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Europäische Studie enthüllt Genvarianten für Asthma

Eine EU-finanzierte Studie identifizierte mehrere Genvarianten, die das Risiko einer Asthmaerkrankung erhöhen und auf deren Grundlage schon bald neue Therapien entwickelt werden könnten. Das Projekt GABRIEL (A multidisciplinary study to identify the genetic and environmental c...

Eine EU-finanzierte Studie identifizierte mehrere Genvarianten, die das Risiko einer Asthmaerkrankung erhöhen und auf deren Grundlage schon bald neue Therapien entwickelt werden könnten. Das Projekt GABRIEL (A multidisciplinary study to identify the genetic and environmental causes of asthma in the European Community) wurde mit mehr als 11 Mio. EUR unter dem Themenbereich "Biowissenschaften, Genomik und Biotechnologie im Dienste der Gesundheit" des Sechsten Rahmenprogramms (RP6) finanziert, und die Ergebnisse der Studie sind jetzt im Fachblatt New England Journal of Medicine nachzulesen. Das Forscherteam unter Leitung von Wissenschaftlern des Imperial College London, Vereinigtes Königreich, analysierte 10.000 DNA-Proben von asthmakranken Kindern und Erwachsenen und verglich sie mit Proben von 16.000 gesunden Personen. An jeder Probe wurden 500.000 Gentests durchgeführt, wobei alle Gene des menschlichen Genoms untersucht wurden. Die Studie, an der sich 164 Wissenschaftler aus 19 europäischen Ländern sowie Australien und Kanada beteiligten, identifizierte 7 Genorte, an denen Abweichungen im genetischen Code das Asthmarisiko erhöhten. Von den weltweit 300 Millionen Asthmakranken leben 30 Millionen allein in Europa. Zwar sind die Auslöser der Erkrankung noch nicht hinreichend geklärt, allerdings seien genetische und umweltbedingte Faktoren wohl in etwa gleichem Maße beteiligt, vermuten die Forscher. Die neue Studie deutet nun darauf hin, dass Asthma eher als Auslöser für Allergien zu sehen ist statt umgekehrt, wie bislang angenommen. Zudem könne man anhand genetischer Tests kaum feststellen, ob ein Mensch irgendwann im Leben Asthma entwickelt oder nicht. Frühkindliches Asthma beispielsweise, das generell mehr Jungen als Mädchen betrifft und meist ein Leben lang vorhält, wurde bislang häufig mit der Entstehung von Allergien assoziiert und sogar als deren Folge in Betracht gezogen. Aus der Studie geht aber hervor, dass Gene, die für die Produktion allergieauslösender Antikörper zuständig sind, kaum die Entstehung von Asthma begünstigen. Die mit Asthma assoziierten neuen Genvarianten fanden sich in mehr als einem Drittel der asthmakranken Kinder, wobei die wichtigste dieser kindlichen Varianten keinen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko im Erwachsenenalter hatte. Asthma bei Erwachsenen hingegen wurde meist schwächer mit anderen genetischen Unterschieden assoziiert - die Vermutung nahe legend, dass es biologisch von frühkindlichem Asthma differiert. "Asthma gilt oft als eine Krankheit, unseren Genanalysen zufolge könnte frühkindliche Asthma jedoch andere biologische Ursachen haben als das Asthma bei Erwachsenen", erklärt einer der Koautoren der Studie, Professor David Strachan von der Medizinischen Fakultät St. George's, University of London. Die Forscher untersuchen nun, ob sich "die Ursachen von Asthma bei Menschen mit und ohne diese neu entdeckten Genvarianten unterscheiden." "Den Genanalysen zufolge könnten Allergien durchaus auf asthmabedingte Entzündungen der Atemwege zurückzuführen sein", meint hierzu Prof. Miriam Moffatt, Professor für Humangenetik am Imperial College London. "Damit ist nicht gesagt, dass Allergien keine Bedeutung haben. Therapien jedoch, die allein auf die Allergie abzielen, könnten sich bei der Bekämpfung von Asthma als wenig wirksam erweisen." Einige der identifizierten Gene spielen eine Rolle in Signalwegen, die dem körpereigenen Immunsystem mitteilen, wenn Entzündungen der Atemwege vorliegen. Andere Gene wiederum steuern, wie schnell der Heilungsprozess nach einer solchen Entzündung einsetzt. Sind diese Gene erst genauer identifiziert, könnte die Forschungsrichtung klar sein, um neue Therapien für Asthma zu entwickeln, so die Überzeugung der Forscher. Leider zeigt die Studie auch, dass die mit Asthma assoziierten Gene kaum Aufschluss liefern können, ob ein Kind Asthma entwickeln wird oder nicht, was wiederum darauf hindeutet, dass Umweltfaktoren ebenso als Ursachen in Frage kommen. Koautorin Prof. Erika von Mutius von der Universität München erläutert, dass das Forscherteam sich derzeit mit umweltbedingten Krankheitsursachen auseinandersetzt, "indem der starke schützende Effekt des Landlebens untersucht wird. Im nächsten Jahr wird GABRIEL die Ergebnisse von Studien über genetische und umweltbedingte Faktoren zusammenführen, und darauf sind wir wirklich gespannt."

Länder

Australien, Kanada

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