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Eine neuartige Behandlung gegen Pneumokokken auf Basis von Antikörpern

Monoklonale Antikörper haben die Krebsbehandlung revolutioniert. Die Ausweitung des Repertoires zur Behandlung von bakteriellen Infektionen könnte ähnliche Vorteile bringen.

Gesundheit

Das Bakterium Streptococcus pneumoniae ist die Hauptursache für ambulant erworbene Pneumonie und kann auch Ohrenentzündungen, Sinusitis, Meningitis sowie Sepsis verursachen. Antibiotika sind die Hauptverteidigung gegen diese Infektionen, doch Resistenzen gegen diese Wirkstoffe sind schnell aufgebaut.

Antikörper-Cocktail

Monoklonale Antikörper sind Y-förmige Moleküle, welche das Immunsystem anleiten, pathogene Substanzen anzugreifen. Das EU-finanzierte Projekt mABSPN hat versucht, monoklonale Antikörper zu isolieren, die bei der Bekämpfung von Pneumokokkeninfektionen helfen könnten. „Derzeitige Bemühungen konzentrieren sich auf die Entwicklung eines neuen Impfstoffes“, sagt die Projektforscherin von mABSPN Leire Aguinagalde. „Diese Bemühungen sind auch erfolgreich“, erklärt sie, „doch aufgrund der Vielseitigkeit der Pneumokokken treten noch immer viele Fälle auf.“ Eine der Haupteigenschaften von Pneumokokken ist, dass sie von mehr als 90 Polysaccharidkapseln umgeben sind. Sie sind einer der Hauptfaktoren der Virulenz und jede ruft eine bestimmte Immunantwort hervor. Diese große Vielfalt bedeutet, dass Impfstoffe vor vielen von ihnen keinen Schutz bieten, was wiederum die Notwendigkeit von mehr allgemein wirkenden Behandlungen unterstreicht. Dank der Erfolge in der Onkologie ist es jetzt einfacher, die Aktivität monoklonaler Antikörper zu generieren und zu verändern. Für die Verwendung gegen Pneumokokken muss ein Antikörper gefunden werden, der ein Antigen angreift, das in vielen Stämmen vorkommt und so eine starke Immunantwort auslöst. Eine alternative Strategie ist die Produktion eines Antikörper-Cocktails, der auf viele verschiedene Stämme reagieren kann.

Veränderte Behandlung

„Da monoklonale Antikörper die natürliche Kraft des Immunsystems nutzen, steigt das Interesse an deren Einsatz bei der Behandlung bakterieller Infektionen“, sagt Aguinagalde. „Außerdem müssen sie nicht auf einen bestimmten Serotyp zugeschnitten sein. Unser Schwerpunkt liegt auf Antikörpern gegen Pneumokokken, doch das endgültige Ziel ist die Ausweitung der Ergebnisse zur Behandlung jeglicher anderer Bakterien.“ Aguinagalde führte ihre Forschung im Labor von Suzan Rooijakkers am University Medical Centre Utrecht in den Niederlanden durch, mit Unterstützung der Marie Skłodowska-Curie-Maßnahmen. Sie hat erfolgreich bewiesen, dass monoklonale Antikörper wirksam gegen Pneumokokken sein können, besonders wenn diese modifiziert wurden. „Wir verwendeten einige monoklonale Antikörper, die bereits verfügbar sind, und konnten Antikörper herstellen, die Pneumokokken effizienter erkennen und diese in vitro und in Mäusen komplett beseitigen“, fügt Aguinagalde hinzu. Zur Verbesserung der Aktivität der Antikörper wurden diese modifiziert, um eine bessere Reaktion in Menschen auszulösen.

Zukunftspläne

Die Unterstützung der EU habe in mehrerer Hinsicht geholfen, sagt Aguinagalde. „Durch sie konnte ich mein Wissen über Pneumokokken mit dem Fachwissen des Gastlabors über Immunität verbinden. Gemeinsam konnten wir mit diesem Projekt Erfolg haben“, meint sie. „Dank der EU-Finanzierung hatte ich die Möglichkeit, ein Projekt zu leiten und zu koordinieren sowie mein eigenes Projekt zu entwickeln und Studierende anzuleiten. Ich besuchte auch nationale und internationale Symposien, bei denen ich meine Fähigkeiten zur Wissensverbreitung im Expertenpublikum verbessern konnte.“ Die Unterstützung habe ihr auch das notwendige Selbstvertrauen gegeben, sich für Förderungen gegen eine stärkere Konkurrenz zu bewerben, sagt sie. Aguinagalde will weiter in diesem Gebiet arbeiten und die Idee der Verwendung monoklonaler Antikörper bei der Behandlung bakterieller Infektionen weiterentwickeln: „Jetzt ist unser Ziel, nicht nur bestimmte Pneumokokkenstämme zu behandeln. Wir möchten wirkungsvolle Antikörper finden und deren Reichweite ausbauen, sodass wir letztendlich einen Antikörper-Cocktail zusammenstellen können, der das gesamte Problem lösen könnte.“

Schlüsselbegriffe

mABSPN, monoklonal, Antikörper, Pneumokokken, Streptococcus pneumoniae, Bakterien, Cocktail, Serotyp, Infektionen

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