Ein neues Verankerungssystem für schwimmende Offshore-Windkraftanlagen
Wenn die EU bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent der Welt werden möchte, muss sie ihren Anteil an erneuerbaren Energien – einschließlich der Windenergie – deutlich erhöhen. Vor allem die Offshore-Windkraft birgt das Potenzial als wichtige erneuerbare Energiequelle. Da die meisten europäischen Gewässer jedoch zu tief sind, um im Boden verankerte Windkraftanlagen zu installieren, haben sich schwimmende Windkraftanlagen zur bevorzugten Infrastruktur entwickelt. „Mit schwimmenden Offshore-Windkraftlösungen kann die Windenergie in Tiefseegebiete vordringen, die oft weiter von der Küste entfernt sind, so dass sich immense neue Gebiete und Märkte auftun, die der Offshore-Windenergie bisher verschlossen gewesen sind“, sagt Stephen Peare, Chief Financial Officer bei TFI Marine. Eine dieser Offshore-Windkraftlösungen ist SeaSpring, ein innovatives Verankerungssystem, das TFI Marine mit der Unterstützung durch EU-finanzierte Projekte wie FloTEC und FLOTANT entwickelt hat. „Diese Projekte ermöglichten es uns zwar, die Technologie zu validieren, ihren Nutzen zu bestätigen und sogar den Prototypen herzustellen und zu erproben, zur Markteinführung der Technologie waren jedoch weitere Entwicklungsarbeiten erforderlich“, merkt Peare an. Um diese Lücke zu schließen, konnte das Unternehmen erneut auf EU-Finanzmittel bauen.
Eine neue Verankerungs- und Überwachungslösung
In Zusammenarbeit mit der Betreibergesellschaft einer schwimmenden Windkraftanlagenplattform widmete sich TFI Marine zunächst der Entwicklung und Umsetzung einer detaillierten Simulation des neuen Systems. Nach der Abstimmung der Leistungsparameter machte sich das Unternehmen an die Entwicklung seines neuen Verankerungssystems – ein Prozess, der auch die Konstruktion einer SeaSpring-Komponente im kommerziellen Maßstab umfasste. Das Team lieferte auch neue Technologien zur Leistungsüberwachung der Lösung über die voraussichtliche Betriebslebensdauer von mehr als 25 Jahren.
Bereit für die Installation an einer schwimmenden Offshore-Windkraftanlage
In Zusammenarbeit mit vielen Interessengruppen für die Projektentwicklung bestätigte das Team von TFI Marine, dass die SeaSpring-Lösung bei einem 500-MW-Projekt zu durchschnittlichen Einsparungen von 100 Millionen Euro im Vergleich zu alternativen Verankerungskosten führt. Dies entspricht einer Senkung der Stromkosten um etwa 5-8 % – eine Ersparnis, die an die Kundschaft der Windkraftanlage weitergegeben wird. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse wurde die Lösung durch die DNV zertifiziert. „Dies ist ein großer Meilenstein, der unserer Kundschaft die Gewissheit gibt, dass unsere Produkte über ihre gesamte Nenn-Betriebslebensdauer hinweg von Nutzen sein werden“, so Peare. Nach der Erteilung der erforderlichen regulatorischen Genehmigungen ist die Verankerungslösung nun bereit für die Installation an einer schwimmenden Offshore-Windkraftanlage mit einer Leistung von 2,3 MW.
Ein innovatives Herstellungsverfahren
Zusätzlich zu der Verankerungstechnologie konnte TFI Marine im Rahmen des durch den Europäischen Innovationsrat(öffnet in neuem Fenster) finanzierten Projekts TfI SeaSprings ein neues Herstellungsverfahren entwickeln. Dadurch kann das Unternehmen nun die größten und dicksten Polymerteile der Welt per Spritzgussverfahren herstellen. „Ohne die finanzielle Unterstützung durch die EU hätten wir zwar eine tolle Idee gehabt, aber nicht die Mittel, um sie in dem erforderlichen Maßstab auf den Markt zu bringen“, erklärt Peare. Das Unternehmen hat eine Reihe von Patentanträgen für seine Herstellungslösungen gestellt.
Für die Annahme von Aufträgen bereit
Projekt TfI SeaSprings gab TFI Marine außerdem die Möglichkeit, Kontakte mit Herstellungsbetrieben schwimmender Offshore-Windkraftanlagen zu knüpfen. Durch die Präsentation der bisherigen Projektergebnisse und die Hervorhebung der zahlreichen Vorteile der SeaSpring-Lösung hat das Unternehmen die Tür zu mehreren möglichen Partnerschaften geöffnet. „Was als Idee begann, ist nun ein validiertes und zertifiziertes Produkt, das durch ein Herstellungsverfahren und eine Lieferkette gestützt wird, die der interessierten Kundschaft eine kostensparende Verankerungslösung bereitstellen kann“, lautet das Fazit von Peare.