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Retailer Market Power and Competition Policy

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Lockvogelpreise in der EU

Lockvogelpreisgestaltung ist eine aggressive Herangehensweise an die Preisbildung, bei der ein Geschäft ausgewählten Waren unter den Selbstkosten verschleudert, um Kunden anzuziehen. Gemäß der Lockvogelstrategie gleichen die Kunden die Verluste durch die hervorgehobene Ware bzw. angepriesenen Produkte mit zusätzlichen Käufen profitabler Waren mehr als aus.

Industrielle Technologien

Setzen Einzelhandelsunternehmen auf Lockvogelpreise, so locken sie den Kundenverkehr von den Geschäften der Konkurrenz weg. Große nationale Discount-Anbieter in der EU, die wegen Lockvogelpraktiken unter die Lupe genommen wurden, verteidigen diese Praxis. In Gerichtsverfahren behauptete man, dass einige Lockvogelpreisstrategien gleichfalls zur Zunahme illegale Geschäftspraktiken beigetragen haben, obgleich die Kläger hier nicht immer Recht bekamen. Die Gegner derartiger Preispraktiken argumentieren, dass diese Strategie im Grunde Raub sei. Sie sagen, dass die Strategie dazu entwickelt wurde, um letzten Endes große und kleine Konkurrenten aus dem Geschäft zu drängen. Das von der EU finanzierte Forschungsprojekt "Retailer market power and competition policy" (RETAIL) verglich die Lockvogelstrategie in zwei Gruppen. Die erste Gruppe umfasste große und kleine Einzelhändler; die zweite nur große Einzelhändler. Zwischen großen und kleinen Einzelhändlern scheint die Lockvogelpolitik eine ausbeuterische im Gegensatz zu einer ausschließenden Praxis sein. Im zweiten Szenario ist die Kapitalrendite der großen Einzelhändler durch die Mehrfacheinkäufer (Multi-Stop-Shopper) positiv, während der heftige Preiswettbewerb den Profit durch die Einmalkäufer (One-Stop-Shopper) gefährdet. Insgesamt betrachtet kann die Lockvogelpreisgestaltung den kleineren Einzelhändler in Gefahr bringen. Ein Verbot der Strategie würde die Situation der sozialen Absicherung des kleinen gegenüber dem großen Einzelhändler verbessern. Für Märkte, in denen die Einzelhändler ähnlich groß sind, ist das Verbot einer unter den Kosten liegenden Preisgestaltung nicht schädlich. Die Projektaktivitäten mündeten in zwei Arbeitspapieren. Die wissenschaftlichen Arbeiten haben die Titel "Retailer Market Power" (Marktmacht der Einzelhändler) und "Loss Leading and Cross-subsidization" (Lockvogelpreisgestaltung und Quersubventionierung). Die RETAIL-Erkenntnisse werden auch in American Economic Review veröffentlicht. Die für eine politische Entscheidungsfindung aufbereiteten Projektergebnisse bilden eine solide theoretische Grundlage für die EU.

Schlüsselbegriffe

Lockvogelpreisgestaltung, Preisbildung, profitable Güter, Einzelhandelsunternehmen, Kundenverkehr, Discounter, Einzelhändler, illegale Geschäftspraktiken, Marktmacht, Wettbewerbspolitik, Lockware, Kapitalrendite, soziale Absicherung, Quersubventionierung

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