Das kulturelle Erbe durch wegweisende Lösungen aus der Kreislaufwirtschaft erhalten
Klimawandel, Umweltverschmutzung und Wetterextreme stellen eine zunehmende Bedrohung für historische Gebäude dar, die bisherigen Erhaltungskonzepte sind allerdings auf die Behebung von bereits eingetretenen Schäden ausgerichtet. Das Projekt SCORE(öffnet in neuem Fenster) durchbricht dieses Muster, indem es Grundsätze der Kreislaufwirtschaft, Klimamodellierung und Umweltverträglichkeitsprüfung in den Erhalt des kulturellen Erbes in Europa und Lateinamerika einbezieht. „SCORE fördert Präventivstrategien, die die physikalisch-chemischen und biologischen Prozesse mit Auswirkungen auf das Kulturerbe berücksichtigen, und Maßnahmen begünstigen, die mit den gegenwärtigen und zukünftigen Umweltbedingungen und den ursprünglichen Materialien besser vereinbar sind“, sagt Projektkoordinatorin Beatriz Menendez. Mit Unterstützung durch das Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmenprogramm(öffnet in neuem Fenster) vereinte das Projekt Fachleute aus den Bereichen Geschichtswissenschaft, Archäologie, Umweltwissenschaft und Ingenieurwesen, die mit Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen und anwendenden Sachverständigen in Nord- und Südeuropa, Kolumbien und Mexiko zusammenarbeiteten.
Die Umweltauswirkungen bei der Restaurierung reduzieren
Eine der wichtigsten Errungenschaften des Projekts war die Entwicklung und Erprobung nachhaltiger Erhaltungsmethoden, insbesondere von Restaurierungsmörteln mit einem geringeren ökologischen Fußabdruck. Diese Mörtel enthalten recycelte oder wiederverwendete Materialien wie zerkleinerte Ziegel, Glas oder Schalen aus der Lebensmittelindustrie für eine reduzierte Rohstoffgewinnung und Abfallentstehung. Mittels Lebenszyklusanalysetechniken bewies SCORE, dass die Bindemittelherstellung die Hauptquelle für CO2-Emissionen(öffnet in neuem Fenster) in Kalkmörteln darstellt. „Manche Bindemittel, wie etwa Luftkalk, können doppelt so hohe CO2-Emissionen verursachen wie andere, um beispielsweise hydraulischen Kalk zu nennen“, bemerkt Menendez. Neben der Materialauswahl hebt sie die wichtigen Auswirkungen des Transports hervor. Im Rahmen des Projekts wurde ein halbautomatisches Verfahren zur Entscheidungsunterstützung entwickelt, das hydraulischen Kalk und lokal beschaffte Materialien bevorzugt. SCORE untersuchte zudem die Verwendung von Nanomaterialien wie Zinkoxid und Stoffverbindungen auf Kalzium-Zink-Basis(öffnet in neuem Fenster), um die Wiederbesiedlung von Steinoberflächen mit Pilzen zu begrenzen. „Da diese Materialien zu nachhaltigeren Behandlungen beitragen, kann die Interventionshäufigkeit und folglich die chemische Belastung der Umwelt reduziert werden“, erklärt Menendez. Zur Bewertung künftiger Degradationsrisiken wandte das Team Dosis-Wirkungs-Funktionen an, die Umweltbedingungen wie Verschmutzung oder Feuchtigkeit mit dem Materialverfall in Verbindung setzen. Die Kombination mit Klimamodellen ermöglichte Abschätzungen zu Schadensrisiken durch Überschwemmungen, Dürren und andere Klimaextreme.
Von Maya-Städten zu einem dauerhaften Forschungsnetz
Der Ansatz von SCORE wurde anhand von Fallstudien auf der Halbinsel Yucatán erprobt, wo denkmalgeschützte Gebäude mit hoher Luftfeuchtigkeit, biologischem Wachstum und Klimastress konfrontiert sind. Chichén Itzá, eine der meistbesuchten archäologischen Stätten Mexikos und ein wichtiges politisches und kulturelles Zentrum der Maya-Welt im 10. Jahrhundert, war hierbei von ganz besonderer Bedeutung. „Chichén Itzá war die wichtigste Stadt im Norden Yucatáns, und dies spiegelt sich in ihrer beeindruckenden architektonischen Entwicklung wider“, erklärt Menendez. Sie betont, dass „die meisten Wände und Bilder von Chichén Itzá ursprünglich polychrom waren“, so dass Erhaltungsansätze gefragt sind, die mit den empfindlichen bemalten und gravierten Oberflächen vereinbar sind. Das Projekt widmete sich überdies dem Biosphärenreservat Calakmul, einer riesigen geschützten Landschaft, die tropischen Regenwald und archäologisches Erbe vereint. Die antike Stadt Calakmul, eines der einflussreichsten Zentren der klassischen Maya-Periode, beherbergt Hunderte von monumentalen Gebäuden und skulpturalen Stelen, von denen viele in den letzten Jahrzehnten restauriert worden sind. Neben den technischen Fortschritten ist das wichtigste Vermächtnis von SCORE das internationale Netz, das es geschaffen hat. „Das Ziel, dauerhafte Forschungskooperationen aufzubauen und das Forschungs- und Innovationspotenzial auf europäischer und globaler Ebene zu stärken, wurde erreicht“, lautet das Fazit von Menendez. Neue Initiativen wie Projekt CHARM werden diese Zusammenarbeit ausweiten und den nachhaltigen Erhalt des Kulturerbes weiter voranbringen.