Optimierung der Maßnahmen bei schweren Störfällen in Atomanlagen
Im April 1986 gelangten bei einem Störfall im Atomkraftwerk Tschernobyl radioaktive Stoffe in die Atmosphäre. Allein an den unmittelbaren Folgen starben mehr als 30 Menschen, und in der Bevölkerung der Regionen war eine signifikante Zunahme mehrerer Krebsarten zu beobachten. Die Europäer sind auf Atomenergie angewiesen, da sie eine bedeutende Komponente der Energieversorgung bildet. Ihre Nutzung erfordert jedoch größte Sorgfalt, damit die menschliche Gesundheit nicht gefährdet und die Umwelt geschützt wird. Diese Herausforderung wird mit der Erweiterung der Europäischen Union noch größer. Viele der neuen Mitgliedstaaten, die früher zur Sowjetunion gehörten, betreiben noch Atomreaktoren älterer Technologie. Die Europäische Kommission finanziert verschiedene Forschungsarbeiten zur Verringerung der Risiken, die mit dem Betrieb von Atomreaktoren verbunden sind. Die daran beteiligten Projektpartner haben zunächst die Informationen zusammengetragen, die zur Abschätzung der Mengen von radioaktiven Substanzen benötigt werden, die von den verschiedenen auf dem europäischen Kontinent betriebenen Reaktortypen freigesetzt werden könnten. Nach diesen Vorarbeiten ging es im eigentlichen Projekt um die Beurteilung der Effizienz verschiedener Strategien zum Umgang mit schweren Störfällen (Severe Accident Management, SAM). Wie erwartet, erwiesen sich SAM-Maßnahmen eher zur Begrenzung der Freisetzung von weniger flüchtigen radioaktiven Substanzen als effektiveres Hilfsmittel. Positiv fiel auf, dass die Werte sowohl für flüchtige als auch für nichtflüchtige Substanzen typisch unter den allgemein anerkannten Schwellenwerten für eine Vielzahl von Störfallszenarien lagen. Eine wichtige Empfehlung, die aus dieser Studie resultiert, ist die Aufforderung zur Überarbeitung der gegenwärtigen SAM-Richtlinien. Individuelle Strategien heben sich in ihrer Wirkung zuweilen auf, so dass sie intelligent implementiert und koordiniert werden müssen, damit eine optimale Schadensbegrenzung gewährleistet ist. Sowohl internationale Gremien als auch nationale Behörden sollten den Ergebnissen dieser Arbeit Beachtung schenken. Wenn dies gewährleistet ist, wird Europa in der Lage sein, die Vorteile der Atomenergie gegenüber anderen Arten der Energieproduktion auch weiterhin zu nutzen und zugleich künftige Tschernobyls auszuschließen.