Hirnverletzungen bei Frühgeborenen besser behandeln
Die letzten Wochen der Schwangerschaft sind eine Zeit der raschen Veränderung und Entwicklung, in der der Fötus schneller als zu jedem anderen Zeitpunkt der Schwangerschaft wächst. Aber bei den über fünfzehn Millionen Babys, die Jahr für Jahr zu früh geboren werden, wird diese kritische Phase der Schwangerschaft entweder verkürzt oder findet überhaupt nicht statt. Infolgedessen sind Frühgeborene lebenslang mit potenziellen Gesundheits- und Entwicklungsproblemen einschließlich eines erhöhten Hirnverletzungsrisikos konfrontiert. Die wissenschaftlich als Frühgeborenen-Enzephalopathie bezeichnete Schädigung des Gehirns bei Frühgeborenen wird mit einer höheren Rate an Autismus-Spektrum-Störung, Epilepsie und Zerebralparese in Verbindung gebracht. „Es gibt nicht nur keine Behandlungen, um Hirnschäden bei Frühgeborenen zu reparieren, sondern es fehlen auch die Instrumente, um das Ausmaß der Schädigung erst nach Tagen oder sogar Wochen nach der Geburt zu diagnostizieren“, sagt Pierre Gressens, Forscher an der französischen Forschungseinrichtung Institut national de la santé et de la recherche médicale(öffnet in neuem Fenster) (Inserm). Doch das könnte sich bald ändern, unter anderem dank der Arbeit, die im Rahmen des EU-finanzierten Projekts PREMSTEM(öffnet in neuem Fenster) geleistet wird. „Das Projekt PREMSTEM zielt darauf ab, eine wirksame und effiziente Methode zur Behandlung von Hirnverletzungen bei Frühgeborenen bereitzustellen“, fügt Gressens hinzu, der das Projekt koordiniert.
Hirnschäden bei Frühgeborenen mit Stammzelltherapie reparieren
Die Arbeit des Projekts PREMSTEM vereinte eine Gruppe weltweit führender europäischer und australischer Forscherinnen und Forscher mit Fachwissen in den Bereichen Neonatologie, Wirkstoffentwicklung und Hirnbildgebung, um die Diagnostik und Behandlung von Frühgeborenen-Enzephalopathie neu zu definieren. Im Mittelpunkt dieser Mission steht eine neue Stammzelltherapie, mit der Hirnschäden bei Frühgeborenen repariert werden können. Bei der vorgeschlagenen Behandlung kommen humane mesenchymale Stammzellen zum Einsatz, in der Nabelschnur vorkommende Stammzellen. „Unser Wunsch war, das regenerative Potenzial humaner mesenchymaler Stammzellen bei Frühgeborenen-Enzephalopathie zu bestimmen“, erklärt Gressens. Zu diesem Zweck verwendete die Forschungsgruppe mehrere, einander ergänzende Tiermodelle, die mehrere wichtige ätiologische Aspekte der Frühgeborenen-Enzephalopathie nachahmen. Außerdem erkundete sie in vitro die neuroprotektiven Mechanismen humaner mesenchymaler Stammzellen. Sie fand heraus, dass die intranasale, verzögerte Verabreichung von humanen mesenchymalen Stammzellen eine sehr signifikante Neuroprotektion gegen Frühgeborenen-Enzephalopathie bewirken kann. „Da uns Biomarker fehlen, verabreichen wir manchmal Therapien an Frühgeborene, die nicht notwendig sind, was sich toxisch auswirken könnte“, erläutert Gressens. „Das Hinauszögern der Intervention trägt diesem Risiko Rechnung.“
Bessere Zukunft für frühgeborene Babys
Neben der Behandlung wurden im Rahmen des Projekts außerdem kosteneffiziente, einfach anwendbare bildgebende Verfahren entwickelt, mit denen das klinischer Personal Frühgeborenen-Hirnschäden zum Zeitpunkt der Geburt schnell erkennen kann. „Durch die Bereitstellung der Mittel zur raschen Diagnostik und Behandlung von Frühgeborenen-Enzephalopathie tragen die Erkenntnisse von PREMSTEM dazu bei, frühgeborenen Babys und ihren Familien eine bessere Zukunft versprechen zu können“, erklärt Gressens abschließend. Das Projektteam hat außerdem eine Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten(öffnet in neuem Fenster) über seine Forschung veröffentlicht.