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Landrechte in Ostafrika schneller, einfacher und günstiger mit innovativen Geo-Werkzeugen kartieren

In Afrika südlich der Sahara ist das Erstellen einer Karte der Millionen Landrechte, die nicht zuerkannt wurden, noch immer eine Herausforderung. Eine EU-Initiative hat nun Werkzeuge entwickelt, mit denen sich Millionen Landrechte schnell kartieren lassen.

Digitale Wirtschaft

„Schätzungsweise 70 % der Landbesitzrechte in Entwicklungsländern wurden nicht ordnungsgemäß kartiert und herkömmliche Vermessungsmethoden dauern zu lange und sind zu teuer“, sagt Mila Koeva, Koordinatorin des EU-finanzierten Projekts its4land. Bodenverwaltungssysteme in Afrika südlich der Sahara sind mit diversen Herausforderungen verbunden. So fehlen unter anderem Urkunden und andere Eigentumsdokumente in Registern, und viele Streitigkeiten können entweder nicht gelöst werden oder haben sich zugespitzt, was kleinere und größere Investitionen erschwert. „Es besteht ein klarer Bedarf an Innovationen, mit denen die mit der Kartierung verbundenen Probleme schnell und kostengünstig angegangen werden können“, so Koeva.

IKT-Innovationen spielen entscheidende Rolle bei den Landrechten

Die Projektpartner haben eine innovative Suite aus Instrumenten zur Erfassung des Grundbesitzes entwickelt, die auf Geoinformationstechnologien basiert. Diese reagieren auf die Bedürfnisse bei der Endanwendung, d. h. in den lokalen Gemeinschaften, bei den kleinen und mittleren Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen und der Regierung. Die Instrumente stärken eine bestehende strategische Zusammenarbeit zwischen der EU und Ostafrika. In ländlichen Gemeinden in Äthiopien, Kenia und Ruanda trugen die Partner Daten zusammen und führten Pilotversuche sowie Demonstrationsvorhaben durch. „Mit den Instrumenten kann sich das Afrika südlich der Sahara endlich der gewaltigen Herausforderung stellen und Millionen nicht zuerkannte Landrechte in der Region auf schnelle und wirtschaftliche Art und Weise kartieren“, merkt Koeva an. „Viele Ansätze zur Erfassung des Grundbesitzes, die auf IKT basieren, sind fehlgeschlagen. Es gibt unzählige Dispute, Investitionen werden verhindert und die Ärmsten der Gemeinschaft haben das Nachsehen.“ Die Instrumente werden als Produkt oder Dienstleistung vermarktet und der Bevölkerung angeboten.

Instrumente und Modelle für die Bodenverwaltung

Um die konkreten Bedürfnisse wichtiger Interessengruppen, Marktmöglichkeiten und die Bereitschaft der Endnutzerinnen und -nutzer zur Aufzeichnung von Grundbesitzdaten zu beurteilen, organisierte das its4land-Team in den drei Ländern Vor-Ort-Begehungen und Seminare. „Wir haben eine der ersten ausführlichen Bedarfsanalysen in der Bodenverwaltung hervorgebracht“, so Koeva weiter. Das Softwareinstrument SmartSkeMa extrahiert Objekte aus einer Karte, die durch Symbole dargestellt werden. Es besteht aus einem spezialisierten Domänenmodell und einer angeschlossenen visuellen Sprache für Zeichnungen, einem System zur automatischen Erkennung und Extraktion von Objekten in Kartenskizzen und einem System, das skizzierte Informationen mithilfe einer qualitativer Darstellung in vorhandene georeferenzierte Datensätze integriert. Von SmartSkeMa können Nichtregierungs- und private Organisationen, Forschungsinstitute sowie Regierungsbehörden profitieren, die im Bereich für Land- oder natürliche Ressourcen mit Zeichnungen arbeiten. Die Teammitglieder haben auch Datenerfassungsrichtlinien für Drohnen ausgearbeitet und individualisierbare Arbeitsabläufe für die Bodenverwaltung getestet und validiert. So veröffentlichten sie politische und rechtliche Anforderungen, die die Abläufe zur Erfassung von Drohnendaten für die drei Länder betreffen. Den Zielländern wurden drei Drohnen zur Kartierung des Grundbesitzes zur Verfügung gestellt. Es wurde ein quelloffenes Werkzeug zur interaktiven automatischen Extraktion von Katastergrenzen anhand von Fernerkundungsaufnahmen entwickelt, das aktuelle Kartierungsverfahren hinsichtlich der Kosten, benötigten Zeit und Genauigkeit verbessern soll. Die Plattform „Publish and Share“ unterstützt das Einbinden von Aufgaben in Verbindung mit Bodenverwaltungssystemen. Über sie werden Arbeitsabläufe und Funktionen in der Bodenverwaltung ausgeführt, integriert und zugewiesen. Das Entwicklungsmodell für Governance und den Aufbau von Kapazitäten unterstützt die Implementierung und Evaluierung der its4land-Werkzeuge, um die Anforderungen der Interessengruppen zu erfüllen. Ein nachhaltiges Geschäftsmodell zeigt, wie sich die Werkzeuge kommerzialisieren lassen. „Die neuen IKT-Instrumente und zugehörigen Modelle verbessern die Grundbesitzkartierung, indem Landrechte in ostafrikanischen Ländern schneller und kostengünstiger erfasst werden“, so Koeva abschließend. „Damit können lokale Gemeinschaften wie auch Kommunalverwaltungen Grundbesitzdaten, die viel zu lange nicht verfügbar oder nicht zugänglich waren, zuweisen, abgrenzen, erheben und speichern.“

Schlüsselbegriffe

its4land, Land, Landrechte, Grundbesitz, Bodenverwaltung, Kartierung, Afrika südlich der Sahara, Ostafrika

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