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Hörgeräte haben Zukunft: Patientendatenanalyse beeinflusst Vorgehensweise bei Hörverlust

Hörverlust erhöht das Risiko des kognitiven Leistungsabfalls, psychischer Erkrankungen und Depressionen und kann zu sozialer Isolation führen. Eine europäische Forschungsgruppe hat Big Data von Hörgeräte tragenden Menschen gesammelt, um zukünftige Richtlinien und Interventionen in Bezug auf die öffentliche Gesundheit im Bereich des Hörens zu prägen.

Gesundheit

Gegenwärtig sind Hörgeräte die wichtigste Intervention bei Schwerhörigkeit. Ungeachtet zunehmender Beweise dafür, dass Hörgeräte gesundheitlich von Vorteil sind, wird jedoch die Behandlung oft als zu kostspielig angesehen. Daher besteht die Notwendigkeit, verstärkt wissenschaftliche Erkenntnisse in die politische Entscheidungsfindung auf diesem Gebiet einzubeziehen.

Datenanalyseplattform im Dienste der politischen Entscheidungsfindung

Das EU-finanzierte Projekt EVOTION hat nun eine Plattform zur Analyse von Patientendaten und deren Umwandlung in Belege für die zukünftige öffentliche Gesundheitspolitik im Bereich des Hörens entwickelt. Das Projekt sollte Einrichtungen, Fachleute und Behörden der öffentlichen Gesundheitspolitik zusammenbringen, um die Ausgestaltung der angestrebten Politik zu unterstützen. „Unser Ziel bestand darin, Nachweise für die Formulierung von gesundheitspolitischen Strategien zu liefern, die auf ein ganzheitliches Management von Hörverlust in Bezug auf Prävention, Früherkennung, Behandlung und Rehabilitation hinauslaufen“, erklärt Projektkoordinator Niels Pontoppidan. Die auf der EVOTION-Plattform vereinten Werkzeuge sammeln mithilfe der App Daten von Hörgeräten und tragbaren Biosensoren, die dem Projekt zugeordnet sind. Die Plattform kann die Daten von diesen Hörhilfen (Nutzung und Lärm), klinische Gesundheitsakten einschließlich Medikation, gesellschaftliche Daten sowie Informationen über alltägliche Lebensgewohnheiten, Verhalten und Umwelt umwandeln. Die Werkzeuge können außerdem auf retrospektive und aktuelle Patientendaten aus vorhandenen klinischen Repositorien sowie dynamische Daten von 1 000 hörgeschädigten Bürgerinnen und Bürgern, die in Griechenland und im Vereinigten Königreich überwacht werden, zur Nutzung zugreifen. Die Teilnehmenden können ihre Hörlösung selbst verwalten sowie Hörtests und Hörtraining durchführen. „Da all diese Elemente von Beginn an in das Projekt einbezogen wurden, konnte sichergestellt werden, dass die Teilnahme als lohnenswert empfunden wird und das Plattformdesign den Bedürfnissen der Teilnehmenden entspricht“, betont Pontoppidan.

Neuartiger Einblick in den Einsatz von Hörgeräten

Die auf der EVOTION-Plattform analysierten Patientendaten lieferten interessante Ergebnisse, so dass zum Beispiel Hörgeräte verstärkt am Abend in lauten Umgebungen genutzt wurden. Zudem ergaben Lärmsimulationsinstrumente, dass öffentliche Verkehrsmittel Hörprobleme verursachen könnten und möglicherweise in ähnlicher Weise wie Freizeit- und Arbeitsumgebungen geregelt werden sollten. Laute Geräusche scheinen ebenso wie Geschwindigkeit das Herz-Kreislauf-System zu beeinflussen, was direkt und über Minuten mit steigendem Puls reagiert. In Griechenland hatten diese Ergebnisse in ihrer Gesamtheit die erste öffentlich finanzierte Verschreibung von Hörgeräten zur Folge.

EVOTION: Erfolge und Zukunftsaussichten

Es ist zu erwarten, dass in naher Zukunft angesichts der hohen Lärmbelastung und der zunehmenden Alterung der Bevölkerung die Prävalenz von Hörverlust zunehmen wird. Mit der EVOTION-Plattform und der nahtlosen Sammlung von Big Data konnte erfolgreich demonstriert werden, dass eine Kombination aus den Alltag betreffenden, klinischen und gesellschaftlichen Daten die Etablierung neuer Strategien für die öffentliche Gesundheitspolitik ermöglicht. Mithilfe dieser Daten können für politische Entscheidungen Verantwortliche Wirksamkeits- und Kosten-Nutzen-Analysen durchführen, die auf eine bessere Patientenversorgung abzielen. Aus Sicht der Betroffenen verschafft die Möglichkeit, die Hörgeräteeinstellungen selbst verwalten zu können, ihnen die dringend erforderlichen Personalisierungsoptionen. Überdies können die EVOTION-Daten in der Hörgeräteakustik eingesetzt werden, um die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten zu ermitteln sowie die Behandlung der Schwerhörigkeit zu optimieren. Pontoppidan zufolge ist die unmittelbare „Einrichtung einer gemeinnützigen Organisation, die mit den innerhalb von EVOTION entwickelten Werkzeugen und Dienstleistungen große Mengen an Gesundheitsdaten speichern und analysieren kann“, geplant. Mithilfe weiterer Finanzierung wird die Anwendung der EVOTION-Plattform auf andere Bereiche der Gesundheitsversorgung ausgeweitet, in denen die Erfassung von Patientendaten durch tragbare Sensoren in Form von Wearables zur Gestaltung zukünftiger politischer Richtlinien beitragen kann.

Schlüsselbegriffe

EVOTION, Hörverlust, Schwerhörigkeit, Plattform, Big Data, Hörgerät, Gesundheitspolitik

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