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Einfacher Schnelltest auf Präeklampsie für mehr Sicherheit in der Schwangerschaft

Ein schnelles patientennahes Diagnosegerät soll eine Überprüfung auf die Krankheit im Rahmen der Vorsorge vereinfachen, ohne dass eine Krankenhausüberweisung nötig ist.

Gesundheit

Präeklampsie ist eine Krankheit, die in der Schwangerschaft lebensgefährlich für Mutter und Kind werden kann. Europaweit sind 2-5 % aller Schwangeren, d. h. mehr als 200 000 Frauen betroffen. Trotz intensiver Bemühungen stellt Präeklampsie noch immer eine der Hauptursachen für Müttersterblichkeit dar, wobei eine möglichst frühe Diagnose dazu beitragen kann, Komplikationen vor und nach der Geburt zu minimieren. Über das EU-finanzierte Projekt PEDPOC wurde das Schweizer Unternehmen MOMM Diagnostics bei einer kommerziellen Machbarkeitsstudie für einen neuen Schnelltest zur Früherkennung und kontinuierlichen Risikokontrolle auf Präeklampsie unterstützt. „Es besteht dringender Bedarf für eine bessere Diagnostik hinsichtlich Präeklampsie, da die Testung bei der Mehrheit der Frauen noch zu wünschen übrig lässt“, erklärt Mathias Wipf, Koordinator von PEDPOC und Geschäftsführer von MOMM Diagnostics. „Ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel kann bislang nur mit Blutdruckmessung und Kontrolle auf Proteinurie vorgesorgt werden.“

Schnelltest zum Ausschluss tödlicher Risiken

Seit einigen Jahren werde deutlich, so Wipf, dass Biomarker im Blut der Mutter ein wichtiger Hinweisgeber auf eine mögliche Erkrankung oder ein entsprechendes Risiko sind. Bei dem von MOMM Diagnostics entwickelten Gerät, das nicht größer als ein USB-Stick ist, können mit einem einzigen Blutstropfen auf einer preiswerten Einwegpatrone mehrere Biomarker getestet werden. Da der Test höchstens 20 Minuten dauert, kann er in die Schwangerschaftsvorsorge eingebunden werden. „Mit unseren Tests kann Präeklampsie sofort diagnostiziert werden, was den Zeitaufwand deutlich senkt“, erklärt Wipf. „Liegen die Ergebnisse bereits während der Untersuchung vor, ist eine fundierte medizinische Entscheidung möglich, ohne eine Patientin nur wegen des Verdachts auf Symptome wie Bluthochdruck ins Krankenhaus überweisen zu müssen.“ Die Entwicklung ist vom Zeitpunkt her günstig: Die EU-Länder beginnen derzeit mit Präeklampsietests im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge, die in Deutschland, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich erstattungsfähig ist. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: die Folgen einer Präeklampsie machen bis zu 30 % geburtshilflicher Kosten aus. „Wir halten diesen Zeitpunkt für optimal, da weder ein Markt geschaffen werden muss, noch dieser Markt bereits gesättigt ist“, so Wipf.

Marktpotenzial in Milliardenhöhe

Der europäische Markt für Präeklampsiediagnostik wird bis zum Jahr 2027 auf einen Wert von 1,1 Mrd. EUR geschätzt, und MOMM Diagnostics geht davon aus, sich bis 2028 mindestens 5 % dieses Marktes sichern zu können. Wipf zufolge handelt es sich bei dem PEDPOC-Test um das erste Produkt für einen voraussichtlich schnell wachsenden Markt für hochpräzise Schnelltests auf Biomarker in niedrigsten Konzentrationen. Für die derzeit noch in Entwicklung befindlichen Tests stehen die klinische Validierung und Zulassung noch aus, und Wipf will diese Phase bis 2022 abgeschlossen sehen, sodass das Produkt im nachfolgenden Jahr auf den Markt kommen kann. Das Unternehmen startet den Vertrieb zunächst in Europa und den Vereinigten Staaten, und soll, sobald ein passender Handelspartner gefunden ist, weltweit liefern. PEDPOC baut auf früheren EU-finanzierten Forschungsprojekten wie RECORD-IT auf, das Teil des Programms Künftige und neu entstehende Technologien ist. Wipf sieht in der Technologie eine große Unterstützung für ärztliches Personal und Patientinnen: „Es ist immer spannend, wenn Grundlagenforschung in ein funktionierendes Produkt umgesetzt wird.“

Schlüsselbegriffe

PEDPOC, Präeklampsie, Schwangerschaft, POC-Test, Schnelltest, Diagnose, niedrig, Häufigkeit

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