintergrund betreffen. Es wurden Ansätze zum sensiblen Umgang mit Menschen unterschiedlicher ethnischer/kultureller Herkunft empfohlen. „Diese Module zielen darauf ab, das Bewusstsein für geläufige Annahmen und Vorurteile von Menschen mit ‚eurozentrischen‘ Verständnissen und Voreingenommenheiten zu schärfen“, bemerkt Schofield. Das versetzt sie laut Schofield in einen besser informierten Kontext und ermöglicht es den Auszubildenden, die Bewertung und Befriedigung der Bedürfnisse von Flüchtenden und Menschen mit Migrationshintergrund mit unterschiedlichem ethnischem/kulturellem Hintergrund zu verbessern.

Vorwärts im Doppelschritt

Liz Currie, leitende Forscherin beim Projekt MEDICINE, betont: „Das Aufeinandertreffen von Menschen aus verschiedenen ethnischen/kulturellen Gruppen kann eine sehr positive Erfahrung sein. Die Begegnung mit unterschiedlichen Ansichten, Überzeugungen und Bräuchen bietet Gelegenheit für die kulturelle Bereicherung beider Seiten.“ Eine Aufgabe der politischen Entscheidungstragenden ist es, im Dialog mit der lokalen Gesellschaft und Kultur sowie mit ankommenden Flüchtenden und umgesiedelten Menschen mit Migrationshintergrund zu bestimmen, wie diese Begegnung zustande kommen kann. Der nächste Schritt ist die Veröffentlichung der Ergebnisse, höchstwahrscheinlich in einem Buch, das sich an verschiedene Zielgruppen richtet, darunter auch an akademische und nichtstaatliche Organisationen. Schofield fasst zusammen: „Ziel ist es, dass das Projekt letztendlich nützlich ist. Der folgende Schritt ist die Anwendung unseres Modells durch die Zusammenarbeit mit Flüchtenden und Asylsuchenden, die aus Regionen mit traditioneller Medizin in Regionen mit nicht traditioneller Medizin umgezogen sind.“

Schlüsselbegriffe

MEDICINE, Gesundheit, Heilung, Flüchtende, traditionelle Medizin, Ecuador

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