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Feature Stories - Von der Antike bis heute: Griechenlands großes wissenschaftliches Erbe

Vor mehr als zweieinhalb Jahrtausenden wollte Thales von Milet die physikalische Welt mit natürlichen Phänomenen erklären, nicht mit dem Übernatürlichen. Dies brachte ihm den Titel als Vater der Naturwissenschaft ein. Jahrhunderte später klassifizierten und benannten Aristoteles und sein Schüler Theophrastus Pflanzen und Tiere und schufen so die Grundlagen für die Botanik. Und Hippokrates gilt als der Vater der westlichen Medizin.

Digitale Wirtschaft

Die Beiträge dieser alten griechischen Denker und Visionäre haben sich zusammen mit denen vieler anderer, von Pythagoras bis Plinius, praktisch mit jedem Bereich der Wissenschaft befasst. Und auch Griechenlands Beitrag zu Politik und Regierungssystemen ist nicht weniger beeindruckend. Vielleicht ist es deshalb nicht verwunderlich, dass heute griechische Forscher, inmitten wirtschaftlicher und politischer Krisen in Europa, versuchen, diese beiden Traditionen zu verbinden. Verschiedene Arbeitsgruppen der Universität der Ägäis suchen nach Möglichkeiten, wie man mithilfe des Internets und sogenannter Web 2.0-Technologien politischen Entscheidungsträgern helfen kann, die Wünsche der Bürger und ihre Ansichten über die politische Agenda besser zu verstehen. Im Rahmen der Initiative Nomad (1), an der sich auch das griechische Parlament und zwei weitere griechische Partner beteiligen, bauen die Forscher Werkzeuge, um Blogs, soziale Netzwerke und Medien-Websites nach nutzergenerierten Inhalte zum Thema Politik zu durchsuchen. Mit leistungsfähigen analytischen Technologien und Abläufen werden die Crowdsourcing-Daten untersucht und automatisch den politischen Entscheidungsträgern zur Verfügung gestellt. Mit einem solchen genauen Überblick über die Wählermeinungen zu verschiedenen Themen, sollten die politischen Entscheidungsträger in der Lage sein, politische Ziele den Wünschen der Öffentlichkeit besser anzupassen. "Moderne Politiker könnten testen, erkennen und verstehen, wie die Bürger ihre eigene politische Agenda wahrnehmen, sie könnten Diskussionen und Beiträge im informellen Netz anregen, um hilfreiches Feedback für rasche (Re-)Aktionen zu sammeln", erklärt das Nomad-Team. "Auf diese Weise können Politiker eine stabile Rückkopplungsschleife zwischen Informationen aus dem Internet und der Festlegung ihrer politischen Agenda auf der Grundlage dieser Beiträge schaffen." Während Nomad sich darauf konzentriert, Politik mit Informationen über die öffentliche Meinung zu verbessern, sollen mit Padgets (2) die Methoden verbessert werden, mit denen politische Entscheidungsträger mit der Öffentlichkeit kommunizieren. Das ebenfalls von der Universität der Ägäis koordinierte Projekt hat auch Unternehmen wie Google im Vereinigten Königreich und das Fraunhofer-Institut in Deutschland mit an Bord. Diese Partner wollen ein System entwickeln, mit dem politische Vorschläge und Maßnahmen in Web-Anwendungen umgewandelt werden können. Diese sogenannten Politik-Gadgets oder "Padgets" sollen auf der Grundlage von Webinhalten und sozialen Aktivitäten politischen Entscheidungsträgern dabei helfen, einheitliche Multimedia-Botschaften über verschiedene Medien und neue Medienkanäle leicht zu verbreiten und direktes Feedback von den unterschiedlichsten Benutzern zu erhalten. Insgesamt will man damit eine effizientere direkte Kommunikation zwischen den politischen Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit ermöglichen. An der Nationalen Technischen Universität Athen steht ein anderes, für Regierungen und Gesellschaften auf der ganzen Welt wichtiges Thema im Mittelpunkt: Konfliktlösung. Das Team von Siren (3) nutzt neueste Fortschritte in den Bereichen "Serious Games", soziale Netzwerke, "Computational Intelligence" und emotionale Modellierung, um einzigartig motivierende und pädagogische Spiele zu entwickeln, mit denen Kinder lernen können, über Konflikte nachzudenken und mit ihnen umzugehen. Mithilfe der Siren-Software sollen Lehrer in ganz Europa in die Lage versetzt werden, einfach Konfliktszenarien zu entwickeln, die kulturellem Hintergrund, Alter und dem technisches Wissen ihrer Schüler entsprechen. Auf diese Weise sollen die Fähigkeiten zur Konfliktlösung von jungen Menschen und langfristig der Gesellschaft insgesamt verbessert werden. Während diese drei Projekte zumindest teilweise Griechenlands langjährigen Beitrag zu den Bereichen politische Systeme, öffentliche Ordnung und Regierungsformen widerspiegeln, stehen andere stärker in der wissenschaftlichen Tradition des Landes. In Anlehnung an Eratosthenes So beruft sich beispielsweise das Projekt Teleios (4), das von der National and Kapodistrian University Of Athens koordiniert wird, auf die Arbeit des Eratosthenes von Alexandria, des ersten Menschen, der den Erdumfang gemessen hat. Im Rahmen von Teleios geht es aber um viel mehr als Mathematik und Geographie. Im Mittelpunkt steht die immer dringlicher werdende Frage nach dem Umgang mit und der Nutzung von Erdbeobachtungsdaten: Jeden Tag schicken Satelliten Terabytes an Daten zu Organisationen wie der NASA und der ESA. An dem Projekt beteiligen sich auch das Nationale Observatorium von Athen sowie Partner aus Deutschland, Italien und den Niederlanden. Zusammen wollen sie die Infrastruktur für ein virtuelles Observatorium zur Erdbeobachtung aufbauen, so dass die Daten für verschiedene Anwendungen, von Klimaüberwachung bis zur Erkennung von Waldbränden, abgerufen, organisiert und effektiv eingesetzt werden können. Mit riesigen Datenmengen befasst sich auch das Projekt I-Search (5), das vom Centre for Research and Technology Hellas koordiniert wird und auch Google als Partner hat. Im Mittelpunkt dabei steht die Entwicklung einer Suchmaschine, die erstmals in der Lage ist, bestimmte Arten von Multimedia-Inhalten zu erfassen, von Text und zweidimensionalen Bildern bis hin zu Video, 3D-Inhalten sowie multimodalen Daten (etwa Mimik und Augenbewegungen) und Daten aus der realen Welt (beispielsweise Wetter- und Standortinformationen). Darüber hinaus soll die Suchmaschine auf der Grundlage eines einzigartigen "Rich Unified Content Description"-Systems auch einen sehr hohen Grad an Personalisierung aufweisen. Das Centre for Research and Technology Hellas ist auch an einem anderen weitreichenden EU-geförderten Projekt beteiligt: Die Forscher von Noptilus (6) arbeiten an der Entwicklung "autonomer Unterwasserfahrzeuge" (AUV). Das hier entwickelte und erprobte AUV soll völlig autonom arbeiten, also ganz ohne menschlichen Bediener auskommen können, wie es heute von den meisten Systemen erfordert wird. Die Noptilus-Prototypen sollen im Dauerbetrieb vor der Küste Portugals getestet werden und später für eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten wie Umweltüberwachung und Unterwasserkartierung geeignet sein. Das griechische Unternehmen Systema Technologies wiederum koordiniert eine weitere paneuropäische Initiative im Bereich der Robotikforschung, wenn auch mit sehr unterschiedlichen Zielen. Im Rahmen von Mobiserv (7) soll ein Serviceroboter entwickelt werden, der älteren Menschen für ein unabhängiges Leben, Sozialisation und Kommunikation unterstützen soll. Einer der wichtigsten Schwerpunkte der Initiative ist die Verwendung des Roboters für Gesundheitsdienstleistungen und Notfallunterstützung, indem die Vitalfunktionen der Nutzer und umweltbedingte Faktoren im Zusammenhang mit einer intelligenten Wohnumgebung überwacht werden. Derzeit wird das System in umfangreichen Feldversuchen mit Endnutzern getestet. "Diese Forschungsarbeit könnte langfristige Vorteile für die Unterstützung einer zunehmend älteren Bevölkerung haben. Wir müssen diese Systeme ganzheitlich betrachten, im Kontext des realen Lebens, und sicherstellen, dass die Unterstützung für ein unabhängiges Leben die Erwartungen der älteren Menschen und ein echtes Bedürfnis erfüllt", erklärt Dr. Praminda Caleb-Solly, Leiterin der Forschungen zur Nutzererfahrung. Mit Forschungen zu intelligenten Gebäuden befasst sich das Projekt Pebble (8). Unter der Leitung der Technischen Universität Kreta geht es hier um intelligentes Energiemanagement für Gebäude mit positiver Energiebilanz - das heißt es wird mehr Energie erzeugt als verbraucht. "Die Herangehensweise des Pebble-Systems zusammen mit dem Potential einer effektivsten und einheitlich Nutzung aller verfügbaren Ressourcen macht es zu einer IKT-gestützten 'Energieeffizienz-Plattform'", so das Projektteam. Der Ansatz zielt auf die Maximierung der Nettoenergie, die mit Gebäudeeigenen erneuerbaren Energiequellen produziert wird. Das System umfasst eine Kombination aus Sensoren, Simulationen der Wärmereaktion innerhalb des Gebäudes und hoch entwickelten Steuerungstools. Dem Projektteam zufolge könne das System "bei einer sinnvollen Installation von erneuerbaren Energiequellen zu erheblichen Energieeinsparungen beitragen, die das Ziel einer Reduzierung um 30% erreichen und sogar übertreffen würden". Die in diesem Artikel beschriebenen Projekte wurden finanziell innerhalb des Siebten Rahmenprogramms für Forschung (RP7) unterstützt. (1) Nomad: Policy Formulation and Validation through non moderated crowdsourcing (2) Padgets: Policy Gadgets Mashing Underlying Group Knowledge in Web 2.0 Media (3) Siren: Social games for conflIct REsolution based on natural iNteraction (4) Teleios: Virtual Observatory Infrastructure for Earth Observation Data (5) I-Search: A unified framework for multimodal content SEARCH (6) Noptilus: autoNomous, self-Learning, OPTImal and compLete Underwater Systems (7) Mobiserv: An integrated intelligent home environment for the provision of health, nutrition and mobility services to the elderly (8) Pebble: Positive-energy buildings thru better control decisions Nützliche Links - RP7 auf CORDIS - Nomad auf CORDIS - Padgets auf CORDIS - Siren auf CORDIS - Teleios auf CORDIS - I-Search auf CORDIS - Noptilus auf CORDIS - Mobiserv auf CORDIS - Pebble auf CORDIS Andere Links: - Website der Europäischen Kommission zur Digitalen Agenda