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New Clean Energy Communities in a Changing European Energy System (NEWCOMERS)

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So gewinnt man die Menschen für eine saubere und nachhaltige Energieversorgung

Ob Sie es wissen oder nicht – Sie haben einen großen Einfluss auf die Energiewende. Ein EU-finanziertes Projekt zeigt, warum die Rolle der Bürgerinnen und Bürger nicht außer Acht gelassen und unterschätzt werden sollte.

Energie

Europas Übergang zu erneuerbarer Energie ist in vielerlei Hinsicht ein Wandel. Aber nicht nur ein technischer. Sonder auch ein sozialer. Deswegen ist es wichtig, die Bürgerinnen und Bürger zentral in den Energiewandel einzubinden. Der Energiewandel in Europa kann nur Erfolg haben, wenn die Menschen dadurch gestärkt werden. „Energiegemeinschaften sind wichtig, weil Sie die Bürgerinnen und Bürger direkt in den Energiewandel einbinden“, so die Koordinatorin des EU-finanzierte Projekts NEWCOMERS Nicolien van der Grijp. Sie erforscht Umweltpolitik am Institut für Umweltforschung der VU Amsterdam in den Niederlanden. „Energiegemeinschaften haben das Potenzial, die Energiewende in Europa sozialer und gerechter zu gestalten“, fügte sie hinzu. Da Energiegemeinschaften Bürgerinitiativen sind, regen sie zu weiteren bürgergesteuerten Energiemaßnahmen an und erleichtern es Bürgerinnen und Bürgern, sich aktiv an dem Wandel der Energiesysteme zu beteiligen. Sie tragen zur öffentlichen Akzeptanz erneuerbarer Energieprojekte bei, sodass sie auf lange Sicht die Energieeffizienz steigern und die Stromrechnungen senken.

Von Schuldächern bis hin zu Gemeinschaftswindparks

Die meisten Energiegemeinschaften erzeugen erneuerbare Energie. Die Initiativen nehmen verschiedenste Gestalten an, von Sonnenkollektoren auf Schuldächern bis hin zu Windkraftanlagen von Genossenschaften. „Einige Energiegemeinschaften haben konkrete Programme entwickelt, die marginalisierten Gruppen und Menschen, welche in Energiearmut leben, zugutekommen sollen“, fügte van der Grijp hinzu. Beispiele dafür sind Energieberaterinnen und -berater, die Ratschläge zur kostengünstigen Dämmung von Häusern geben sowie günstige Mietprogramme für Solarmodule und energieeffiziente Haushaltsgeräte.“ Angesichts der aktuellen Energiekrise ist es umso dringlicher, dass die Bürgerinnen und Bürger die Energiewende mittragen. Der Ehrgeiz der EU, was Energiegemeinschaften angeht, ist entsprechend hoch, was sich in einer Politik widerspiegelt, die auf eine Ausweitung und Beschleunigung der erneuerbaren Energieerzeugung abzielt – vom Europäischen Grünen Deal bis hin zum kürzlich ins Leben gerufenen RePowerEU-Plan. NEWCOMERS hob das politische Umfeld hervor, in dem Energiegemeinschaften gedeihen, und wies auf hemmende und stimulierende Faktoren hin. Dabei berücksichtigten die Projektforschenden die Unterschiede zwischen Ländern mit recht gut entwickelten Sektoren für Energiegemeinschaften und jenen, die diesbezüglich noch in der Anfangsphase sind.

Eine Lücke zwischen den Zielen und dem Bewusstsein

Eine Umfrage, die das Projekt in neun Ländern (in Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Polen, Schweden, Slowenien und im Vereinigten Königreich) durchführte, offenbarte, dass das öffentliche Bewusstsein für dieses Thema zu wünschen übrig ließ. Beispielsweise hatten weniger als 10 % der Bürgerinnen und Bürger in Frankreich schon einmal von Energiegemeinschaften gehört. In den Niederlanden waren drei von zehn Personen solche Initiativen ein Begriff. Die Unterschiede zwischen den Ländern lassen sich auf mehrere Faktoren zurückführen, darunter bestehende Energieinfrastruktur, politische Vorlieben, Vorschriften und Richtlinien, soziokulturelle Faktoren, Wahrnehmung von Genossenschaften und weiteres mehr. „Im Allgemeinen sich saubere Energiegemeinschaften jedoch ein Nischenphänomen, das der allgemeinen Bevölkerung noch weitgehend unbekannt ist“, erklärte die Mitkoordinatorin Julia Blasch, Umweltökonomin am Institut für Umweltforschung. „Positiv stimmt mich die Wahrnehmung der europäischen Bürgerinnen und Bürger, dass Energiegemeinschaften für eine saubere Energiewende wichtig sind. Mehr als 80 % der Befragten hielten Energiegemeinschaften für ‚wichtig‘ oder ‚sehr wichtig‘ beim Übergang zu einem saubereren Energiesystem.“ In ihrem Streben zu ergründen, wie neue Arten von Energiegemeinschaften betrieben werden können und unter welchen regulatorischen, institutionellen und sozialen Rahmenbedingungen sie entstehen und gedeihen, offenbarte die Forschung die Notwendigkeit, dass die EU-Mitgliedsstaaten eine förderlichere Politik betreiben. Dazu gehören auch zweckmäßige rechtliche Definitionen, Subventionsprogramme zur Förderung solider Initiativen sowie Dienstleistungen, die eigens dafür bestimmt sind, die Bürgerinnen und Bürger beim Aufbau und Betrieb von Energiegemeinschaften zu unterstützen. „Alles fängt damit an, ein besseres Bewusstsein für die Vorteile von Energiegemeinschaften zu schaffen – in der Öffentlichkeit, Politik und bei lokalen sowie regionalen Behörden“, so Blasch. „Die Unterstützung letzterer ist oft unerlässlich, damit Energiegemeinschaften Erfolg haben können. Das hat unsere Forschung dazu ergeben, wie Energiegemeinschaften entstehen und betrieben werden.“ Um das Interesse und Bewusstsein unter den Bürgerinnen und Bürgern der EU zu stärken, hat NEWCOMERS eine neue Informationsquelle geschaffen: die Sensibilisierungsplattform Our-Energy.eu. Dort finden sich interaktive Präsentationen zur Forschung des Projekts sowie Informationen über Energiegemeinschaften. Van der Grijp fasst die Empfehlungen des Projekts an die Politik in drei Wörtern zusammen: anerkennen, priorisieren und vereinfachen. „Dies umfasst, die vielfältigen Vorteile anzuerkennen, welche Energiegemeinschaften ihren Mitgliedern und lokalen Gemeinschaften bieten, sie zu priorisieren, indem klare Definitionen vorgegeben werden und konkrete Unterstützung durch die Politik gewährt wird, sowie die bestehenden Gesetze zu vereinfachen, da komplexe Vorschriften und Bürokratie zu den größten Hürden zählen.“

Schlüsselbegriffe

NEWCOMERS, saubere Energie, Gemeinschaften, Bürger, erneuerbar, Umwelt

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