Skip to main content

Article Category

Nachrichten

Article available in the folowing languages:

"Stereotype threat" kann sich auf Studienleistungen auswirken

Spielt die Volkszugehörigkeit eine Rolle bei den Leistungen von Medizinstudenten im Vereinigten Königreich? Jüngste Forschungen vom Akademischen Zentrum für medizinische Ausbildung (Academic Centre for Medical Education, ACME) des University College London (UCL) beantworten di...

Spielt die Volkszugehörigkeit eine Rolle bei den Leistungen von Medizinstudenten im Vereinigten Königreich? Jüngste Forschungen vom Akademischen Zentrum für medizinische Ausbildung (Academic Centre for Medical Education, ACME) des University College London (UCL) beantworten diese Frage mit "Ja". Der Forschungsgruppe zufolge könnten die unterdurchschnittlichen Examensleistungen von Studenten ethnischer Minderheiten auf das Risiko zurückzuführen sein, negative Vorurteile für eine Gruppe, mit der man sich identifiziert, zu bestätigen. Die Forscher nennen dies "stereotype threat" (Bedrohung durch Stereotypen). Die Erkenntnisse wurden kürzlich im British Medical Journal veröffentlicht. Die Daten zeigen, dass rund ein Drittel der britischen Medizinstudenten ethnischen Minderheiten zugerechnet werden muss. Im Vergleich zu ihren weißen Kommilitonen, sagen die Forscher, wiesen diese Studenten unterdurchschnittliche Examensleistungen auf. Forscher aus Australien und den USA sind in den letzten Jahren zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Die jüngste, von UCL ACME geleitete Studie wurde von US-amerikanischen Forschungen angeregt, bei denen entdeckt wurde, dass afroamerikanische Universitätsstudenten in ihren Examen schlechtere Ergebnisse erzielen, weil sie sich darüber Sorgen machen, dass sie negative Vorurteile über die Fähigkeiten ihrer ethnischen Gruppe bestätigen. Forscher nennen dieses psychologische Phänomen "stereotype threat". Katherine Woolf, Doktorandin am UCL ACME und Leitautorin der Studie, sagte: "Das Problem der Anwendung des stereotype threat auf britische Medizinstudenten besteht darin, dass der Großteil der Studenten aus ethnischen Minderheiten hier aus Südasien kommt und man nicht genau weiß, ob negative Stereotypen über diese Gruppe existieren." Für diese Studie befragten die Forscher einen ethnischen Mix von Medizinstudenten in ihrem dritten Studienjahr und ihre Professoren und Dozenten. Auf der Grundlage der erzielten Ergebnisse berichteten die Forscher, dass negative Stereotypen über britische Medizinstudenten asiatischer Herkunft bestanden, sowohl bei den Lehrern, von denen der Großteil Ärzte sind, als auch bei den Medizinstudenten. Diese Studenten, so sagten sie, verließen sich zu sehr auf Buchwissen und seien im Unterricht extrem still. Man muss allerdings anmerken, dass das Forscherteam keine Hinweise auf direkte Diskriminierung gefunden hat. Frau Woolf bemerkte, dass der Zweck der Studie darin bestand zu bestimmen, ob negative Stereotypen über die Gruppe tatsächlich existieren. Sie wollte auch feststellen, ob die Bedrohung durch Stereotypen die Leistung der Studenten beeinflusst; ob dies "einer der Gründe ist, dass Studenten aus ethnischen Minderheiten im Vereinigten Königreich unterdurchschnittliche Leistungen zeigen", sagte sie. Kommt es zum "stereotype threat" aufgrund der negativen Vorurteile sowohl bei den Lehrern als auch bei den Studenten? Frau Woolf zufolge ist das möglich: "Wir konnten feststellen, dass sowohl Studenten als auch Lehrer die Studenten-Lehrer-Beziehung als wesentlichen Teil des Lernens sehen, aber dass manche Klinikdozenten das Unterrichten nicht mögen und sich vielleicht abweisend gegenüber Studenten verhalten könnten, von denen Sie den Eindruck haben, sie hätten 'negative' Eigenschaften (z.B stilles Verhalten im Unterricht)." "Studenten berichteten auch davon, dass sie nicht von lustlosen Lehrern oder einschüchternden Dozenten lernen könnten, was darauf schließen lässt, dass der Aufbau von negativen Stereotypen sich auf das Lernverhalten asiatischer Medizinstudenten auswirkt, weil dadurch ihre Lernbeziehung zu den Lehrern beeinflusst wird", erklärte die Doktorandin. Professorin Jane Dacre, Leiterin der Abteilung für Medizinische Ausbildung am UCL, sagte, die Ergebnisse zeigen, dass weitere Forschungen zu den Auswirkungen des "stereotype threat" an britischen medizinischen Fakultäten ebenso notwendig seien wie die "Stärkung positiver Lernbeziehungen zwischen allen Studenten und ihren Klinikdozenten".

Verwandte Artikel