Unsere Meere von oben nach unten säubern
Im Rahmen des EU-finanzierten Projekts SeaClear2.0(öffnet in neuem Fenster) kommen Teams aus autonomen, intelligenten Robotern zum Einsatz, mit denen die Meeresoberfläche und vor allem den Grund des Meeres überwacht und Abfälle geborgen werden. Der integrierte Ansatz befasst sich mit dem gesamten Kreislauf des Meeresmülls und trägt zur EU-Mission bei, bis 2030 unsere Ozeane, Meere und Binnengewässer wiederzubeleben und zu schützen. Jahr für Jahr gelangen bis zu 600 000 Tonnen Plastikmüll in Europas Meere, und der größte Teil davon setzt sich auf dem Meeresboden ab. Zwar sind alle Meere Europas von der Plastikverschmutzung betroffen, aber am stärksten belastet ist das Mittelmeer. Zurückzuführen ist diese Situation in erster Linie auf eine Kombination aus hohem anthropogenem Druck – verursacht durch dicht besiedelte Küstengebiete, intensiven Tourismus und ineffiziente Abfallbewirtschaftung – und dem halbgeschlossenen Becken des Mittelmeers mit sehr begrenztem Wasseraustausch mit dem Atlantik. „Es landet eine enorme Menge Müll im Meer“, erklärt Bart De Schutter, Professor an der Technischen Universität Delft in den Niederlanden und Projektkoordinator von SeaClear2.0 in einer kürzlich auf „Euronews“ veröffentlichten Nachrichtenmeldung(öffnet in neuem Fenster). „Viele Projekte konzentrieren sich auf Abfall an der Wasseroberfläche, aber wir richten den Blick auf den Meeresboden“, ergänzt De Schutter. „Dort müssen wir den Müll entfernen, weil er die Umwelt belasten kann.“
Im Bündnis mit Falken, Drachen, Schildkröten, Bienen und Katzen
SeaClear2.0 baut auf den Errungenschaften seines Vorgängerprojekts SeaClear auf, dessen Team das erste autonome Robotiksystem zum Einsammeln von Abfällen am Meeresgrund entwickelte. Das derzeitige System besteht aus einer Flotte intelligenter Roboter, wobei ein autonomes, ferngesteuertes unbemanntes Oberflächenfahrzeug mit der Bezeichnung SeaCAT als zentraler Knotenpunkt dient. SeaCAT koordiniert und setzt mehrere Robotikvorrichtungen ein, um Meeresmüll zu erkennen, zu klassifizieren und einzusammeln. An die SeaCAT ist eine Drohne namens SeaHawk gekoppelt, die stark vermüllte Orte erkennt. Die Mini TORTUGA (spanisch für „Schildkröte“), ein von SeaCAT eingesetzter kompakter und äußerst wendiger Unterwasser-Rover, dient der Kartierung des Meeresbodens und der Identifizierung verstreuter Abfälle vor den Sammelarbeiten. Ein speziell angefertigter Robotikgreifer wird eingesetzt, um Objekte verschiedener Formen und Gewichte unter schwierigen Unterwasserbedingungen auf sichere Weise zu ergreifen. SeaBees, kompakte Minidrohnen, die sich geschickt auf engstem Raum bewegen können, werden genutzt, um Abfall mit Netzen einzusammeln. Zu guter Letzt kommt das zweite projekteigene unbemannte Oberflächenfahrzeug, der SeaDragon, zum Einsatz, um den geborgenen Abfall zu deponieren und zurück an Land zu transportieren. Das SeaClear2.0-System wurde bereits in einem Yachthafen in Marseille, Frankreich, und in Deutschland erprobt. „In Tests haben wir bereits Gummireifen, Metallzäune und Schiffsteile geborgen“, berichtet De Schutter. „Mit einem Kran auf dem Oberflächenfahrzeug können wir noch schwerere Objekte anheben.“ Das SeaClear2.0-Team plant, die Technologie bis zum Projektende im Dezember 2026 weiter zu optimieren. „Wir sind noch nicht ganz da, wo wir hinwollen“, stellt Yves Chardard fest, Geschäftsführer des französischen Projektpartners Subsea Tech. „Aber wir sind nicht weit davon entfernt.“ Weitere Tests sind in Venedig (Italien), Dubrovnik (Kroatien) und Tarragona (Spanien) geplant. Im Februar 2026 veranstaltete das Team von SeaClear2.0 (Scalable Full-cycle Marine Litter Remediation in the Mediterranean: Robotic and Participatory Solutions) eine einwöchige Winterakademie, die sich mit der Weiterentwicklung der Meeresrobotik für einen saubereren Ozean befasste. An der Veranstaltung, die vom deutschen Projektpartner, der Technischen Universität München, ausgerichtet wurde, nahmen 42 Forscherinnen und Forscher aus sechzehn Ländern teil, um modernste autonome Unterwassersysteme kennenzulernen, die dafür konzipiert sind, Abfälle auf dem Meeresboden zu identifizieren und einzusammeln. Weitere Informationen: SeaClear2.0-Projektwebsite(öffnet in neuem Fenster)