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Oper als Medium zur Stärkung ausgegrenzter Menschen

Ein EU-finanziertes Projekt nutzt mithilfe zweier innovativer Instrumente die Oper als Weg, um neue Formen des künstlerischen Schaffens zu finden, die die soziale Integration und die Entwicklung von Gemeinschaften fördern.

Gesellschaft

Seit ihrer Entstehung im 16. Jahrhundert hat die Oper nicht nur den wohlhabenden Adel, sondern stets auch das breite Publikum unterhalten. Das EU-finanzierte Projekt TRACTION nutzt nun diese Kunstform, um marginalisierte Gruppen wie Migrantinnen und Migranten, die arme Landbevölkerung sowie jugendliche Straffällige zu erreichen. TRACTION beschreitet mit einer gemeinsamen Gestaltung von Opern neue Wege, um verschiedene Gruppen in ganz Europa in den kreativen Prozess der Oper miteinzubeziehen. Mit dem Ziel, Menschen und Gemeinschaften zu stärken, führt das Projekt zur Zeit drei Versuche durch: in ländlichen Gemeinden Irlands, in Innenstadtbezirken von Barcelona (Spanien) und in einem Jugendgefängnis in Leiria (Portugal).

Räume und Bühnen

Die drei Versuche werden durch zwei verschiedene Instrumente unterstützt: Co-Creation Space und Co-Creation Stage. Co-Creation Space ist ein flexibles, webbasiertes Instrument, das es Fachleuten und Mitgliedern der Gemeinschaften mit ganz unterschiedlichem Hintergrund ermöglicht, Inhalte zu teilen, zusammenzuarbeiten und Medien in einem „sicheren Raum“ zu diskutieren, wie es in einer Pressemitteilung auf der TRACTION-Website heißt. In der ersten Version des Instruments konnten die Nutzerinnen und Nutzer ein Konto erstellen, Beiträge verfassen und die Beiträge anderer Nutzerinnen und Nutzer anschauen und kommentieren. Erprobt wurde das Instrument in einem Pilotversuch mit Anwendungstestpersonen der Liceu Opera Barcelona. Der darauffolgende nutzungszentrierte Entwicklungsprozess führte zu Verbesserungen auf Basis der Rückmeldungen aus zwei Pilotversuchen: einem abgeschlossenen Pilotversuch mit 13 Teilnehmenden des Kompositionsworkshops der Irish National Opera, der zwischen März und Juni 2021 stattfand, und einem noch laufenden Pilotversuch mit 199 Chormitgliedern der Liceu Opera, der im Oktober 2021 startete und noch bis Juni 2022 laufen wird. Anschließend wurden weitere fünf Zusammenkünfte zur gemeinsamen Weiterentwicklung abgehalten, um Nutzeranforderungen im Hinblick auf Datenschutz, intelligente Uploads, Kommentar- und Bearbeitungsfunktionen und ein Zusammenfassungsinstrument zu sammeln. Die Funktionen von Co-Creation Space wurden dann basierend auf diesen Anforderungen gestaltet. Die zweite Version des Instruments wurde durch zehn Chormitglieder aus dem laufenden Pilotversuch getestet. „Insgesamt waren unsere Studienergebnisse positiv und konstruktiv“, berichtet Alina Striner vom Centrum Wiskunde & Informatica, dem niederländischen nationalen Forschungsinstitut für Mathematik und Informatik und Mitglied des TRACTION-Konsortiums in der Pressemitteilung. „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer empfanden die neuen Funktionen als klar und benutzungsfreundlich und fühlten sich sicher“ bei der Nutzung von Co-Creation Space. „Darüber hinaus waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von den Medienboards, den Entwürfen, der Bildbearbeitung und den Video-Highlight-Funktionen beeindruckt. Die Nutzerinnen und Nutzer gaben auch wertvolle Rückmeldungen zum Design des Instruments. Sie wiesen auf einige Bezeichnungen und Symbole hin, die nicht selbsterklärend waren, und wünschten sich, dass die Oberfläche künstlerischer aussehen sollte. Sie schlugen zudem neue Funktionen vor, die das Instrument verbessern könnten, wie z. B. die Möglichkeit, Beiträge zu speichern, Kommentare zu filtern, von Gruppenleitungen organisierte Medienordner zu teilen, eine Chat-Funktion zu verwenden und sich ohne Passwort anzumelden.“ Das Team plant, diese Rückmeldungen in die nächste Version von Co-Creation Space einfließen zu lassen. Das zweite Instrument, Co-Creation Stage, wurde entwickelt, um Gruppen und Einzelpersonen in Echtzeit miteinander zu vernetzen, so dass es verschiedenen Bühnen und Teilnehmerinnen und Teilnehmern ermöglicht wird, gemeinsam aufzutreten. Mit dem Instrument können Kunstschaffende die Anzahl der Szenen, Bühnen und Bildschirme auf jeder Bühne definieren, ebenso wie die audiovisuellen Bestände wie Live-Inhalte und aufgezeichnete Inhalte. Co-Creation Stage wurde erstmals im Dezember 2020 und dann noch einmal im Juni 2021 in Portugal getestet. Der Fokus einer kürzlich durchgeführten Live-Online-Opernaufführung mit dem Titel „Connections“ („Verbindungen“) lag auf den künstlerischen Verbindungen zwischen Menschen, die durch Technologie – unabhängig von Entfernungen – ermöglicht werden. Die äußerst erfolgreiche Aufführung, die im Februar 2022 vom „Insight and Performance Engineering Lab“ der Dublin City University, einem TRACTION-Projektpartner, organisiert wurde, bestand aus vier Live-Auftritten, die aus verschiedenen Orten gestreamt wurden. Das Projekt TRACTION (Opera co-creation for a social transformation) endet im Dezember 2022. Weitere Informationen: Projektwebsite TRACTION

Schlüsselbegriffe

TRACTION, Oper, Co-Creation, gemeinsame Schöpfung, Co-Creation Space, Co-Creation Stage, Gemeinschaft

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