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Making the Earth Global: Early Modern Nautical Rutters and the Construction of a Global Concept of the Earth

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Wie die Erde zu einem globalen Konzept wurde

Alte Schiffsprotokolle enthüllen die Geschichte, wie unterschiedliche wissenschaftliche Konzepte unseres Planeten zu einem einheitlichen Ganzen wurden.

Unser Wissen über die Erde war einst fragmentiert, unterschiedlich und stark auf Ort und Zeit bezogen. Vor der großräumigen Meteorologie gab es nur Diskussionen über das lokale Wetter. Vor den Erklärungen über globale magnetische Muster blieb das Zittern der Magnetnadeln ein Rätsel. Unser Verständnis von großen Meeresströmungen war hinter Beschreibungen der fließenden Meeresoberfläche verborgen. Wie also wurde aus diesem lokal begrenzten Wissen ein Interesse für den gesamten Planeten? „Die grundlegende Frage, die RUTTER behandelte, lautete: Wann — und wie — wurde die gesamte Erde zu einem einzigen, kohärenten, Objekt für die wissenschaftliche Forschung?“ erklärt Henrique Leitão(öffnet in neuem Fenster), ein Wissenschaftshistoriker an der Universität Lissabon. Diese Frage sei zwar nicht neu, aber das EU-finanzierte Projekt RUTTER ging sie auf völlig neue Weise an und kam zu einigen bemerkenswerten Schlussfolgerungen, so Leitão. Das Projekt verfolgte einen interdisziplinären Ansatz, um die Entstehung der wissenschaftlichen 'globalen Erde' zu erforschen, indem es sich mit den Informationen befasste, die in nautischen Rutters — alten Seefahrthandbüchern — und Schiffslogbüchern enthalten sind. Diese Dokumente zeigen, wie die Seefahrer des 15. bis 17. Jahrhunderts die Erde im Zuge der Entwicklung des wissenschaftlichen Denkens erlebten. „Dies entspricht der Periode, in der stabile und regelmäßige Langstrecken-Seereisen die Ozeane der Erde auf globaler, planetarer Ebene durchquerten“, stellt Leitão fest. „Tatsächlich enthalten keine früheren Dokumente Informationen über die Erde auf vergleichbar weltweiter Ebene.“

Studium alter maritimer Unterlagen

RUTTER stützt sich auf Rutters aus dem 15. bis 17. Jahrhundert, auf Schiffslogbücher und andere technische Werkstoffe im Zusammenhang mit Seereisen. Sie enthalten nautische Informationen sowie Informationen über Meteorologie, Geographie, Geophysik sowie die Natur. Das Team durchsuchte die europäischen Archive, um über tausend dieser Unterlagen zu finden, zu klassifizieren und zu analysieren, und erstellte dann einen umfangreichen Katalog als Grundlage für weitere Forschungen. Dazu gehörte eine detaillierte Untersuchung der Informationsverbreitung im Europa der Frühen Neuzeit, die sich auf formelle Kanäle wie Briefwechsel und Bücher sowie auf informelle Kanäle wie Diplomatie und Spionage stützte.

Konstruktion des Begriffs einer „globalen Erde“

Das Projekt offenbarte viele zuvor bekannte Erkenntnisse über die antike Transformation von Wissen und zeigte insgesamt, dass der Begriff einer „globalen Erde“ durch einen langen und komplexen Prozess konstruiert wurde. Dazu gehören der Beginn regelmäßiger Langstrecken-Seereisen, die Existenz von „epistemischen Artefakten“, in denen Beobachtungen der Natur auf großer, planetarer Ebene festgehalten wurden, sowie die Schaffung einer institutionellen Infrastruktur, die sowohl den Informationsfluss als auch die kritische Analyse von Daten unterstützt.

Lektionen für die globalisierte Welt von heute

Die Analyse zeigte außerdem ein überraschend hohes Maß an Austausch zwischen westlichen und lokalen (meist arabischen) Seeleuten im Indischen Ozean, selbst wenn der allgemeine Kontext von kommerzieller Rivalität oder sogar offenem Krieg geprägt war. „Die Schlussfolgerung lautet nicht nur, dass die Übernahme maritimen, geografischen und hydrographischen Wissens aus außereuropäischen Quellen nach Europa ein wirklicher Faktor in der Frühen Neuzeit war, sondern auch, dass die Konstruktion des Konzepts der ‚globalen Erde‘ eine multikulturelle Dimension besitzt“, erklärt Leitão. Über die Relevanz der Ergebnisse für die Wissenschaftsgeschichte hinaus ist das Team der Ansicht, dass diese Ergebnisse auch Lehren im Hinblick auf heutige planetarische Konzepte wie die „globale Umwelt“ oder das „globale Klima“ bieten. „Diesen Konzepten liegen grundlegende Vorstellungen von Maßstab und Globalität zugrunde“, sagt Leitão. „RUTTER zeigt, dass diese Vorstellungen das Ergebnis komplexer und nicht-linearer historischer Entwicklungen sind.“

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