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A fast non-intrusive vapour detection system that rapidly identifies explosives in public areas

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Elektronischer Sprengstoffschnüffler spürt seltsam riechende Schuhe auf

Zunehmend strengere Sicherheitsmaßnahmen drängen Terroristen, sich neue Wege zu suchen, Sprengstoffe in Flugzeuge zu bringen. Dank der Innovation aus dem Projekt AirBrush sind Schuhe keine Option mehr.

SICHERHEIT

© Monkey Business Images, Shutterstock

Es war nur wenige Monate nach den schrecklichen Anschlägen auf das World Trade Centre. Am 22. Dezember 2001 steigt Richard Reid an Bord von American Airlines Flug 63 von Paris nach Miami. Es regnet und der Flug ist verspätet. Aber was zunächst ein Ärgernis für die Passagiere war, entpuppte sich als Segen: Reids Schuhe waren mit Plastiksprengstoff gefüllt und das regnerische Wetter verhinderte, dass sie detonierten und die 200 Passagiere an Bord töteten. Rauchgeruch alarmierte einen Passagier, Reid wurde überwältigt und verbüßt derzeit eine lebenslange Haftstrafe in den USA. Seit der Festnahme des berüchtigten „Schuhbombers“ hat sich die Situation an Flughäfen drastisch verändert. In den USA ist das Röntgen von Schuhen mittlerweile obligatorisch, die Flughäfen wurden sicherer, aber es gibt auch lange Schlangen und die Kosten für die Sicherheit sind beträchtlich gestiegen. „Die Menschen zu zwingen, barfuß an Bord zu gehen, wäre ungefähr so wie der Weg nach Canossa für Henry IV. Andererseits ist die derzeit genutzte Röntgentechnologie zum Durchleuchten von Schuhen mit ziemlich hohen Kosten verbunden. Wir haben hier zum einen die Sicherheit und zum anderen die Kostensenkung als die beiden Seiten derselben Münze“, sagt Yuri Udalov, Technischer Direktor und einer der Gründer von Eye on Air. Eye on Air erhielt 2018 Mittel von der EU für das Projekt AirBrush (A fast non-intrusive vapour detection system that rapidly identifies explosives in public areas). Das Ziel: Entwicklung und Kommerzialisierung einer „elektronischen Schnüffel“-Technologie auf Basis der Ionenmobilitätsspektrometrie (IMS). Diese Technologie wurde bei der Erkennung von Sprengstoffspuren schon erfolgreich eingesetzt, war aber für die Anwendung beim Scannen von Schuhen nicht empfindlich genug. „Unser Spektrometer unterscheidet sich wesentlich von vorhandenen Geräten. Anders als sonstige IMS-Geräte erkennt es Dämpfe statt Spuren von Sprengstoffen. Die Detektionsmodule haben einen Triftraum von 10 mm, eine Größenordnung weniger als herkömmliche Ionenmobilitätsspektrometer. Das Gerät kann in weniger als einer Millisekunde das komplette Ionenspektrum ohne Beeinträchtigung des Signals aufzeichnen und es erkennt explosive Massen von weniger als einem Pikogramm“, schwärmt Udalov. Das System Eye on Air funktioniert folgendermaßen: explosive Dämpfe werden eingefangen und in die Detektionseinheit eingeführt. Wenn die erwartete Konzentration energetischer Materialien gering ist, können die entnommenen Moleküle zunächst auf einem Vorkonzentrator gesammelt werden. Die Moleküle der Testprobe werden dann ionisiert. Diese Ionen driften in einem elektrischen Feld und landen auf einer Kollektorelektrode – einem Ionenstromdetektor. Die Drift der Ionen in einem neutralen Gasfluss unter dem Einfluss eines elektrischen Feldes ermöglicht es, Ionen auf der Grundlage Ihrer Mobilität zu separieren. „Schwere Ionen bewegen sich langsamer und erreichen deshalb die Kollektorelektrode später. Infolgedessen wird der Ionenstrom als Funktion der Zeit gemessen und das Spektrum der Ionen-Ankunftszeit kann ermittelt werden. AirBrush verfügt über eine umfassende Datenbank und kann bestimmte Sprengstoffe unter Verwendung der Sensoreinheit und durch Nachverfolgung der Ankunftszeit jedes Sprengstoffs identifizieren. Die Datenbank kann um die gewünschte Liste der vom Kunden bereitgestellten Zielmaterialien erweitert werden“, erklärt Udalov. Eye on Air hat bereits mehrere Bestellungen für das Gerät erhalten und ist davon überzeugt, dass AirBrush ab 2020 an Flughäfen zur Verfügung stehen wird. Eine interessante Option wäre laut Udalov eine Integration des Geräts in einem Sicherheitschleuse, an der Passagiere gleichzeitig mit Mikrowellen- oder Terahertz-Vollkörper-Scannern, Metalldetektoren und einer kundenspezifischen Version von AirBrush gescannt werden.

Schlüsselbegriffe

AirBrush, Dampfdetektionssystem, Ionenmobilitätsspektrometrie, Sprengstoff, Passagierkontrolle, Bombe, Flughafensicherheit, Terrorismus

Projektinformationen

ID Finanzhilfevereinbarung: 811977

Status

Laufendes Projekt

  • Startdatum

    1 April 2018

  • Enddatum

    31 März 2020

Finanziert unter:

H2020-EU.3.

H2020-EU.2.3.

H2020-EU.2.1.

  • Gesamtbudget:

    € 1 529 150

  • EU-Beitrag

    € 1 070 405

Koordiniert durch:

EYE ON AIR BV

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