In der Aquakultur in Richtung nachhaltige Zukunft umdenken
Die aquatische Nahrungsmittelerzeugung hängt zum größten Teil von einer kleinen Anzahl von Arten und ressourcenintensiven Praktiken ab. Dieses statische Modell trägt zu Eutrophierung, Überfischung und ineffizientem Futtermitteleinsatz bei, wodurch der Druck auf die Umwelt noch verstärkt wird. Diese Herausforderungen zu meistern, erfordert einen grundlegenden Wandel hin zu vielfältigeren, kreislauforientierten und nachhaltigen Systemen.
Diversifizierung der Erzeugung essbarer Meerestiere und -pflanzen
Das Team des EU-finanzierten Projekts NOVAFOODIES(öffnet in neuem Fenster) reagierte auf diesen Bedarf mit der Entwicklung integrierter Lösungen, durch die die Art und Weise, wie aquatische Ressourcen erzeugt, verarbeitet und auf den Markt gebracht werden, verändert wird. Dem Vorhaben lag die Idee zugrunde, natürliche Ökosystemdienstleistungen nachzuahmen, da Meeres- und Süßwasserressourcen ein ungenutztes Potenzial für Europas zukünftige Lebensmittelsysteme bieten. Ziel war es, die Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern sowie gleichzeitig die Produktivität und Resilienz zu erhöhen. „Unser Wunsch ist zu beweisen, dass die aquatische Nahrungsmittelerzeugung Teil der Umweltlösung und nicht das Problem sein kann“, erklärt Projektkoordinator Augusto Márquez. Algen nehmen bei dieser Transformation eine zentrale Rolle ein. Sowohl Mikro- als auch Makroalgen sind reich an Nährstoffen, können Kohlendioxid binden und bieten eine nachhaltige Grundlage für neue Lebensmittelprodukte und Aquakulturbeiträge. Innerhalb des Projekts wird jedoch betont, dass Algen allein nicht ausreichen. Stattdessen ist eine Umstrukturierung der gesamten Wertschöpfungskette erforderlich, damit nachhaltige Erzeugung, Abfallrecycling und verbesserte Rückverfolgbarkeit miteinander verknüpft werden.
Innovative Lösungen
Das Team von NOVAFOODIES hat ein breit gefächertes Portfolio an Technologien und Prototypen entwickelt, die in verschiedene Phasen der Wertschöpfungskette für aquatische Lebensmittel eingreifen. Zu den vielversprechendsten Fortschritten zählt ein mikrowellenunterstütztes Trocknungsverfahren(öffnet in neuem Fenster) für Algen, mit dem der energetische Wirkungsgrad verbessert, aber auch den Erhalt der empfindlichen Nährstoffe gewährleistet wird. Dank dieser Technologie wird einer der Hauptengpässe des Sektors entschärft, und die Betriebskosten werden erheblich gesenkt. Zudem leistete das Projektteam Pionierarbeit für ein innovatives Bioraffineriekonzept(öffnet in neuem Fenster) zur Gewinnung von funktionellen Inhaltsstoffen aus Mikroalgenarten (wie zum Beispiel Chlorella und Schizochytrium). Dieses Verfahren ermöglicht die Herstellung neuer kosmetischer, nutrizeutischer und pharmazeutischer Produkte mit hohem Mehrwert sowie neuartiger Lebens- und Futtermittel, darunter mit Algen angereicherte Teigwaren, joghurtartige Desserts und Snacks auf Algenbasis, die den sich wandelnden Präferenzen der Verbraucherinnen und Verbraucher entsprechen. Die Lösungen von NOVAFOODIES gehen dabei über die reine Nahrungsmittelerzeugung hinaus. Das Konsortium entwickelte Verfahren zur Herstellung ökologischer Verpackungsmaterialien aus Makroalgen und zur Umwandlung von Strandgut in wertvolle Biomasse für Aquakulturfutter. Auch der bei der Fischerei häufig zurückgeworfene Beifang wurde in vermarktbare Lebensmittelprodukte umgewandelt, was beweist, dass aus Abfallströmen wirtschaftliche Chancen entstehen können.
Anwendungen in der Praxis
Das NOVAFOODIES-Konsortium hat serienweise Feldversuche durchgeführt, um seine vorgeschlagene Methodik zu validieren. Multitrophe Aquakultursysteme wurden in sieben verschiedenen Umgebungen erprobt, wobei es sich als richtig erwies, dass mit Ko-Kultivierung von Arten Abfall reduziert und die Ressourceneffizienz verbessert werden kann. Innerhalb dieser Systeme dienen die Nährstoffe einer Art als Input für eine andere, wodurch ausgewogene und regenerative Produktionszyklen aufgebaut werden. Weitere Pilotprojekte lieferten Beweise für die Abfallminderung und die lokale wirtschaftliche Entwicklung. Die Verwertung nicht ausreichend genutzter Biomasse hin zu hochwertigen Produkten hat neue Geschäftsmöglichkeiten entstehen lassen und gleichzeitig die Umweltbelastung verringert. Ebenso wichtig ist der Projektschwerpunkt, bei dem es um das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher geht. Das Team von NOVAFOODIES hat eine digitale Plattform und eine mobile Anwendung zur umfassenden Produktrückverfolgbarkeit erarbeitet. Die Verbraucherinnen und Verbraucher können in Echtzeit Informationen über Herkunft, Sicherheit und Umweltauswirkungen der Produkte abrufen, womit ein wesentliches Hindernis im Zusammenhang mit der Akzeptanz neuartiger mariner Lebensmittel aus dem Weg geräumt wird. Mit Blick in die Zukunft strebt das Gemeinschaftsunternehmen die Kommerzialisierung seiner wichtigsten Ergebnisse einschließlich der Sicherung des geistigen Eigentums und der Unterstützung der Marktakzeptanz an. „Unsere Lösungen sind in hohem Maße übertragbar, da sie europaweit in verschiedenen Umgebungen erprobt wurden“, betont Márquez.