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Realising Innovation in Transitions for Decarbonisation

Projektinformationen

ID Finanzhilfevereinbarung: 730053

Status

Laufendes Projekt

  • Startdatum

    1 Dezember 2016

  • Enddatum

    30 November 2020

Finanziert unter:

H2020-EU.3.5.1.

  • Gesamtbudget:

    € 4 500 000

  • EU-Beitrag

    € 4 500 000

Koordiniert durch:

LUNDS UNIVERSITET

Deutsch DE

Neue Dekarbonisierungsansätze weisen Industrie beim Umstieg den Weg

Eine von der EU finanzierte Forschungsgruppe hat eine neue Perspektive eingenommen, um mögliche Übergangswege für CO2-intensive Industriebranchen aufzuzeigen. Fachkräfte aus dem Ingenieurwesen, der Sozialwissenschaft, Klimafachleute und die Industrie haben gemeinsam Empfehlungen ausgearbeitet, welche die gesamte Wertschöpfungskette, aber auch Problematiken wie die Verbrauchsnachfrage miteinbeziehen.

Industrielle Technologien
© Photo by Karsten Würth on Unsplash

Kein Industriezweig darf in Zukunft noch Emissionen produzieren, wenn wir die globale Erderwärmung unter 2 °C bzw. 1,5 °C halten wollen. Das im Dezember 2016 gestartete Projekt REINVENT (Realising Innovation in Transitions for Decarbonisation) hat sich auf verschiedene Sektoren konzentriert, bei denen die Dekarbonisierung relativ langsam verläuft, etwa die Papier-, Stahl- und Kunststoffindustrie. Diese Branchen stehen vor verschiedenen Herausforderungen. „Alle energieintensiven Sektoren, außer vielleicht die Papierindustrie, stehen vor dem Problem, dass ihr Produkt durch die Dekarbonisierung teurer werden könnte“, erklärt Lars Nilsson von der schwedischen Universität Lund. Er ist der Projektkoordinator von REINVENT. „Bei Stahl sprechen wir unter Umständen von 20 bis 40 % und bei Primärkunststoffen von 50 bis 200 %. Außerdem sind sie alle an bestehende Vermögenswerte und Infrastrukturen gebunden.“ Industrielle Prozesse sind in der Regel extrem komplex – auch deshalb bleibt die industrielle Dekarbonisierung häufig hinter dem Verkehrs- und Energiesektor zurück. Genau aus diesem Grund ist zwingend ein neuer Lösungsansatz für dieses Problem notwendig.

Herausforderungen der Dekarbonisierung

Das REINVENT-Projekt hat die gesamte Wertschöpfungskette der einzelnen Industriebereiche untersucht. Dabei hat sich das Team nicht nur die jeweiligen Prozesse der einzelnen Sektoren angesehen, sondern auch Problematiken wie den Bedarf der Verbraucherinnen und Verbraucher sowie den eigentlichen Verbrauch ganzheitlich analysiert. „Zu nachhaltiger Energie und Verkehr wird seit Jahrzehnten geforscht, während es kaum Untersuchungen zur Dekarbonisierung der Industrie gibt“, so Nilsson. „Wir hoffen, dass künftige Visionen in Bezug auf eine Industrie ohne fossile Brennstoffe durch unsere Arbeit Gestalt annehmen können und sie auch zu einem Umdenken in der Politik beitragen kann.“ Das Projektteam berücksichtigte Verbindungen zwischen Sektoren und konsultierte Fachleute aus den Bereichen Wirtschaft, Geografie und Politikwissenschaft. „Wir stellten Fragen wie: Können wir den Bedarf senken? Wie viel können wir recyceln? Wie viel Kunststoff ist in Ordnung?“, sagt Nilsson. „Das ist ein wichtiger Punkt, weil Abschwächungsstrategien für die Industrie in den integrierten Bewertungsmodellen – den umfangreichen Modellen, die bei Sachstandsberichten des Weltklimarates zur Entwicklung von Zukunftsszenarien zum Einsatz kommen – oftmals nicht gut dargestellt sind.“

Kohärente industrielle Strategien

Auf Grundlage dieser umfangreichen Feldforschung legte das Projektteam eine Reihe von Schwerpunktbereichen für eine politische Strategie zur Dekarbonisierung der Industrie fest. So wird unter anderem empfohlen, mehr Druck auf die Industrie auszuüben, um kohärente Dekarbonisierungsstrategien zu finden und zu formulieren. Außerdem sollen Entwicklungsstrategien für den Umgang mit veralteten Industriezweigen und die Abschaltung oder Umnutzung von Anlagen und Technologien erarbeitet werden. Darüber hinaus sind auch verstärkte Anstrengungen notwendig, um die Effizienz von Materialien zu verbessern und die Nachfrage nach ihnen zu senken. „Das hat sowohl Schub- als auch Sog-Strategien zur Folge“, sagt Nilsson. „So bedarf es zum Beispiel bestimmter ‚Nachfragesog‘-Strategien für umweltfreundliche Materialien, die über das umweltorientierte öffentliche Beschaffungswesen hinausgehen.“ Ferner verlangt das Projekt verstärkte Kapazitäten in Politik und Wissenschaft, um eine bessere Verfügbarkeit von Informationen zu gewährleisten. Außerdem hat REINVENT eine Bewertung des kürzlich veröffentlichten Masterplans für eine wettbewerbsfähige Umgestaltung der energieintensiven Industrien der EU zur Realisierung einer klimaneutralen, zirkulären Wirtschaft bis 2050 und des europäischen Grünen Deals bereitgestellt. „Das sind hervorragende Ausgangspunkte für die weitere Arbeit“, sagt Nilsson. „Unserer Einschätzung nach hätte jedoch mehr Aufmerksamkeit auf die Steuerung der Materialnachfrage, die konkreten Herausforderungen der Petrochemie und den zwingenden Aufbau von Kapazitäten gelenkt werden können.“ Nilsson hat festgestellt, dass vor allem die Nachfrageprobleme und die Petrochemie in der europäischen Industriestrategie berücksichtigt werden müssen. Des Weiteren müssen politische Strategien für einen erfolgreichen Umstieg eine klare Richtung haben, Technologie voranbringen, den Nachfragesog des Markts artikulieren, Regierungskapazitäten berücksichtigen und internationale Politikkohärenz bieten. Alle Konzepte der EU zur Dekarbonisierung der Industrie müssen hinsichtlich der Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit und den Handel daher im internationalen Kontext bewertet werden. Während der Projektarbeit wurden verschiedene Dekarbonisierungswege für die Stahl-, Kunststoff- und Papierindustrie erarbeitet. So sollen bei der Stahlindustrie die Energieversorgung und Materialeffizienz verbessert und der Fokus verstärkt auf Kreislaufwirtschaft und neue Technologien gelegt werden. In der Kunststoffindustrie liegt der Schwerpunkt auf der Reduzierung oder Optimierung des Einsatzes und der Produktion von Plastik, dem Ausbau der Kreislaufwirtschaft und der Nutzung von chemischem Recycling. Und nicht zuletzt konzentriert sich die Papierindustrie auf die Effizienz und Dekarbonisierung der Papierproduktion durch Nutzung anderer Brennstoffe und eine Diversifizierung in Bioraffinerien. Die Botschaft des Projekts konnte erfolgreich an politische Verantwortliche und führende Industrieunternehmen vermittelt werden. Die Wege hin zu fossilfreien Grundstoffindustrien und die Auswirkungen auf die Industriepolitik wurden im Dezember 2019 auf der COP25 in Madrid auf einer Parallelveranstaltung vorgestellt, die den Namen „EU Technology Transition for Industry – The Role of Research and Innovation Programmes“ (zu Deutsch: Der Technologiewandel in der europäischen Industrie – die Rolle von Forschungs- und Innovationsprogrammen) trug. REINVENT endet planmäßig im Dezember 2020. Nilsson hofft, dass die Forschung auf den bisherigen Erfolgen des Projekts aufbauen und so tiefer in die Dekarbonisierung der Industrie eintauchen kann.

Schlüsselbegriffe

REINVENT, CO2-intensiv, Industrie, Weltklimarat, IPCC, Klima, dekarbonisieren, Papier, Stahl, Kunststoff, fossilfrei, Dekarbonisierung, Wege, Klimaschutz

Projektinformationen

ID Finanzhilfevereinbarung: 730053

Status

Laufendes Projekt

  • Startdatum

    1 Dezember 2016

  • Enddatum

    30 November 2020

Finanziert unter:

H2020-EU.3.5.1.

  • Gesamtbudget:

    € 4 500 000

  • EU-Beitrag

    € 4 500 000

Koordiniert durch:

LUNDS UNIVERSITET

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