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Schlafen Kolibris überhaupt?

Aufgrund ihres extrem energieintensiven Lebensstils können Kolibris innerhalb weniger Stunden verhungern. Wie ist es ihnen dann möglich, die Nacht zu überleben? Unsere Expertin Catherine Graham verrät die raffinierten Tricks, mit denen es die Kolibris schaffen, sich auszuruhen.

Jede Mutter, die schon einmal einen zuckerreichen Kindergeburtstag beaufsichtigt hat, mag das anders sehen, aber nichts kommt an den Energieverbrauch und -aufwand eines Kolibris heran. „Diese Vögel sind aus physiologischer Sicht absolute Sonderfälle“, betont Graham, Ökologin an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL(öffnet in neuem Fenster). „Sie verbrauchen enorme Mengen an Energie: etwa so viel wie ein Mensch, der an einem Tag dreihundert Hamburger isst.“

Energieintensive Lebensstile

Dieser Energieaufwand ist notwendig, um Nahrung zu finden, denn Kolibris ernähren sich fast ausschließlich von Nektar, obwohl einige auch Insekten fressen. Sie sind Profis im Schwebeflug, wobei sie dafür bis zu eintausend Herzschläge pro Minute benötigen und unglaubliche fünfzig bis achtzig Flügelschläge pro Sekunde ausführen. „Dank ihren einzigartigen Flügelgelenke führen sie diese Achtermuster im Schwirrflug aus, wodurch sie meisterhaft die Kunst des Schwebens beherrschen“, fügt Graham hinzu. Auf diese Weise nehmen sie den energiereichen Nektar der Blüten äußerst effizient auf. Der typische Tag eines Kolibris besteht deshalb aus einer ständigen Suche nach Nahrung. Einige Arten sterben sogar, wenn sie zwei oder drei Stunden keine Nahrung finden.

Die Vorteile des Schlafens

Das alles klingt nach sehr viel Anstrengung. Die gute Nachricht ist, dass auch Kolibris wissen, was es bedeutet, es ruhig angehen zu lassen. Nachts können sie verschiedene Körperprozesse abschalten, ihre Temperatur herunterkühlen und ihren Herzschlag auf etwa fünfzig Schläge pro Minute senken. Dieser Zustand der Starre, der sogenannte tiefe Torpor, ermöglicht es ihnen, große Mengen an Energie zu sparen. Was jedoch seinen Preis hat. In diesem Zustand sind die Vögel stärker durch Raubtiere gefährdet, und ein Mangel an ausreichendem Schlaf kann ihr Immunsystem beeinträchtigen. Aus diesem Grund können Kolibris ihre Schlafmuster an ihre spezifischen Bedürfnisse anpassen. Sie können auch in den sogenannten leichten Torpor fallen, einen oberflächlichen Ruhezustand. „Hierbei senken sie ihre Körpertemperatur um etwa drei Grad Celsius“, berichtet Graham. „Sie behalten einige der Vorteile des Schlafs und können bei Bedarf schneller aus der Starre erwachen.“ Kolibris können flexibel zwischen flachem und tiefem Torpor wechseln. Somit können sie ihre Schlafmuster an ihren Energiebedarf anpassen. Graham weist außerdem darauf hin, dass nistende Kolibriweibchen nur selten den Torporzustand fielen, da sie ihre Eier wärmen und auf Raubtiere achten müssten. „Kolibris müssen ihren Energiebedarf sowohl nachts als auch tagsüber ständig ausbalancieren“, erläutert Graham. „Sie tun alles, was in ihrer Macht steht, um zu den geringstmöglichen Kosten an Energie zu gelangen.“

Eine einzigartige Art

Es gibt noch viele weitere Faktoren, dank derer Kolibris einzigartig sind. Sie verfügen über spezialisierte Zungen, die Fluide auffangen, weniger Körperfedern, um die Wärme abzuleiten, und große Hippocampus-Regionen im Gehirn, die mit dem räumlichen Gedächtnis zusammenhängen und ihnen dabei helfen, sich daran zu erinnern, wo es Blüten gibt. Grahams Interesse an Kolibris rührt jedoch von ihrer Erforschung der Abholzung tropischer Wälder her und wie sich diese auf die Interaktionen zwischen den verschiedenen Arten auswirken könnte. Graham koordinierte das vom Europäischen Forschungsrat(öffnet in neuem Fenster) finanzierte Projekt Ecol of interactions, das neue Erkenntnisse über die Interaktion verschiedener Kolibriarten mit ihrer Umwelt lieferte. Die Arbeit wird dazu beitragen, gezielte und wirkungsvolle Naturschutzstrategien für die Zukunft zu entwickeln. „Wenn bekannt ist, welche Pflanzen wichtig sind, dann wissen wir auch, welche Pflanzen bei einem Wiederherstellungsprojekt zu pflanzen sind“, erklärt Graham. „Als Nächstes möchte ich mich um Finanzmittel bewerben, um die Auswirkungen von Dürren auf Kolibris zu erforschen.“ Erfahren Sie mehr über die Forschung von Catherine Graham: Developing the predictive ecology of plant-animal interactions across space and time

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