Skip to main content
Weiter zur Homepage der Europäischen Kommission (öffnet in neuem Fenster)
Deutsch de
CORDIS - Forschungsergebnisse der EU
CORDIS

Article Category

Article available in the following languages:

EU-finanzierte Forscherin erhält den Balzanpreis 2026 für die „Sozialwissenschaft der digitalen Technologie“

Die Soziologin Elena Esposito hat den renommierten Balzanpreis 2026 für ihre bahnbrechende Arbeit zur Beteiligung von ver­ständ­nis­losen Algorithmen am sozialen Austausch gewonnen. Die Wissenschaftlerin wird die Hälfte ihres Preisgeldes zur Förderung der Nachwuchsforschung auf diesem wichtigen Gebiet verwenden.

Elena Esposito, Professorin an der Universität Bologna (Italien) und der Universität Bielefeld (Deutschland), wurde für die „Sozialwissenschaft der digitalen Technologie“ mit dem Balzanpreis 2026 ausgezeichnet. Ihre Auszeichnung basiert laut der aktuellen Pressemitteilung(öffnet in neuem Fenster) der Internationalen Stiftung Balzan auf ihrem „bahnbrechenden theoretischen Beitrag zur Sozialwissenschaft der digitalen Technologie“, der das gesellschaftliche Verständnis von KI grundlegend neu definiert. Im Mittelpunkt von Espositos Arbeit steht das Konzept der „künstlichen Kommunikation“, ein neuartiger Ansatz, der zeigt, dass Algorithmen am sozialen Austausch teilnehmen und menschliches Verhalten beeinflussen können, obwohl ihnen ein echtes Verständnis dafür fehlt. Ein weiterer Grund für die Auszeichnung war „die Schaffung eines rigorosen und innovativen Rahmens, der die Auseinandersetzung der Sozialwissenschaften mit künstlicher Intelligenz in allen Bereichen verändern könnte, in denen algorithmische Systeme zu aktiven Akteuren werden“. Die Balzan-Jury betonte zudem „ihr kontinuierliches empirisches Forschungsprogramm, in dem sie diese Erkenntnisse auf algorithmische Vorhersagen in den Bereichen Finanzen, Medizin und öffentliche Politik anwendet“.

Die gesellschaftlichen Folgen algorithmischer Vorhersagen

Espositos Forschung, die vom Europäischen Forschungsrat (ERC) durch eine Finanzhilfe für etablierte Forschung im Rahmen von Projekt PREDICT(öffnet in neuem Fenster) unterstützt wurde, untersucht, wie digitale Technologien und maschinelles Lernen die Art und Weise des gesellschaftlichen Umgangs mit Unsicherheiten und der Zukunft verändern. In der modernen Gesellschaft waren Unsicherheiten traditionell eine gemeinsame Ressource. Mit dem Aufkommen von Big Data und maschinellem Lernen geht jedoch die Vorstellung einher, dass diese Systeme solche Unsicherheiten beseitigen, da sie Vorhersagewerte für einzelne Personen und einzelne Ereignisse bereitstellen. Projekt PREDICT („The Future of Prediction: The Social Consequences of Algorithmic Forecast in Insurance, Medicine and Policing) untersucht die Folgen des Übergangs von probabilistischer Unsicherheit zu algorithmischen Vorhersagen in drei zentralen Bereichen. Der erste Bereich ist die Personenversicherung, in der individualisierte Vorhersagen das Prinzip der gegenseitigen Risikoteilung gefährden. Der zweite Bereich ist die Präzisionsmedizin, die vor der Herausforderung steht, algorithmische Verfahren mit etablierten statistischen Methoden zu kombinieren. Der dritte Bereich ist die prädiktive Polizeiarbeit, bei der das Streben nach Genauigkeit die Gefahr birgt, Verzerrungen zu verstärken und die Grenze zwischen Prävention und Repression zu verwischen. Durch die Analyse dieser Bereiche zeigt Espositos Arbeit auf, wie der Verlust gemeinsamer Unsicherheit die Gesellschaftsverträge, auf denen diese wesentlichen Institutionen beruhen, grundlegend verändert.

Investition in die nächste Generation der Wissenschaft

Der Balzanpreis, eine der renommiertesten internationalen Auszeichnungen für Wissenschaft und Kultur, ist mit einem Preisgeld von rund 800.000 Euro dotiert. Im Einklang mit dem Auftrag der Stiftung, Forschung ohne Grenzen zu fördern und die nächste Generation von Gelehrten zu unterstützen, ist Esposito zur Bereitstellung der Hälfte des Preisgeldes für Forschungsprojekte junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verpflichtet. Diese Verpflichtung stellt sicher, dass ihre bahnbrechende Arbeit auch weiterhin aufstrebende Talente in der Erforschung der digitalen Gesellschaft inspirieren und finanziell unterstützen wird. Die Preisträgerinnen und Preisträger für das Jahr 2026 wurden am 7. September in Mailand bekannt gegeben. Bei den Auswahlkriterien standen die wissenschaftliche Validität, aktuelle Relevanz und Interdisziplinarität im Vordergrund. Esposito reiht sich in eine angesehene Liste von 16 weiteren ERC-Stipendiatinnen und -Stipendiaten ein, denen diese Ehre bereits zuteilwurde. Die Preisverleihung findet am 19. November 2026 in Rom statt. Weitere Informationen: PREDICT-Projektwebsite(öffnet in neuem Fenster)