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Mapping and Matching Content Diversity and Bias in EU Online Social Networks

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Die App, die Europas politischen Online-Diskurs abbildet

Eine neuartige App wirft einen Blick hinter die Kulissen der modernen politischen Kommunikation, wobei beobachtet sowie analysiert wird, was politisch Aktive und ihre Followerschaft online mitteilen.

Der Einfluss des Internets auf EU-Governance und Demokratie dürfte unbestritten sein. Es erleichtert die Erbringung öffentlicher Dienstleistungen und offeriert gleichzeitig neue Wege, sich politisch zu engagieren und an Informationen zu gelangen. Dennoch birgt diese Entwicklung sowohl Herausforderungen als auch Chancen. „Während über das Internet Anhängerinnen und Anhänger mobilisiert werden, geben Online-Aktivitäten, wie sie beispielsweise bei den jüngsten Wahlen zu beobachten waren, Anlass zur Sorge“, erläutert Marina Costa Lobo(öffnet in neuem Fenster), Projektkoordinatorin von PolarScopEU(öffnet in neuem Fenster). „Forschungsergebnisse belegen eine zunehmende ideologische Polarisierung, Echokammern und die Verbreitung von Fehlinformation, was eine stärkere politische Spaltung nach sich zieht.“ Um die Qualität der politischen Online-Kommunikation zu verbessern, hat das Team des vom Europäischen Forschungsrat(öffnet in neuem Fenster) finanzierten Projekts PolarScopEU eine „bahnbrechende“ App entwickelt, die das politische und mediale Umfeld in jedem EU-Land abbildet. „Wir hoffen, dazu beitragen zu können, ausgewogenere, transparentere, aufgeschlossenere und fundiertere politische Online-Diskussionen zu fördern und auf diese Weise die Qualität unserer Demokratie zu verbessern“, fügt Costa Lobo vom Institut für Sozialwissenschaften(öffnet in neuem Fenster) in Portugal hinzu, an dem das Projekt angesiedelt ist.

Gestützt auf Inhaltsanalyse und automatisierte Textanalyse

Ursprünglich war geplant, das innerhalb des Projekts MAPLE entwickelte rechnergestützte Rahmenwerk zu erweitern; Änderungen bei Twitter sowie das Aufkommen von maschinellem Lernen und Deep Learning führten jedoch zu einer Neuausrichtung des Ansatzes von PolarScopEU. Infolgedessen wurden zwei Arbeitsstränge(öffnet in neuem Fenster) entwickelt: die Social-Media-Analyse von Bluesky-Inhalten, aus der Bias Plot und Ähnlichkeitstabellen hervorgingen, sowie die Analyse der Politisierung in der EU unter Einsatz der Kodierungsrahmenwerke und Daten von MAPLE. Für das erste Produkt wurden Beiträge von bestimmten Nutzerkreisen und Netzwerken gesammelt und anschließend in automatisierte Textanalysewerkzeuge eingespeist, um Themen, Stimmungen und Erwähnungen der EU zu ermitteln. Die Themenerfassung stützte sich auf ein Sprachmodell von Polexlab(öffnet in neuem Fenster), das speziell darauf abgestimmt wurde, 21 politische Themen aus dem Comparative Agendas Project zu erkennen, während Stimmungen mithilfe eines anderen bereits vorhandenen mehrsprachigen cardiffnlp/twitter-xlm-roberta-base-sentiment-Modells ermittelt wurden. Bezugnahmen auf die EU wurden mit dem mehrsprachigen, regelbasierten Detektor von MAPLE identifiziert, der auf der Suche nach Schlüsselwörtern und Abkürzungen beruhte. Die aggregierten Daten wurden anschließend zur Bewertung der Themenvielfalt, des Tons und der Ähnlichkeit zwischen den Konten herangezogen und mithilfe von Bias Plot visualisiert. Für das zweite Produkt zur EU-Politisierung schuf das Team von PolarScopEU ein automatisiertes Kodierungsframework. Dabei wurden die vorhergehend erwähnte regelbasierte EU-Schlüsselworterkennung mit feinabgestimmten Klassifikatoren kombiniert, die erfassen, wann die EU im Mittelpunkt des Textes steht, und anschließend relevante Werte zu Themen wie etwa Konflikten zwischen Akteuren zuweisen. „Im Vergleich zu den existierenden Studien bieten wir eine detailliertere Analyse der EU-Politisierung einschließlich der Identifizierung der jeweils diskutierten EU-Dimension – Mitgliedschaft, Verfassungsstruktur, EU-Politik usw.“, erklärt Projektforscher Tiago Casal da Silva. Zur Vervollkommnung der Modellierung wurden die Schwellenwerte für die Themenerkennung manuell geprüft, da kurze Beiträge in den sozialen Medien oft zu konservativen Vorhersagen führen, bei denen beispielsweise das Vorkommen politikbezogener Inhalte häufig zu wenig berücksichtigt wird. Anhand von Fallbeispielen wurde die Plausibilität der Kategorien bewertet, insbesondere dann, wenn Beiträge mehr als ein Thema betrafen. Das EU-Erkennungssystem wurde in mehreren Sprachen erprobt, wobei Unterstützung für sieben Sprachen implementiert wurde. Es wurde eine Trigger-Spalte hinzugefügt, die anzeigt, welches Schlüsselwort das EU-Flag aktiviert hat, was hilfreich dabei ist, falsch-positive Ergebnisse zu finden. „Das System eignet sich gut als deskriptives Forschungsinstrument, obwohl in den Tests deutlich wurde, wie wichtig eine sorgfältige Interpretation ist und dass eine angemessene Recheninfrastruktur erforderlich ist“, merkt Casal da Silva an. Beide Werkzeuge stehen in der kostenlosen, voll funktionsfähigen PolarScopEU-App(öffnet in neuem Fenster) zur Verfügung.

Für alle mit Interesse an EU-bezogener politischer Kommunikation

Die Werkzeuge von PolarScopEU sind bereits bei aktuellen Forschungsvorhaben im Einsatz, beispielsweise zur Analyse portugiesischer Medienartikel über die EU(öffnet in neuem Fenster), wobei auch politische Themen und der Ton der Artikel Berücksichtigung finden. In Hinsicht auf die Analyse besteht der nächste Schritt darin, die Sprachunterstützung zu erweitern, die aktuellen Modelle zu aktualisieren bzw. zu verfeinern und die Werkzeuge auf neue Fallstudien und vergleichende Kontexte anzuwenden. Auf technischer Seite ist geplant, die Handhabung lang andauernder Analysen zu verbessern, denn diese sind gegenwärtig durch Server- und Hardware-Einschränkungen begrenzt. „Wir sehen jedoch keinen klaren Endpunkt für diese App bzw. dieses Projekt. Wir fühlen uns der kontinuierlichen Weiterentwicklung verpflichtet“, fügt Costa Lobo hinzu.

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