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Lösliche Kügelchen für die Behandlung chronischer Knieschmerzen

Arthrose am Knie, ein schmerzhafter Verschleiß des Gelenks, ist derzeit weltweit die vierthäufigste Ursache für Behinderungen. Ein neuartiger Behandlungsansatz könnte mithilfe eines minimalinvasiven Verfahrens Millionen Menschen Linderung verschaffen.

Gesundheit

Menschen mit dieser fortschreitenden degenerativen Erkrankung leiden im Schnitt 28 Jahre lang unter chronischen Schmerzen sowie unter einer herabgesetzten Lebensqualität und starken Depressionen. Die durch die Erkrankung eingeschränkte Mobilität kann auch zum Verlust des Arbeitsplatzes und hohen wirtschaftlichen Kosten für Einzelpersonen und die Gesellschaft führen. „Wir waren erstaunt, dass für Kniearthrose nur wenige alternative Behandlungsmethoden erforscht werden, obwohl weltweit 327 Millionen Menschen davon betroffen sind und die degenerative Erkrankung zu gesellschaftlichen Kosten von 1 % des Bruttosozialprodukts führt“, berichtet Shelly Moloney, Leiterin für Forschung und Entwicklung bei CrannMed und Forscherin im Projekt ADDEGE. Momentan sind die einzigen verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten unwirksame, äußerst suchterzeugende Opioide und Medikamente, die ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen und zum Tode führen können, oder sehr schmerzhafte, kostspielige und umfassende Kniegelenkersatzoperationen. Im EU-finanzierten Projekt ADDEGE, das vom biomedizinischen Unternehmen CrannMed geleitet wird, stand die Behandlung chronischer Schmerzen und herabgesetzter Mobilität aufgrund von Kniearthrose im Mittelpunkt. Ziel war es, eine kostengünstige, minimalinvasive Behandlungsmethode zu entwickeln, mit der die Symptome der Erkrankung behandelt und das Fortschreiten verlangsamt werden können.

Bioresorbierbare Kügelchen

Die Forschungsgruppe entwickelte bioresorbierbare Emboliepartikel, Kügelchen, die überschüssige Blutgefäße am Knie blockieren. Die Kügelchen werden dann auf natürlichem Wege im Körper abgebaut. „Unsere Partikel werden innerhalb von zwei bis drei Tagen vollständig resorbiert. Dieser Zeitraum genügt, um den Teufelskreis der Arthrose zu durchbrechen. Wenn nötig, ist eine Nachbehandlung möglich. Außerdem wird Problemen durch die Verlagerung der Partikel vorgebeugt und eine dauerhafte Blockierung der Blutgefäße wird unterbunden“, erläutert Moloney. Mithilfe von Ballon-Mikrokathetern werden die Kügelchen verabreicht und der Blutfluss gelenkt. Der Ballon-Mikrokatheter von CrannMed verabreicht die Kügelchen, um die überschüssigen Blutgefäße, ein Hauptsymptom der Arthrose am Knie, zu verschließen. Dies unterbricht dann den schädlichen Verschleißkreislauf der Erkrankung. Das Behandlungsinstrumentarium wird in der interventionellen Radiologie eingesetzt werden, um eine Embolisation der Kniegelenksarterien durchzuführen. Der Eingriff dauert etwa eineinhalb Stunden, die Behandelten können das Krankenhaus also am gleichen Tag, schon nach wenigen Stunden, verlassen. Die Embolisation der Kniegelenksarterien führte zu besseren Ergebnissen als andere derzeit eingesetzte Behandlungsmethoden, da die lebenslange Medikamenteneinnahme vermieden, die Mobilität wiederhergestellt und die Lebensqualität gesteigert wird. Außerdem hören die chronischen Schmerzen auf. Die neue Behandlung ist die einzige Möglichkeit, um das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen.

Den Nutzen in die Welt tragen

Das Stipendium ermöglichte es dem Projektteam, eine tiefgehende Marktstudie über ihr innovatives Behandlungssystem abzuschließen. „Wir kamen zu dem Schluss, dass für das Instrumentarium von CrannMed zukunftsfähige Marktchancen bestehen, zunächst für die Embolisation der Kniegelenksarterien, die ein minimalinvasives Verfahren für die Behandlung chronischer Kniearthrose ist. Auch die Embolisation der Prostataarterie, ein weiterer kleiner Eingriff, dieses Mal für die Behandlung einer vergrößerten Prostata sowie die Behandlung verschiedener Gefäßtumore könnten davon profitieren“, so Moloney. Das Team bestätigt, dass mehrere medizinische Fachleute ihr Interesse an der Durchführung klinischer Studien mit dem Produkt bekundet hätten.

Weitere Studien

Das Projekt wird nun die Tierversuche abschließen, die die Umsetzbarkeit des Systems aufzeigen sollen. „Langfristig bestehen die nächsten Schritte aus der Kommerzialisierung der Produkte. Der Weg zur Markteinführung geht über den direkten Vertrieb an klinische Fachkräfte, die an klinischen Studien in der EU und in den USA beteiligt sind. Danach folgt die Zusammenarbeit mit spezialisierten Vertriebshändlern, um die Produkte auf den Märkten in Asien, der EU, Japan und den USA zu etablieren“, schließt Moloney.

Schlüsselbegriffe

ADDEGE, Knie, Arthrose, Schmerzen, Gelenk, Behandlung, Instrumentarium, Studien, chronisch

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