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Tablet ersetzt Notenblatt

Das Mitführen von Notenblättern aus Papier ist ein Ärgernis. Ein neues, autonomes und benutzerfreundliches Umblättersystem für Tablets – das erste seiner Art – setzt diesem Problem ein Ende.

Digitale Wirtschaft

Viele Musikschaffende brauchen Partituren aus Papier, mögen sie jedoch nicht. Papier ist so schwer und sperrig, dass viele von ihnen einen Rollkoffer benötigen, um die Notenblätter auf Reisen zu transportieren. Bei Aufführungen unter freiem Himmel kann das Papier außerdem rascheln oder sogar vom Winde verweht werden. Selbst unter optimalen Bedingungen spielen die meisten Musikerinnen und Musiker mit beiden Händen, wodurch das Umblättern schwierig wird. Da es immer wieder genutzt und mit Anmerkungen versehen wird, zersetzt sich das Papier ferner mit der Zeit. Das EU-finanzierte Projekt BEATIK hat nun eine papierlose Lösung entwickelt. Das Team hat ein System für Tablets erschaffen, das die Noten anzeigt und in einigen Fällen sogar selbst umblättern kann. Im Rahmen der Projektarbeit sollten die Partituren des Systems nach einem Algorithmus für verschiedene Tablet-Plattformen optimiert und die Nutzungserfahrung verbessert werden.

Musikstücke anzeigen lassen

BEATIK ist in erster Linie eine Software, mit der sich Einzelpersonen und Gruppen Partituren maßgeschneidert als PDF anzeigen lassen können. In der umfangreichen Bibliothek des Projekts stehen ausgewählte Stücke zum Download bereit; Nutzerinnen und Nutzer können aber auch ihre eigenen importieren. Diese können aufgerufen oder zum Lernen mit Anmerkungen versehen werden. Die Interaktion beginnt mit einer Online-Oberfläche, auf der die Nutzerin oder der Nutzer die verschiedenen Musizierenden, Instrumente oder Funktionen bei einem Auftritt festlegt. „Sobald diese Schritte abgeschlossen sind, können die Musikschaffenden die BEATIK-Anwendung auf einem Tablet nutzen“, sagt Pedro Vera-Candeas, Koordinator von BEATIK. Während der Proben ist ein Haupttablet dafür verantwortlich, dass die Tablets der Musizierenden an derselben Stelle beginnen. Die Dirigentin oder der Dirigent versieht die eigene Anwendung mit individuellen Anmerkungen für bestimmte Musikschaffende, welche diese auf ihrem Tablet sehen können. „Bei einem Konzert legt das Haupttablet die Wiedergaberate und den Takt darüber hinaus automatisch für alle Musiker fest“, so Vera-Candeas weiter.

Der Musik folgen

Eine weitere wesentliche Funktion des Systems ist das automatische Umblättern. Das ist nur mit speziellen Dateien möglich, den sogenannten „intelligente Partituren“ (Smart Scores). „Eine Datei für intelligente Partituren besteht aus einer PDF des Werks sowie weiteren Informationen über die Position des jeweiligen Takts in der PDF und die Noten, nach denen innerhalb des Takts gespielt werden soll“, so Vera-Candeas. Anhand dieser Informationen folgt der Algorithmus von BEATIK, der sich nach den Partituren richtet, effektiv über ein Mikrofon der Musik, während sie gespielt wird. Er bestimmt, wo sich die Musizierenden innerhalb der Partitur jeweils befinden und passt die Anzeige entsprechend an. Die umfangreiche Bibliothek von BEATIK enthält Musikstücke im PDF-Format. Derzeit werden nur rund 2 000 der 400 000 Einträge als Dateien für intelligente Partituren kodiert. Es können jedoch eigene intelligente Partituren für ein heruntergeladenes Stück erstellt werden. Dazu ist eine vorherige Aufzeichnung des entsprechenden Stücks erforderlich. Die Bibliothek umfasst größtenteils lizenzfreie Musikstücke und einige urheberrechtlich geschützte Materialien, die von der Inhaberin bzw. dem Inhaber freigegeben wurden. In der nächsten Version wird das Herunterladen urheberrechtlich geschützter Stücke nach vorheriger Zahlung möglich sein. Das Projektteam stellte das System auf dem BEATIK Altea Festival im spanischen Altea vor, wo Musikschaffende live mit BEATIK spielten. Die Rückmeldungen der Künstlerinnen und Künstler waren überwältigend. BEATIK scheint auf einzigartige Art und Weise einen Nerv zu treffen. Projektmitglieder haben das System vor professionellen Musizierenden und Musikverbünden, darunter Orchestern, vorgestellt. Darüber hinaus verhandelt das Team mit verschiedenen Verlagen über die Möglichkeit, ihre Bibliotheken in das System einzubinden. BEATIK verbannt die Notenblätter aus Papier und löst die damit verbundenen Probleme. Die Nutzerinnen und Nutzer können sich ihre Sammlung und vieles mehr auf dem Tablet anzeigen lassen. Sofern Aufzeichnungen von bestimmten Auftritten existieren, können sie außerdem Dateien für intelligente Partituren erstellen, die den Musizierenden folgen, während sie spielen.

Schlüsselbegriffe

BEATIK, Tablet, Smart Scores, intelligente Partituren, Bibliothek, Notenblätter aus Papier, Partitur, Umblättern, papierlos

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