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„Therapeut im Taschenformat“ hilft bei psychischen Störungen

HYGGii ist ein „Freund“, der immer für eine Unterhaltung zu haben ist, aufmuntert oder psychotheraupeutische Hilfe anbietet.

Digitale Wirtschaft
Gesundheit

Stress, Depression, Konzentrationsschwäche oder Einsamkeit sind Faktoren, die für die rund 200 Millionen Menschen in Europa, die an einer psychischen Erkrankung oder Störung leiden, eine enorme Belastung darstellen. Mehr als 40 % aller psychischen Störungen bleiben jedoch unbehandelt, und mehr als die Hälfte wird falsch diagnostiziert. Jetzt entwickelte eine EU-finanzierte Forschergruppe, unterstützt durch die langjährige Expertise von Psychiatern und Psychologen, Apps und psychologische Unterstützung, die über eine innovative Ökosystem-Plattform für psychische Gesundheit per Smartphone zugänglich ist und individuelle Hilfe anbieten kann. „Die Smartphone-App präsentiert eine Palette an Programmen und soll Menschen mit psychischen Störungen helfen. So kann der Beginn einer Störung und die damit einhergehende Belastung für das Gesundheitswesen verhindert werden – und mitunter beträgt die Wartezeit auf einen Termin beim Therapeuten fünf bis sechs Monate“, erklärt Andrea Degen, Projektkoordinatorin von HYGGii und CEO des Instituts für psychische Gesundheit in Zürich, Schweiz. „Ersetzen kann die App eine persönliche Therapie allerdings nicht. Wir arbeiten präventiv in der Früherkennung, wenn der Patient bemerkt, dass etwas mit ihm „nicht stimmt“, und um eine Remission zu verhindern“, fügt sie hinzu. Das System entwirft einen individuellen Psychotherapieplan und empfiehlt therapeutische Lernspiele, die in der professionellen Therapie sorgfältig ausgewählt werden.

Online-Instrumente für Therapeuten

„Auf dem Markt existieren etwa 300 000 Apps für den Fall einer psychischen Erkrankung – zum Teil mit nachweislichem Effekt, zum Teil aber auch ohne klinischen Beleg. Wir haben uns einige Apps angesehen, um ein evidenzbasiertes Ökosystem aufzubauen und Therapeuten damit aktuelles Wissen und digitalisierte therapeutische Instrumente zur Verfügung zu stellen“, erklärt Degen. „Wir testeten alle Arten von Software, Instrumente, Geräte und Apps, etwa eine Therapie mittels virtueller Realität zur Behandlung von Angstzuständen, Neurofeedback und therapeutische Spiele, und integrierten sie in unsere Plattform“, sagt sie. Einige Apps waren frei erhältlich, für andere brauchte es eine Zustimmung, bevor wir sie auf die Plattform bringen konnten. Einige wiederum wurden vom Projektteam selbst entwickelt, um Lücken zu schließen. Das System wird ständig mit neuen Instrumenten und Apps weiterentwickelt. „Dabei wird die therapeutische Sitzung quasi durch viele Instrumente ergänzt, die per Fernzugriff zugänglich sind“, fügt Degen hinzu. „Einige dieser Geräte, etwa VR-Systeme zur Behandlung von Angstzuständen, sind für den Therapeuten recht teuer, und über uns ist der Zugang nun möglich.“

Ein „Freund“ in der Not

Weiterhin entwickelte das Projekt den HYGGii-Chatbot als Smartphone-App, den Degen nun als Psychotherapeut und Betreuer „im Taschenformat“ präsentiert. „Er ist für Menschen konzipiert, die schon an einer psychischen Störung leiden und wegen einer Remission auf einen Termin beim Therapeuten warten. Dann kommt es vor allem auf die tägliche Erinnerung an“, sagt Degen. HYGGii arbeitet mit Leonarda, einer proprietären KI-Engine (künstliche Intelligenz), die über Sprachanalyse, Spracherkennung und Gesichtserkennung geschriebene und gesprochene Sprache sowie Redewendungen in mehreren europäischen Sprachen versteht. Die Patienten geben die Nachricht ein wie beim Online-Chat. „Über den Chatbot bekommen wir von den Patienten Informationen, wobei aber selten Gefühle offenbart werden. Normalerweise ist das erste Problem, über das geredet wird, nicht das eigentliche Problem“, sagt Degen. „Die Interaktion mit den Patienten findet auf sicherer und spielerischer Ebene statt. HYGGii hat auch Sinn für Humor und spricht mitunter nur über das Wetter oder Nebensächlichkeiten, die zwar das Problem nicht direkt betreffen, aber eine Beziehung zum Patienten herstellen.“ Patienten ziehen ein Gespräch mit dem Therapeuten unter vier Augen vor, weil die Scham oft groß ist. „Psychische Störungen können ein Stigma sein“, bemerkt Degen. Mit den KI-Algorithmen kann eine Triage durchgeführt werden, um Patienten entsprechend den im Chat festgestellten Symptomen der zutreffenden psychischen Störung zuzuordnen. Dann wird HYGGii versuchen, über verschiedenste wissenschaftlich fundierte therapeutische Spiele und Übungen ein Abrutschen in eine psychische Erkrankung zu verhindern.

Schlüsselbegriffe

HYGGii, psychische Gesundheit, psychisches Wohlbefinden, psychische Störung, therapeutische Instrumente, Neurofeedback, Angststörung, Depression, Psychotherapeut, Chatbot, künstliche Intelligenz, Triage

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