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The Graeco-Egyptian State: Hellenistic Archives from Egyptian Mummies

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Papyrus-Innovationen erwecken altes Ägypten zum Leben

Neue Ansätze zur Untersuchung antiker Papyrustexte könnten uns viel über das Leben in Ägypten während der ptolemäischen Dynastie verraten.

Die Arbeit des Projekts GESHAEM(öffnet in neuem Fenster) konzentrierte sich auf Ägypten während der Ptolemäerzeit und insbesondere auf Papyri (aus der Papyruspflanze hergestelltes papierähnliches Schreibmaterial) aus der Region Fayoum aus dem dritten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Diese Papyri fanden später als Mumienumhüllungen, sogenannte Kartonagen, erneut Verwendung. „Bei den meisten dieser Papyri handelt es sich um Verwaltungsdokumente, die sich auf das von den ersten Ptolemäern in Ägypten eingeführte Steuersystem beziehen“, erklärt GESHAEM-Projektkoordinatorin Marie-Pierre Chaufray von der Hochschule École Pratique des Hautes Études in Frankreich. „Die Texte sind größtenteils in ägyptischem Demotisch verfasst, mit Zusammenfassungen in Griechisch, und zeigen, wie die Verwaltung auf lokales Fachwissen sowie auf griechische Traditionen zurückgriff.“ Zu dieser Zeit entwickelte sich in Ägypten eine zweisprachige Verwaltung, und viele griechische Menschen ließen sich in der Region Fayoum nieder. Anhand der Untersuchung dieser Papyri und Kartonagen planten Chaufray und ihr Team, die Rolle der Ägypter in der weitgehend griechischen ptolemäischen Verwaltung neu zu bewerten sowie neue Erkenntnisse über die Entwicklung von Bestattungspraktiken zu gewinnen.

Papyrustexte entziffern und interpretieren

Das Team des vom Europäischen Forschungsrat(öffnet in neuem Fenster) unterstützten Projekts begann mit der Extraktion und Restaurierung von Papyri aus schlecht erhaltenen Kartonagen aus der Jouguet-Sammlung der Sorbonne Université. Die Papyri wurden in Farbe und mit Infrarot fotografiert und an Informatikfachleute weitergegeben, die einen Algorithmus entwickelten, um Verbindungen zwischen den zahlreichen Fragmenten zu finden. Nach der Rekonstruktion wurden die Texte von Expertinnen und Experten entziffert und interpretiert. „Dieses Projekt war aufgrund der engen Zusammenarbeit zwischen Fachleuten für Dokumentenrestauration, griechische und demotische Papyrologie, Ägyptologie, Kuration und Informationstechnologie einzigartig“, berichtet Chaufray. „Jede Gruppe hatte ein offenes Ohr für die Bedürfnisse der anderen, und alle Fortschritte wurden gemeinsam erzielt.“

Neue Einblicke in die ptolemäische Verwaltung

Das GESHAEM-Team restaurierte 42 Stücke Mumienverzierungen und inventarisierte 221 neue Papyrusfragmente. Es wurde eine Datenbank(öffnet in neuem Fenster) entwickelt, und ein Teil der Projektergebnisse wurde in Form eines Buchs für die allgemeine Öffentlichkeit(öffnet in neuem Fenster) publiziert, das jetzt als Referenzwerk für das ptolemäische Ägypten dient. „Im Rahmen von GESHAEM konnte die ptolemäische Verwaltung und insbesondere die Rolle der Ägypter bei der Bildung des Staates beleuchtet werden“, fügt Chaufray hinzu. Der Papyrualgorithmus sowie eine Schnittstelle zur Bearbeitung von Fragmenten sind nun offen zugänglich. „Das Projekt GESHAEM ist eines der ersten im Bereich der Papyrologie, innerhalb von dem versucht wurde, eine Software für das Zusammenfügen von Papyrusfragmenten zu entwickeln“, erläutert Chaufray. „Das wird in der Papyrologie viel Zeit sparen.“ Die Projektergebnisse wurden in mehreren Vorträge(öffnet in neuem Fenster) und in einer abschließenden Ausstellung(öffnet in neuem Fenster) in Bordeaux vorgestellt. Weitere Ergebnisse sind ein Zeichentrickfilm über die Herstellung und Wiederverwendung von Papyrus sowie Aquarelle, die der Künstler J.-C. Golvin für die Ausstellung in Bordeaux geschaffen hat.

Ressourcen für Geschichtswissenschaft, Sprachwissenschaft und Philologie

Ein Team junger Gelehrter setzt die Arbeit an der Veröffentlichung der demotischen Papyri aus der Sammlung Jouguet und die Suche nach neuen zweisprachigen Archiven mithilfe der Mitglieder von GESHAEM fort. Die GESHAEM-Datenbank wird weiterhin aktualisiert, damit neu veröffentlichte Texte allen problemlos zugänglich sind. „Die neuen Daten über landwirtschaftliche Arbeiten, Dorfgemeinschaften und die Verwaltung im Fayoum können für umfassendere geschichtswissenschaftliche Studien genutzt werden“, erläutert Chaufray. „Dank der zahlreichen zweisprachigen Dokumente, die für die Sprachwissenschaft und Philologie von Interesse sein können, kann auch über die griechische und ägyptische Sprache geforscht werden.“ Zukünftige Projekte könnten weitere Ausgrabungen an den Fundorten der Papyri sowie Verbesserungen an den innerhalb von GESHAEM entwickelten Computerwerkzeugen umfassen.

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