Kommissare sprechen sich für Biokraftstoffe aus
Mit Hinweis auf die Bedeutung, die die Europäische Kommission den Biokraftstoffen zuspricht, wendete sich der Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso gemeinsam mit zwei Kommissaren an die Teilnehmer einer Konferenz, die am 5. Juli 2007 in Brüssel stattfand. Barroso erkannte an, dass die Biokraftstofferzeugung zu anderen Umweltproblemen führen könnte. Er war allerdings auch zuversichtlich, dass sich diese Situation vermeiden lasse und dass weitere Forschung zur Verbesserung der Herstellung führen werde. Peter Mandelson, EU-Kommissar für Außenhandel, sagte, Verbraucher würden nur für Biokraftstoffe bezahlen, wenn sie sicher seien, dass ihre Herstellung der Umwelt nicht an anderer Stelle schade. Und der EU-Kommissar für Energie, Andris Piebalgs, sprach über die Fortschritte, die im Hinblick auf die Biokraftstoffziele erreicht wurden. Barroso fasste das Interesse der Kommission an Biokraftstoffen zusammen: Energiesicherheit und Klimawandel. Laut der Internationalen Energiebehörde würde sich die globale Energienachfrage bis 2030 um 60% steigern, sollten die aktuellen Tendenzen anhalten. Gleichzeitig ändere sich das Klima und viele Wissenschaftler glauben, dass es zwischen Emissionen und Klimawandel eine Verbindung gäbe. Energieemissionen stellen Dreiviertel der Treibhausgasemissionen dar. "Wenn sie richtig eingesetzt werden, können Biokraftstoffe wichtige Vorteile bieten: sie können die Versorgungssicherheit der EU durch Diversifikation der Energiequellen stärken und gehören zu den wenigen praktischen Mitteln - zusammen mit energieeffizienteren Fahrzeugen und Hybriden - um die Treibhausgasemissionen im Verkehr zu reduzieren", sagte Barroso. Aber Wissenschaftler und Umweltaktivisten haben vermehrt darauf hingewiesen, dass die Erzeugung von Biokraftstoffen zu neuen Problemen wie Bodenerosion, Wassermangel, Veränderungen in der Biodiversität und Entwaldung führen kann. Zusätzlich sind manche Herstellungsverfahren für Biokraftstoffe nicht kohlenstoffneutral. "Wir dürfen keine Politik verfolgen, die Umweltprobleme einfach nur von einem Sektor auf den nächsten, von einem Kontinent auf den anderen verlagert. Wenn man die aktuellen Presseberichte liest, könnte einem für den Gedanken verziehen werden, dass Biokraftstoffe mehr Probleme verursachen als sie lösen. Meine Hoffnung ist es, dass diese Konferenz über alle Vor- und Nachteile debattieren wird, ohne Angst vor Favorisierung, während sie sich an konkrete Fakten hält und populistische Mythen vermeidet", sagte der Kommissionspräsident. Barroso ist jedoch zuversichtlich, dass "es möglich ist, die Biokraftstoffentwicklung so zu steuern, dass potenzieller Nutzen daraus gezogen werden kann, ohne dass neue Probleme hervorgerufen werden." Weitere Forschung würde helfen, die Herstellungsverfahren zu verbessern. Deshalb setze die Kommission Prioritäten auf Studien über Biokraftstoffe der zweiten Generation, industrielle Biotechnologie und Bioraffinerien. Barroso versicherte, dass die Europäische Kommission an der Spitze der internationalen Bemühungen stehen werde, um Nachhaltigkeit bei Herstellung und Verbrauch von Biokraftstoffen sicherzustellen. "Das bedeutet, dass ein strenger Nachhaltigkeitsmechanismus einzurichten ist, der einen neuen Markt für diese Produkte unterstützt", sagte er. Peter Mandelson nahm einige der Gedanken Barrosos zu Energiefragen wieder auf. Er warnte, dass Verbraucher die Erzeugung von Biokraftstoffen nicht tolerieren werden, wenn dies anderswo Schaden anrichte: "Die europäischen Bürger werden keinen Aufpreis für Biokraftstoffe zahlen, wenn das Ethanol in ihren Fahrzeugen auf nicht nachhaltige Weise durch systematisches Abbrennen der Felder nach der Ernte produziert wird. Oder wenn dies zulasten der Regenwälder geschieht." Mandelson betonte auch die Vorteile von Biokraftstoffen für die Entwicklungsländer, die häufig besser in der Lage sind als die Europäer, die richtigen Pflanzen anzubauen. Manche Entwicklungsländer haben freie landwirtschaftliche Kapazitäten und ein Klima- und Bodenprofil, das sich für energiereiche Biokraftstoffe eignet. Die Europäische Kommission hofft, dass die EU den Biokraftstoffanteil am europäischen Kraftstoffmarkt bis 2010 auf 5,75% anheben kann. 2006 betrug dieser Wert 1,5%. "Es sieht nicht so aus, als ob das Ziel von 2010 vollständig erreicht wird", sagte Andris Piebalgs. Aber das für 2010 angesetzte 10%-Ziel ist bindend. Die EU-Mitgliedstaaten müssen deshalb Anreize finden, um einen Beginn anzuregen. "Biokraftstoffe sind nicht das Allheilmittel für alle unsere Energieprobleme. Aber sie sind ein wichtiger Bestandteil unseres künftigen energiepolitischen Konzepts und eine Möglichkeit sicherzustellen, dass der Verkehrssektor seine Rolle bei unseren Bemühungen im Umgang mit der globalen Erwärmung und der Diversifikation der Kraftstoffressourcen voll ausspielt", schloss Piebalgs ab.