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Achtsames Design lässt Menschen mit Demenz am sozialen Leben teilnehmen

Demenz ist mit psychosozialen und verhaltensspezifischen Problemen verbunden. Ein Forschungsteam in Europa hat jetzt achtsame Aktivitäten entwickelt, um die soziale Interaktion sowie die Lebensqualität derer zu verbessern, die mit Demenz leben.

Gesundheit

Demenzerkrankte können sich damit schwertun, andere zu erkennen und mit ihnen in Beziehung zu treten – eine Herausforderung für ihr soziales Miteinander und Wohlbefinden. Um eine Verbesserung der Lebensqualität und gleichzeitig eine Senkung der Gesundheitskosten zu bewirken, ist es unverzichtbar, die Betroffenen als fähige und einzigartige Individuen zu betrachten, in denen das Potenzial zur Teilhabe an gemeinschaftlichen Aktivitäten steckt.

Achtsames Design für Menschen mit Demenz nutzen

Das mit Unterstützung des Programms RISE im Rahmen der Marie Skłodowska-Curie-Maßnahmen durchgeführte Projekt MinD nahm sich zum Ziel, innovative Designlösungen für Demenzerkrankte vorzulegen. Projektpartner griffen auf das Konzept des achtsamen Designs zurück, um das Selbstvertrauen und die aktive Teilhabe dieser Zielgruppe zu stärken. „Wir sind überall von Design umgeben; es kann uns beeinflussen und sämtliche Aspekte unseres Leben verändern. Wir müssen dafür sorgen, dass es unser Leben verbessert“, erläutert Kristina Niedderer, Hauptforscherin und Professorin für Design an der Manchester Metropolitan University. Das Projekt führte 17 Partner aus acht Ländern zusammen. Im Rahmen des Forschungs- und Designprozesses von MinD wurden über 100 Menschen mit Demenz im frühen und mittleren Stadium, Familienmitglieder sowie Pflegekräfte aus vier europäischen Ländern befragt. Sie wurden gebeten, ihre Bedürfnisse und Herausforderungen zu schildern, um dem Projektteam Erkenntnisse zur bestmöglichen Gestaltung künftiger Produkte zu liefern. Die Befragungen unterstrichen die Notwendigkeit einer stärkeren Unterstützung nach der Diagnose sowie die wichtige Rolle, die der Aufrechterhaltung sozialer Beziehungen und dem Beitrag zur Gesellschaft zukommt.

Soziale Interaktion verbessern und Selbstvertrauen fördern

Das Projektteam von MinD beteiligte sich an der Gestaltung von vier Produkten, die Menschen mit Demenz dabei unterstützen sollten, sich besser im Alltag zurechtzufinden, und gleichzeitig ihr Selbstvertrauen sowie ihre Lebensqualität zu steigern. Die zum Nachdenken anregende Broschüre „Living the Life“ enthält einfache Achtsamkeitsübungen, die zur Entspannung und Besinnung beitragen, und bietet Ratschläge dazu, wie sich eine achtsame Haltung bewahren lässt. Sie ist in englischer, spanischer und deutscher Sprache erhältlich. „This is Me“ ist ein Brettspiel mit erzählerischem Charakter, bei dem Demenzerkrankte Erinnerungen aus der Vergangenheit hervorrufen können und bisherigen Erfahrungen nach dazu motiviert werden, mit Selbstvertrauen in die Zukunft zu blicken. Das Spiel wurde durch Gruppen in Tageseinrichtungen in vier Ländern bewertet. Menschen mit Demenz hatten Freude daran, da sie auf diese Weise sozial interagieren und zuversichtlich in die Zukunft blicken konnten. Die Herstellung und Veröffentlichung des Spiels für ein breiteres Publikum ist für 2021 geplant. Damit Demenzerkrankte weiter am sozialen Leben teilhaben können, wurde im Rahmen des Projekts die digitale Plattform „Let’s Meet Up!“ ins Leben gerufen. Sie ermöglicht die soziale Interaktion mit ausgewählten Familienmitgliedern und Freunden. Darüber hinaus hat das Projekt das Gesprächswerkzeug „You & Me“ hervorgebracht, das Menschen mit Demenz dazu ermutigt, ihre Sichtweisen auszudrücken. Die Ansichten der Pflegekräfte werden ebenfalls vermerkt.

Richtlinien für die personenzentrierte Unterstützung

„MinD verlieh Menschen mit Demenz eine Stimme, um auszudrücken, was sie für ein Leben nach ihren Wünschen benötigen“, betont Niedderer. Dieser Ansatz spiegelt sich auch in einem Richtliniendokument und einem kompakten und praktischen Werkzeugkasten für die Designkooperation wider. Das Hauptziel besteht darin, die Entwicklung personenzentrierter Interventionen zu fördern, bei denen der Mensch und nicht die Technologie im Vordergrund steht. Mit MinD konnte erfolgreich demonstriert werden, wie sich durch die Kraft gestalterischer Mittel eine bessere Unterstützung und Pflege für Demenzerkrankte bewerkstelligen lässt. Künftige Pläne umfassen die Ermittlung geeigneter Möglichkeiten, um diese Gruppe mit der Gemeinschaft im weiteren Sinne zu verbinden. Dieses Vorhaben wird innerhalb des neu finanzierten I-Do-Dienstes des Einzelstipendienprogramms der Marie Skłodowska-Curie-Maßnahmen im Rahmen von Horizont 2020 entwickelt und soll im Oktober 2020 beginnen.

Schlüsselbegriffe

MinD, Demenz, achtsames Design, Lebensqualität, soziale Teilhabe, Werkzeuge, Broschüre

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