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Neue Methode: Schutz von Saatgut vor Salzgehalt des Bodens für globale Ernährungssicherheit

Ein israelisches Startup im Bereich Agrartechnologie hat eine maßgeschneiderte Methode zur Behandlung von Saatgut entwickelt, dank der Pflanzen in eigentlich unwirtlichem Salzboden gut wachsen können. Die Lösung scheint gleichermaßen vielversprechend für große Saatguterzeuger und -händler wie für landwirtschaftliche Kleinbetriebe und könnte so dem Hunger in der Welt ein Ende setzen.

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Die übermäßige Konzentration löslicher Salze im Boden (Salzboden) wirkt sich negativ auf die Wasser- und Nährstoffaufnahme der Pflanzen aus. Für die globale Agrarindustrie ist das ein ständiges Problem, denn geringeres Pflanzenwachstum und kleinere Erträge sind die Folge. Etwa 20 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche der Welt sind betroffen, damit stellt ein hoher Salzgehalt des Bodens für die Agrarindustrie eine globale Herausforderung dar. Besonders Kleinbauern und ländliche Räume haben darunter zu leiden, da der geringere Ertrag durch Salzboden sich bei ihnen stärker auswirkt und sie kaum Möglichkeiten haben, die Schäden abzufangen oder dagegen vorzugehen.

Neue Saatgutbehandlung für Salzböden

Das Agrartechnik-Startup SaliCrop Ltd aus Israel hat jetzt eine revolutionäre Behandlungsmethode für Saatgut entwickelt, das in Salzboden und salzhaltigem Wasser wachsen soll. Der gentechnikfreien Methode, die an einzelne Pflanzensorten angepasst werden kann, liegt ein einzigartiges nasschemisches Verfahren zugrunde, bei dem im Samenstadium eine epigenetische Reaktion auf salzige Bedingungen ausgelöst wird. In mehreren erfolgreichen Machbarkeitsstudien im Labor und bei Feldversuchen konnte SaliCrop bei einer Vielzahl bedeutender Gemüse- und Getreidearten unter salzigen Bedingungen bereits eine durchschnittliche Steigerung des Ertrags zwischen 12 und 30 % erzielen. Jetzt steckt das Unternehmen in der Vorbereitung für den Markteintritt und führt im Rahmen des KMU-Instruments Phase 1 Machbarkeitsstudien durch. „Das übergeordnete Ziel des Projekts SALICROP war, einen soliden Businessplan zu erarbeiten, quasi als ersten Schritt auf dem Weg zur globalen Führerschaft in der Saatguterzeugung für salzige Bedingungen“, erklärt Dotan Borenstein, Projektkoordinator und Geschäftsführer von SaliCrop. Vor allem hatte das Projekt bei seinen Machbarkeitsstudien technologische, marktorientierte und finanzielle Ziele im Blick.

Erfolgreiche Feldversuche

Während der fünfmonatigen Projektlaufzeit wurden in Israel drei Experimente durchgeführt, davon zwei an Paprika und eines an Weizen. Die Pflanzen aus behandelten und unbehandelten Samen wurden unter salzigen Bedingungen getestet und die Ergebnisse mit einer Kontrollgruppe verglichen, die unter normalen Bedingungen wuchs. In allen Fällen zeigte sich, dass die Pflanzen aus behandelten Samen unter salzigen Bedingungen besser wuchsen als die aus unbehandeltem Saatgut. Zusätzlich liefen groß angelegte Feldversuche in Indien, das laut Borenstein ein wichtiger Markt für SaliCrop ist. „In Indien ist Reis die wichtigste Nutzpflanze und es ist eines der größten Reisanbauländer der Erde. Doch wie viele andere Pflanzen ist Reis eben salzempfindlich. Viele Küstengebiete Indiens haben mit zu schwachen Erträgen zu kämpfen, weil der Boden zu salzig ist. Die Marktforschung hat sogar ergeben, dass der Ertrag in Indien trotz seiner enormen Anbaufläche für Reis pro Hektar weltweit zu den geringsten gehört.“ Zwischen Juli und November 2019 hat das Projekt SALICROP im indischen Maharashtra an einer lokalen Reissorte, die häufig von Kleinbauern angebaut wird, Feldversuche durchgeführt. Im Jahr 2019 dauerte der Monsun ungewöhnlich lang, bis weit in den Oktober. Eine enorme Menge an überschüssigem Salz wurde also aus dem Boden gespült, was für die Landwirte eine gute Nachricht war, aber die Ergebnisse für die geplanten Feldversuche am Salzboden hätte verfälschen können. „Obwohl die salzigen Bedingungen besser waren als wir vorausgesetzt hatten, brachten die mit SaliCrop behandelten Samen der Reissorte 14 % mehr Ertrag als die unbehandelten“, so Borenstein.

Vorbereitungen für den Markt

Wie Borenstein erklärt, hat SALICROP nicht nur mit Feldversuchen sondern auch mit einer eingehenden Marktstudie gearbeitet und Großkunden sowie Interessengruppen kontaktiert. „Wir haben uns mit landwirtschaftlichen Saatguterzeugern und -händlern getroffen, aber auch mit Agrarbehörden und globalen Hilfsorganisationen in Indien und Afrika, damit wir abschätzen konnten, ob die Behandlungsmethode bei landwirtschaftlichen Kleinbetrieben wirtschaftlich machbar sein würde.“ Für Borenstein ist SaliCrop mehr als nur ein Mittel für höhere Erträge. Es ist ein Schritt auf dem Weg zur Beendigung des Hungers und zu einer weltweiten Ernährungssicherheit – einem Ziel für nachhaltige Entwicklung der UN.

Schlüsselbegriffe

SALICROP, Boden, Salzgehalt, Samen, Saatgut, Indien, Salzboden, Feldversuche, Saatgutbehandlung, Landwirtschaft

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