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Forensic Intelligence and Remote Sensing Technologies for nature conservation

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Digitale Intelligenz und Forensik verhindern Verlust an biologischer Vielfalt

Mit einer neuen Prognoseplattform wird der Naturschutzbereich dabei unterstützt, europaweit Wilderei, Lebensraumverlust und Konflikte mit wildlebenden Tieren und Pflanzen vorauszusehen, wobei digitale Zwillinge, künstliche Intelligenz (KI) und in nahezu Echtzeit erfolgende Überwachung der biologischen Vielfalt zum Einsatz kommen.

Was wäre, wenn der Rückgang der biologischen Vielfalt erkannt werden könnte, bevor er am Boden sichtbar wird? Im Naturschutz sind auf fragmentierte Daten, verzögerte Reaktionen und den wachsenden Druck auf die Ökosysteme zurückzuführende Probleme zu verzeichnen. Aufgrund dieser Herausforderungen müssen Schäden verhindert werden, anstatt erst auf sie zu reagieren. Das Team des EU-finanzierten Projekts NATURE-FIRST(öffnet in neuem Fenster) hat sich zum Ziel gesetzt, die Überwachung der biologischen Vielfalt nahezu in Echtzeit durchzuführen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen sowie Vorhersagen in rechtzeitige, umsetzbare Interventionen einfließen zu lassen. Das Projektteam kombiniert Fernerkundungstechnologien mit Umweltforensik, einer Disziplin, bei der die Analyse von Beweismaterial im Mittelpunkt steht, um Wildtier- und Umweltkriminalität zu verhindern. Diese Methoden werden in Form einer Naturschutztechnologieplattform zusammengeführt, die Datenerfassung, Überwachung, Erkenntnisse, Analyse und Berichterstattung unterstützt. „Die Plattform hat es Naturschutzfachleuten ermöglicht, Daten innerhalb eines Systems zu zentralisieren und abzugleichen, Informationen aus verschiedenen Quellen zu integrieren sowie wirkungsvollere Analysen und Risikobewertungen durchzuführen, was letztlich sachkundigere und zeitnahere Managemententscheidungen nach sich zieht“, erläutert Projektkoordinator Jan-Kees Schakel. NATURE-FIRST lieferte Ergebnisse aus vier Naturschutzgebieten in vier Ländern: dem Balkangebirge in Bulgarien, den Gebirgszügen Ancares-Courel in Spanien, dem Donaudelta in Rumänien und dem grenzüberschreitenden Maramureș-Gebiet in Rumänien und der Ukraine.

Biodiversitätsdaten in prädiktive Intelligenz umwandeln

Die Plattform integriert Felddaten aus verschiedenen Quellen, darunter Datenerfassungs-Apps, Tier-Tracker, Kamerafallen und quelloffene Datensätze. Mithilfe von KI bietet sie Echtzeitüberwachung, erweiterte Analysen und Berichte. Eine der wichtigsten projekteigenen Innovationen ist die Verwendung digitaler Zwillinge(öffnet in neuem Fenster), datengesteuerter virtueller Repräsentationen von Arten oder Ökosystemen, die kontinuierlich aktualisiert werden, sobald neue Informationen verfügbar sind. Im Donaudelta verbessert ein für Störe entwickelter digitaler Zwilling die Vorhersage der Laichzeiten, sodass die Interessengruppen Wildereirisiken oder Habitatstörungen vorhersehen und Schutzmaßnahmen zu dem Zeitpunkt und an Orten verstärken können, wann und wo sie am nötigsten sind. In Bulgarien wurde ein digitaler Zwilling erforscht, um potenzielle Konflikte zwischen Menschen und Bären prognostizieren. Die Basismodelle wurden zwar nicht vollständig im Balkangebirge umgesetzt, aber sie wurden an andere Standorte angepasst, um den für Entscheidungen Verantwortlichen, die sich mit der Problematik Mensch-Wildtiere befassen, präventive Maßnahmen zu ermöglichen.

Einblicke aus europäischen Reservaten

In allen Demonstrationsgebieten des Projekts lieferte die Plattform neue Erkenntnisse über im Wandel befindliche Ökosysteme. In der Ukraine wurde das Verständnis für die Bewegungen und das Verhalten von Großraubtieren verbessert, wobei die Ursachen von Konflikten zwischen Mensch und Wildtieren, insbesondere zwischen landwirtschaftlichen und Imkerei-Betrieben, ermittelt wurden. In Rumänien konnten die Dynamik und die Saisonabhängigkeit der Bärenbewegungen aufgeklärt und somit die Patrouillentätigkeit in sensiblen Gebieten optimiert werden. In Bulgarien gelang dank ökologischer und anthropogener Daten die frühzeitige Erkennung von Vegetationstrends und Störungen. In Spanien verdeutlichte die kontinuierliche automatisierte Kartierung von Lebensräumen die Auswirkungen der Landflucht, der Aufgabe landwirtschaftlicher Tätigkeiten, veränderter forstwirtschaftlicher Praktiken und von Waldbränden, zeigte aber gleichermaßen die Erholung der Braunbärenpopulation in der Region auf.

Vom Beweis zum Handeln

Die Umweltforensik bildete einen weiteren Eckpfeiler von NATURE-FIRST. Das Projektteam trägt durch die Kombination ökologischer Daten mit forensischen Methoden dazu bei, Feldbeobachtungen in rechtsgültige Beweise umzuwandeln. In gezielten Weiterbildungsprogrammen(öffnet in neuem Fenster) wurde das Personal aus den Bereichen Waldaufsicht und Naturschutz mit Kompetenzen auf dem Gebiet der strafrechtlichen Ermittlungen ausgestattet, wodurch die Abschreckung gestärkt, die Durchsetzungskosten gesenkt und die Einhaltung der EU-Umweltverordnungen gefördert wurden. Die Projektarbeit ergab außerdem, dass digitale Werkzeuge erfolgreich sind, wenn sie auf lokalem Wissen beruhen und durch Schulungen, Vertrauen und klare Vorteile für die Interessengruppen unterstützt werden. Wie Schakel anmerkt, ist die Plattform „äußerst flexibel, anpassungsfähig und funktioniert bei jedem Ökosystem, in jeder Region innerhalb und außerhalb Europas, und bei jeder Art“. Die Partner arbeiten nun daran, diese Vorhersageinstrumente in das europaweite Naturschutzmanagement zu integrieren und sie auf neue Regionen, Ökosysteme und Einrichtungen auszuweiten.

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