Weitreichendere Folgen des Bestäuberrückgangs
Bestäubende Insekten sind weltweit für viele Pflanzen lebenswichtig. Ihr Rückgang stellt eine große Bedrohung für die globale Ernährungssicherheit dar. Ihr Rückgang, der auf neuartige Weise überwacht wird, wirkt sich jedoch auch auf die Pflanzen aus, die in Bezug auf ihre Fortpflanzung auf sie angewiesen sind. Jüngste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die geringere Verfügbarkeit von Bestäubern die Zusammensetzung von Grünland verändern und weitreichendere ökologische Auswirkungen haben kann. „Pflanzen, die bei ihrer geschlechtlichen Fortpflanzung auf Bestäuber angewiesen sind, weisen meist einen geringeren Trockensubstanzgehalt und dünnere Blätter als windbestäubte Pflanzen wie etwa Gräser auf“, erklärt Yann Clough(öffnet in neuem Fenster), Ökologe an der Universität Lund. Viele dieser Pflanzen sind von einer höheren Insektenfraßrate betroffen, für Weidetiere wie Rinder oder Schafe schmackhafter und werden schneller zersetzt. „Das würde darauf hindeuten, dass eine geringere Verfügbarkeit von Bestäubern zu einer Verschiebung der Vegetation führt, die ein ‚langsameres‘ Ökosystem zur Folge haben könnte“, sagt Clough. Im Rahmen des vom Europäischen Forschungsrat(öffnet in neuem Fenster) finanzierten Projekts DrivenByPollinators(öffnet in neuem Fenster) versuchten Clough und sein Team, mehr über die potenziellen Auswirkungen des Bestäuberrückgangs auf Wildpflanzen und Ökosysteme herauszufinden. Anhand einer Vielzahl von Experimenten auf natürlichen Weiden und in Käfigen auf einem eingesäten Versuchsgelände bewerteten die Forschenden die Veränderungen in den Pflanzengemeinschaften und die Auswirkungen auf andere Organismen.
Bewertung der Auswirkungen von Landnutzungsänderungen auf Bestäubergruppen
Die Forschenden stellten mithilfe von Modellen, die sich auf die gesammelten empirischen Daten stützen, eine Verbindung zwischen der landschaftsbezogenen Bodennutzung und der Verfügbarkeit verschiedener Bestäubergruppen her. Das Team nutzte zwei verschiedene experimentelle Ansätze, bei denen die Verfügbarkeit von Bestäubern für Pflanzengemeinschaften mit Käfigen und Netzen manipuliert wurde, um formell zu prüfen, ob eine geringere Verfügbarkeit von Bestäubern Veränderungen in der Zusammensetzung von Pflanzengemeinschaften und in Ökosystemprozessen bewirkt. „Die Analysen sind noch nicht abgeschlossen, aber die vorläufigen Ergebnisse lassen ahnen, dass die Auswirkungen einer geringeren Verfügbarkeit von Bestäubern auf Pflanzengemeinschaften stärker sind, als wir erwartet hatten, was sehr interessant ist“, berichtet Clough. Die Forschenden arbeiten noch daran, die Auswirkungen auf das Funktionieren von Ökosystemen zu verstehen, obwohl erste Anzeichen darauf hindeuten, dass einige Effekte eher vorübergehend sind, da die Pflanzen auf eine bestäuberarme Umgebung reagieren, während andere anhalten.
Informationen zum Thema Graslandbewirtschaftung
Die Arbeit ergänzt die jüngsten Forschungsergebnisse, die einen Rückgang der von Insekten bestäubten Pflanzen in Nord- und Nordwesteuropa anzeigen. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass neben Faktoren wie veränderter Bewirtschaftung und erhöhtem Stickstoffeintrag in die Atmosphäre auch Veränderungen in der Verfügbarkeit von Bestäubern dazu beitragen können“, fügt Clough hinzu. Es besteht ein gewisses Spannungsverhältnis zwischen der Förderung der Pflanzenvielfalt durch eine höhere Beweidungsintensität und weniger Pflanzenkonkurrenz sowie der Förderung der Insektenvielfalt durch mehr Vegetation, die Insekten unterstützt. „Unsere Arbeit impliziert, dass die Sicherstellung von Ressourcen für Bestäuber auch zu weiter gefassten Naturschutz- und Wiederherstellungszielen beiträgt, die oft mit der Zusammensetzung der Vegetation verknüpft sind“, merkt Clough an. „Dies wird dazu beitragen, Bewirtschaftungsentscheidungen zu beeinflussen, beispielsweise hinsichtlich der Anpassung der Weideintensität in Naturschutzgebieten und anderen artenreichen Graslandschaften.“
Rolle von Bestäuber als Puffer für Bodennutzungsänderungen erforschen
Die Forschenden arbeiten weiter daran, die verschiedenen Stränge des Projekts miteinander zu verknüpfen, um zu einem umfassenden Verständnis ihrer Arbeit zu gelangen. In der Zwischenzeit nutzen sie die innerhalb des Projekts generierten einzigartigen Datensätze, um besser zu verstehen, wie sich die jährlichen Schwankungen in der Bodennutzung der Umgebung auf die Verfügbarkeit von Bestäubern und Pflanzen auswirken und ob Veränderungen in der Größe der Bestäubergemeinschaft dazu beitragen können, diese Auswirkungen abzuschwächen.