Innovative Ideen Verringerung von Lebensmittelabfällen
Jedes Jahr werden in der EU rund 89 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet, was etwa 20 % der gesamten Lebensmittelproduktion entspricht und Kosten in Höhe von rund 143 Milliarden Euro verursacht. Dies stellt eine erhebliche wirtschaftliche und ökologische Herausforderung dar. „Die Erzeugung und Entsorgung von Lebensmittelabfällen in der EU führt zum Ausstoß von 170 Millionen Tonnen CO2“, erläutert Carolina Peñalva, Koordinatorin des Projekts SISTERS(öffnet in neuem Fenster), vom Technologiezentrum Aitiip(öffnet in neuem Fenster) in Spanien. „Zudem stellt es eine verschwenderische Investition dar, welche die Kosten für Landwirte und die Preise für Verbraucher in die Höhe treibt. Um die Ressourcenbelastung zu verringern und die Lebensmittelpreise zu senken, muss die Abfallmenge daher unbedingt reduziert werden.“
Der Weg von der Lebensmittelproduktion über die Verarbeitung bis zum Verbrauch
Das EU-finanzierte Projekt SISTERS wollte Innovationen zur Verringerung von Lebensmittelverlusten und -abfällen identifizieren – von der Produktion und Verarbeitung bis hin zur Logistik und zum Verbrauch. Das vorrangige Ziel bestand darin, in ausgewählten Fallstudien die Verschwendung um 27,4 % und die CO2-Emissionen um etwa 20 % zu senken. Dazu wurden zunächst Lösungen für jede einzelne Stufe der Wertschöpfungskette entwickelt. Auf der Produktionsseite wurde eine Plattform(öffnet in neuem Fenster) geschaffen, über die Landwirte ihre Überschüsse oder aussortierten Erzeugnisse direkt an Verbraucher verkaufen können. Es wurden intelligente und wiederverwendbare Lebensmittelbehälter (BulkBox und StoreBox) mit Sensor-Kits entwickelt, die Temperatur, Luftfeuchtigkeit, CO2 und O2 messen, um während des Transports frischer Produkte ideale Bedingungen zu gewährleisten. „Außerdem haben wir neue biobasierte und im Haushalt kompostierbare Verpackungslösungen entwickelt, darunter Stretchfolien, Verschlussfolien und Hartschalen“, sagt Peñalva. „Diese Materialien enthalten aktive Zusatzstoffe wie Artischockenblatt-Extrakte, um die Haltbarkeit von Lebensmitteln zu verbessern und die Umweltbelastung zu verringern.“ Für den Einzelhandel wurde neben Leitfäden für bewährte Praktiken und einem „SISTERS Seal of Excellence“ auch ein dynamischer Preisalgorithmus entwickelt, mit dem die Preise automatisch anhand von Verfallsdaten und Lagerbeständen angepasst werden können.
Intelligente Behälter sowie biobasierte Verpackungen
All diese Innovationen wurden unter realen oder industriellen Bedingungen eingehend getestet. Die Plattform wurde im Rahmen von Probeläufen mit rund 300 Primärproduzenten validiert. Die intelligenten Behälter werden mit leicht verderblichen Waren wie Pilzen, Beeren, Spinat, Lachs und Käse getestet. Im Vergleich zu Standardverpackungen wurde eine bessere Haltbarkeit bestätigt. Biobasierte Verpackungen wurden auf industriellen Maßstab skaliert und an realen Verarbeitungslinien getestet (z. B. mit frisch geschnittenen Äpfeln, Paprika und Käse). „Die Ergebnisse zeigten eine wirksame Lebensmittelsicherheit und – je nach Lebensmittel – eine gleichwertige oder bessere Haltbarkeit im Vergleich zu herkömmlichen Kunststoffen“, bemerkt Peñalva. Leitfäden für bewährte Verfahren und das „Seal of Excellence“ wurden in 35 EROSKI-Filialen in sechs spanischen Provinzen unter realen Betriebsbedingungen getestet, um ihre Skalierbarkeit und ihre Auswirkungen auf die Abfallmenge der Lebensmittel im Einzelhandel zu bewerten.
Werkzeugkasten für Geschäftsfälle und praktische Leitlinien
SISTERS hat erfolgreich ein starkes Portfolio(öffnet in neuem Fenster) verwertbarer Ergebnisse geschaffen. Dazu gehören die Plattform, intelligente Behälter, ein Algorithmus zur dynamischen Preisgestaltung sowie „Smart-QR“-Etiketten. Das Konsortium hat einen detaillierten Geschäftsplan fertiggestellt, der Finanzprognosen sowie eine Übersicht für die Markteinführung enthält. „Wir haben den SISTERS-Werkzeugkasten für Geschäftsfälle und die praktischen Leitfäden bereitgestellt, um Unternehmen im gesamten EU-Lebensmittelsystem bei der Einführung unserer Technologien zu unterstützen“, fügt Peñalva hinzu. „Um die langfristige Nachhaltigkeit nach Projektende sicherzustellen, haben wir Replikationswege und -modelle entworfen.“ Es wurden dabei auch wichtige Erkenntnisse über das Verbraucherverhalten gewonnen. „Anhand von Umfragen unter mehr als 6.500 EU-Verbrauchern wurde ein ‚Biokunststoff-Paradoxon‘ aufgedeckt“, erklärt Peñalva. „Verbraucher mögen zwar Biokunststoffe, entsorgen sie aufgrund mangelnder Kenntnisse jedoch oft falsch. Darüber hinaus stellten wir fest, dass Haushaltsabfälle erheblich reduziert werden können, wenn der Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum verstanden wird.“