Transparente, ethisch vertretbare KI-Instrumente bringen Sinn in enorme und heterogene Datenmengen
Kriminelle Handlungen haben sich heute grundlegend verändert – sie sind digital, überschreiten Grenzen und hinterlassen riesige Informationsspuren. Moderne Ermittlungen stützen sich nicht mehr ausschließlich auf physische Beweismittel. Stattdessen muss die Polizei routinemäßig bergeweise heterogene Daten durchforsten, darunter Inhalte aus dem Dark Web, Cyber-Protokolle, Bilder aus Überwachungskameras und Standortdaten. Um diesen Bedrohungen weiterhin wirksam begegnen zu können, sind Strafverfolgungsbehörden zunehmend auf künstliche Intelligenz (KI) angewiesen, um Daten in einem Umfang und mit einer Geschwindigkeit zu verarbeiten, die Menschen allein nicht schaffen. Das EU-finanzierte Projekt STARLIGHT(öffnet in neuem Fenster) wurde ins Leben gerufen, um die europäische strategische KI-Autonomie für die Strafverfolgung zu stärken und somit auf dem gesamten Kontinent die strafrechtliche Ermittlungstätigkeit sowie die Cybersicherheit zu verbessern.
Warum digitale Beweismittel schwer zu analysieren sind
„Die Übertragung von KI aus dem Labor in die praktische Polizeiarbeit stellt jedoch eine Herausforderung dar“, erklärt Cédric Gouy-Pailler, Mitglied des technischen Verwaltungsausschusses. „KI-Instrumente, die im Labor hervorragende Ergebnisse liefern, lassen sich oft nicht in reale Ermittlungsabläufe und die strengen Regeln für Rechtsbeweise integrieren. Zudem müssen sich die Strafverfolgungsbehörden in einem Dschungel aus gesetzlichen Verordnungen zum Datenschutz, zur Erstellung von Täterprofilen zurechtfinden und sich mit der Frage auseinandersetzen, ob digitale Beweismittel vor Gericht Bestand haben werden.“ Hinzu kommt die ernstzunehmende Gefahr algorithmischer Diskriminierung, da sich Verzerrungen bei der Datenerhebung, beim Modelltraining oder bei der Softwareentwicklung leicht in KI-Systeme einschleichen können. Entscheidend ist, dass KI-Systeme für Strafverfolgungsdaten vor Manipulation durch Hacking und Cyberangriffen geschützt werden müssen.
KI-Ethik und Datenmanagement
Um diese Hindernisse zu überwinden, organisierte das Team von STARLIGHT iterative Zyklen der gemeinsamen Entwicklung, Workshops und Technologie-ToolFests. Im Rahmen dieser Aktivitäten kamen Strafverfolgungsbehörden, Forschungsgruppen, Partner aus der Industrie sowie Fachleute für Rechts- und Ethikfragen zusammen, um praktische Instrumente zu erarbeiten. Die technischen Teams mussten nicht selbst herausfinden, wie die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden könnten. Stattdessen wurde im Zuge von STARLIGHT die rechtliche Landschaft vereinfacht, indem für die gesamte Technologieentwicklung das Rahmenwerk Grundsätze der Rechenschaftspflicht für künstliche Intelligenz(öffnet in neuem Fenster) verbindlich vorgeschrieben wurde. Dadurch wurde sichergestellt, dass die Werkzeuge den Anforderungen der EU-Verordnung über künstliche Intelligenz entsprachen, und es wurde demonstriert, dass sie in den Bereichen Polizeiarbeit, Sicherheit und Justiz als vertrauenswürdig gelten können. Das Konsortium verfolgte einen Ansatz mit „integrierter Ethik“ und bekämpfte Verzerrungen mithilfe von technischen Maßnahmen und Kontrollen durch den Menschen. Dazu gehörten die Verwendung repräsentativer Datensätze, die Überarbeitung von Code-Metriken und Personalschulungen, um Verständnis für die Grenzen von KI zu erzeugen.
Operative KI-Werkzeuge für polizeiliche Untersuchungen
Das Team von STARLIGHT hat mehr als 70 KI-Instrumente entwickelt und optimiert, die speziell auf die Bedürfnisse der Strafverfolgungsbehörden zugeschnitten sind. „Anstatt ein einzelnes Softwaresystem zu auszuarbeiten, hat das Team von STARLIGHT eine breite Palette von Lösungen bereitgestellt, mit denen digitale Beweismittel über eine nachverfolgbare Beweiskette gesichert werden“, erklärt Nizar Touleimat, Projektkoordinator von STARLIGHT. „Dieses Ökosystem umfasst Werkzeuge, die Onlinequellen aufspüren, Bedrohungsinformationen sammeln und öffentliche Räume schützen, sodass Ermittelnde verborgene Hinweise in riesigen Mengen an Text-, Bild- und Videodaten miteinander verknüpfen können.“ Unter anderem sammelt und klassifiziert der Dark Web Monitor automatisch illegale Inhalte und filtert die Daten, sodass sich die Analystinnen und Analysten auf kritische Bedrohungen konzentrieren können, wobei Fachleute die Kontrolle behalten, wenn sich die KI unsicher ist. Für Teams der digitalen Forensik, die sich mit Festplatten befassen, auf denen Spuren digitaler Aktivitäten zu finden sind, scannt der Cyber Pattern Investigator Protokolle mithilfe von Mustererkennung und KI-gestützter Clusteranalyse, um verborgene Aktivitäten aufzudecken und erklärbare visuelle Berichte zu erstellen. Weitere taktische Lösungen umfassen Instrumente zum Durchsuchen von Bildarchiven, zur Bereinigung wichtiger Audioaufnahmen und zur Analyse komplexer Geolokalisierungsdaten, um verdächtige Bewegungen zu kartieren und vorherzusagen. „Mit STARLIGHT wurde die Art und Weise verändert, wie die europäische Polizei KI entwirft und einsetzt. Anstatt lediglich Werkzeuge und Datensätze zu erstellen, wurde ein sicheres, rechtsgültiges und menschenzentriertes Modell für den Einsatz von KI in der Strafverfolgung erschaffen. Das eigentliche Vermächtnis besteht darin, die Polizei mit Behörden wie Europol zu vernetzen, um zu gewährleisten, dass diese Instrumente auch in den kommenden Jahren europaweit erfolgreich zum Einsatz kommen werden“, schließt Gouy-Pailler.