Grippeimpfstoffe der nächsten Generation für die ganze Welt
Trotz jahrzehntelanger Impfprogramme verursacht die Grippe weltweit noch immer rund eine halbe Million Todesfälle pro Jahr. Saisonale Impfstoffe bieten oft nur mäßigen Schutz, insbesondere bei älteren Erwachsenen, während ihre Kosten sowie ihre Verfügbarkeit in vielen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen nach wie vor große Hindernisse darstellen. Das EU-finanzierte Projekt INDIGO(öffnet in neuem Fenster) hat sich zum Ziel gesetzt, diese Herausforderungen durch die Entwicklung von Grippeimpfstoffen der nächsten Generation anzugehen, die wirksamer, erschwinglicher und leichter zugänglich sind. Eines der Hauptziele bestand außerdem darin, die Vorsorge für künftige Pandemien zu stärken.
Ergänzende Strategien für bessere Impfstoffe
Im Rahmen des Projekts wurden zwei innovative Impfstoffkonzepte verfolgt, die auf unterschiedliche Bedürfnisse zugeschnitten sind. Das erste konzentrierte sich auf die Verbesserung der saisonalen Grippeimpfung durch die Kombination einer stark reduzierten Dosis eines handelsüblichen Impfstoffs mit LiteVax Adjuvant(öffnet in neuem Fenster) (LVA), einem neuartigen synthetischen Adjuvans, das zur Verstärkung der Immunantworten entwickelt wurde. Das zweite Konzept zielte darauf ab, die Vorsorge für künftige Influenza-Pandemien durch neu entwickelte virale Antigene, Adjuvanzien der nächsten Generation und eine nadelfreie intradermale Verabreichung zu verbessern. „INDIGO kombinierte mehrere sich ergänzende Innovationen mit dem Ziel, Impfstoffe zu entwickeln, die einen stärkeren Schutz bieten und gleichzeitig die Impfung erschwinglicher und einfacher zu verabreichen machen“, erklärt die Projektkoordinatorin Elly Van Riet. LVA erwies sich als eine der vielversprechendsten Innovationen des Projekts. Das vollständig synthetische Adjuvans lässt sich kostengünstig herstellen, ist nicht auf knappe Rohstoffe angewiesen und besitzt eine nachgewiesene Langzeitstabilität von mindestens fünf Jahren. Vor allem erwies es die Fähigkeit, die Immunantworten erheblich zu verstärken und gleichzeitig die benötigte Menge an Impfstoffantigen zu reduzieren.
Verbesserte Immunantworten
In Europa durchgeführte klinische Studien zeigten, dass die Kombination von LVA mit nur einem Fünftel der Standarddosis eines Grippeimpfstoffs Immunreaktionen(öffnet in neuem Fenster) hervorrief, die mit denen eines handelsüblichen Impfstoffs in voller Dosis ohne Adjuvans vergleichbar waren. „Der Ersatz eines Großteils des Impfstoffantigens durch das kostengünstige Adjuvans eröffnet die Möglichkeit, einen kostengünstigeren Impfstoff zu entwickeln, ohne den Immunschutz zu beeinträchtigen“, so Van Riet weiter. Bei älteren Erwachsenen, die oft weniger gut auf eine Grippeimpfung ansprechen, beobachtete das Team verbesserte Immunantworten, die denen jüngerer Personen nahekamen. Die Forschenden untersuchten zudem mithilfe fortschrittlicher Multi-Omics-Technologien die für diese Effekte verantwortlichen biologischen Mechanismen(öffnet in neuem Fenster). Die Analysen zeigten eine verstärkte Interferon-Signalübertragung, eine verbesserte Antigenpräsentation durch dendritische Zellen und eine stärkere Aktivierung von CD4+-T-Zellen und lieferten damit wertvolle Erkenntnisse darüber, wie das Adjuvans die schützende Immunität stärkt.
Aufbau globaler Vorsorge
Über die wissenschaftlichen Fortschritte hinaus brachte INDIGO Partner aus Europa, Indien und den Vereinigten Staaten zusammen. Das Konsortium schuf die Grundlagen für die klinische Entwicklung in Indien, einschließlich harmonisierter Herstellungsverfahren, Zulassungsverfahren und Labortests. Außerdem untersuchte es, wie innovative Impfstoffe den weltweiten Zugang verbessern könnten, sobald sie auf den Markt kommen, und erarbeitete rechtliche und regulatorische Empfehlungen für die EU und Indien, um eine breitere Verfügbarkeit von Impfstoffen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu unterstützen. Sozialwissenschaftliche Untersuchungen in Indien(öffnet in neuem Fenster) und den Niederlanden(öffnet in neuem Fenster) zeigte zudem, dass die Impfbereitschaft nicht nur von der Risikowahrnehmung abhängt, sondern auch von der Erschwinglichkeit und der lokalen Verfügbarkeit, wobei intradermale Pflastertechnologien besonders vielversprechend sind, um die Kosten in ressourcenarmen Gebieten zu senken. „Unsere größte Errungenschaft war der Aufbau einer wahrhaft transdisziplinären Partnerschaft, die in der Lage ist, Laborergebnisse in die klinische Entwicklung umzusetzen“, betont Van Riet. Der europäische Teil des Projekts ist nun abgeschlossen, während die klinische Entwicklung in Indien fortgesetzt wird. Die von INDIGO entwickelten Technologien könnten die Impfstoffherstellung in größerem Maßstab unterstützen, weltweit einen breiteren Zugang zu erschwinglichen Grippeimpfstoffen ermöglichen und die globale Vorsorge gegen künftige Pandemiedrohungen stärken.