Krankheitsausbrüche auf Fahrgastschiffen: wie Prävention und Eindämmung wirkungsvoll gelingen
Durch die COVID-19-Pandemie wurden gravierende Schwächen in der Art und Weise offengelegt, wie auf Passagierschiffen Ausbrüche erkannt werden und inwieweit eine Vorbereitung auf gesundheitliche Notfälle erfolgt. Nun wurde die Notwendigkeit verstärkter Gesundheitsmaßnahmen zum Schutz von Passagierinnen und Passagieren, Schiffspersonal, lokalen Gemeinschaften und der maritimen Wirtschaft hervorgehoben.
Fahrgastschiffe auf gesünderen Kurs bringen
Mit dem EU-finanzierten Projekt HEALTHY SAILING(öffnet in neuem Fenster) wurde auf die Nachfrage nach einem umfassenden Ansatz zur Prävention, Erkennung und Bekämpfung bekannter, erwarteter und neu auftretender Infektionskrankheiten auf Kreuzfahrtschiffen, Fahrgastfährschiffen und Expeditionsfahrgastschiffen reagiert. „Mit der Stärkung der Prävention, Eindämmung und des Managements von Infektionskrankheiten verfolgten wir das Ziel, sichereres Reisen zu unterstützen, die öffentliche Gesundheit zu schützen und die Resilienz des Fahrgastschiffsbetriebs in Bezug auf zukünftige routinemäßige Ereignisse im Bereich der öffentlichen Gesundheit und Notfälle zu verbessern“, erklärt Projektkoordinator Christos Hadjichristodoulou, Professor für Hygiene und Epidemiologie an der Universität Thessalien, Griechenland. „Damit wird zur Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Fahrgastschifffahrtssektors beigetragen.“
Sicherere Meere dank Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis
Das Team des Projekts HEALTHY SAILING schuf eine solide faktengesicherte Grundlage, um besser zu verstehen, wie sich Infektionskrankheiten auf Fahrgastschiffen ausbreiten, welche Faktoren das Risiko erhöhen und wie wirksam Präventions- und Kontrollmaßnahmen sind. Gleichzeitig wurden die Vorsorge und Reaktion unterstützende digitale Lösungen bereitgestellt. Der integrierte Prototyp des elektronischen Überwachungssystems vereint die Echtzeitüberwachung von Symptomen, Labortestergebnissen und Umweltdaten, um frühzeitig Gesundheitsgefahren an Bord zu erkennen. Ergänzt wird dies durch einen KI-basierten Prototyp, der die gesundheitsbezogene Entscheidungsfindung unterstützt. Es werden mehrere Datenquellen analysiert, potenzielle Gefahren für die öffentliche Gesundheit an Bord ermittelt, Warnmeldungen generiert und je nach Ausmaß des Ausbruchs geeignete Kontrollmaßnahmen empfohlen. Mit einem KI-gestützten Werkzeug zur Wassersicherheitsplanung wird das risikobasierte Management von Bordwassersystemen gestärkt und zur Vorbeugung von durch Wasser übertragenen Krankheiten beigetragen. Diese Instrumente wurden mit Erfolg auf realen Fahrgastschiffen erprobt und validiert. Die Projektpartner arbeiteten eng mit Fahrgastschifffahrtsunternehmen zusammen, um zu erkunden, wie die Werkzeuge am besten eingeführt werden können. Um den Gesundheitsschutz in der Fahrgastschifffahrt weiter zu optimieren, entwickelte das Team von HEALTHY SAILING ein integriertes E-Pass-System, mit dem demonstriert wird, wie tragbare digitale Technologie eine sicherere und effizientere Passagierbewegung einschließlich Ein- und Ausschiffung, Steuerung von Menschenmengen und Kontaktnachverfolgung bei Ereignissen im Bereich der öffentlichen Gesundheit unterstützen kann. Ein Werkzeugkasten dient der Erhöhung von Effektivität und Konsistenz der Oberflächenreinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen auf Fahrgastschiffen. Er kombiniert genormte Arbeitsabläufe, Personalschulungen, Überwachungsinstrumente und Mechanismen zur kontinuierlichen Verbesserung in sich, um die Infektionsprävention zu unterstützen. Das Projektteam ermittelte praktische Strategien zur Reduzierung der Infektionsrisiken und hob dabei die Bedeutung einer ausreichenden Belüftung, einer effektiven Luftverteilung und des gezielten Einsatzes von Luftreinigungstechnologien hervor. Die gewonnenen Erkenntnisse flossen in die Leitlinien ein, darunter Richtlinien für medizinische Einsätze auf Expeditionsfahrgastschiffen, Impfempfehlungen für Passagierinnen, Passagiere und Schiffsbesatzung sowie Hinweise zur Prävention und Behandlung akuter Atemwegsinfektionen. Empfehlungen zur Belüftung und zu anderen Minderungsmaßnahmen werden dazu beitragen, das Risiko der Übertragung von aerogenen Krankheiten auf Fahrgastschiffen zu verringern. Die aus HEALTHY SAILING abgeleiteten Leitlinien und Überlegungen werden der Europäischen Kommission, der Weltgesundheitsorganisation und der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation zur Verfügung gestellt. Im Rahmen des Projekts wurde außerdem ein mit gemischtem Lernen und erweiterter Realität ausgestattetes Trainingsökosystem entwickelt, das zugängliche und praxisnahe Weiterbildungsressourcen für Schiffspersonal, Offizierscrew und Fahrgäste bietet.
Auf koordiniertes Notfallmanagement kommt es an
Als im Mai 2026 ein niederländisches Expeditionskreuzfahrtschiff im Atlantik von einem Hantavirus-Ausbruch heimgesucht wurde, gerieten Passagierinnen, Passagiere und Besatzungsmitglieder aus über zwanzig Ländern in eine internationale Gesundheitskrise. Öffentliche Gesundheitsbehörden und Interessengruppen des Sektors nutzten die HEALTHY SAILING-Richtlinien und -Empfehlungen, um die Bedrohung effektiv zu meistern. „Dieser Vorfall unterstreicht das Potenzial von HEALTHY SAILING, zu einem besser koordinierten, evidenzbasierten und effektiveren Umgang mit zukünftigen Gesundheitsgefahren im Seeverkehr beizutragen“, schließt Hadjichristodoulou.